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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Mensch braucht die Landschaft zum Leben!
Zwischenüberschrift:
Kundgebung für "grünen Lebensraum mit profilierten Vertretern der Landschaftspflege und der Gartenarchitekur in der Schloß-Aula
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In Osnarück scheint eine " grüne Welle" ausgebrochen zu sein. Allerdings keine Welle, bei der die Signale für den Verkehr auf grün gestellt werden, sondern eine Welle grüner Gegenströmung zu dem Raubbau, der im Zeichen der Verstädterung mit der Landschaft geschieht. In der vorigen Woche befaßte sich der Rat der Stadt erstmals mit dem Grünflächenplan, der der Bebauung die Grenzen setzen soll, und gestern erlebte Osnabrück eine unter dem Motto " Der grüne Lebensraum" stehende Kundgebung, zu der sich profilierte Vertreter der Landschaftspflege und der Gartenarchitekur aus den gesamten Bundesgebiet einfanden, Prominententer Gast war Graf Lennart Bernadolle, der President der Deutschen Gartenbaugesellschft, der sich in einem mit großen Beifall aufgenommenen Vortrag in der vollbesetzten Aula der Pädagogischen Hochschule im Schloß nachdrücklich für die Erhaltung bzw. Wiederherstellung gesunder Lebensräume aussprach.

Die Stadt Osnabrück der " grüne Kreis" Osnabrück, der Architeken- und Ingenieurverein Osnabrück, die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftspflege und der Bund Deutscher Garten- und Landschaftsarchitekten, Landesgruppe Niedersachsen Nord, hatten zu dieser Kundgebung für dem " grünen Lebensraum" eingeladen, die von Oberstadtdirektor Fischer in der reich mit Frühlingsblumen geschmücken Aula der Pädagogischen Hochschule eröffnet wurde. Der Oberstadtdirektor begrüßte die zahlreichen Gäste aus den niedersächsischen und westfällischen Kreisen, imsbesondere die Vertreter der Stadt Bielefeld, und gab der Hoffung Ausdruck, daß die wertvollen Ideen des " grünen Keises" ihren Niederschlag in den Planungsgesetzen aller Länder finden möchten. Für Osnabrück durfte er sagen, daß die Stadt - auch ohne Landesplanungsgesetz - auf dem besten Wege zu einem Grünflächenplan ist und dabei durch die Stadtumlandplanung die Möglichkeit eines echten Zusammengehens von Stadt und Land gegeben ist.

GESUNDE LANDSCHAFT

Kurz und prägnant umriß Graf Lennart Bernadotte, der sich selbst als einen begeisterten Laien einen " Gärtner um des Menschen willen" bezeichnete, die " grüne Charta von der Mainau", die er - ausgehend von dem Argument, daß der Mensch nur gedeihen könne wenn der Mensch wieder menschgerecht leben könne - eine Charta der Menschenrechte nannte. Die " grüne Charta" sei ein menschlich-sittliches Anliegen, und erfreulicherweise habe sie auch eine starke Resonanz gefunden. Graf Bernadotte zeigte die Verunsicherung der Lebensgrundlagen - Luft, Wasser und ..... - aber auch die chaotischen Zustände in den industriellen Ballungräumenauf, um deutlichzu machen, wie dringlich die Forderung nach einer gesunden Landschaft ist. Es sei völlig falsch, von einem Volk ohne Raum zu sprechen und damit die schlechten Zustände entschuldigen zu wollen. Vielmehr liege der " Verbrauch" der gesunden Landschaft in einer nicht wirksam gewordenen ... umordnung begründet. Aus dieser sicht könne das Bundesbaugesetz von 1960 auch nur Teil einer großen und umfassenden Gesetzgebung sein, in der auch die Landschaftspflege die ihr gebührende und notwendige Stellung einnehmen.

GESUNDE MENSCHEN

Graf Lennart Bernadolle, der von einer sozialen Ausrichtung der Deutschen Gartenbaugesellschaft sprach, deren Präsident er ist, zeigte auch die Zusammenhänge von Landschaft, Freizeit und Wirtschaft auf. Freizeit könne nur sinnvoll sein, wenn sie einen Inhalt habe. Der Aufenthalt und die Arbeit in der Natur sei eine der großen Gaben Gottes, die den Inhalt vermitteln und darüber himaus auch für den durch die moderne Zeit gefährdeten Zusammenhalt der Familien wirksam werden könne. Letzlich sei die Erhaltung bzw. Schaffung von Erhölungsräumen für den arbeitenden Menschen zur Erhaltung seiner Leistungsfähigkeit auch eine Maßnahme vorbeugender Gesundheitspflege. Wenn man sicheinig in der Forderung nach einer gesunden Wirtschaft sei, könne dabei unmöglich übersehen werden, daß gesunde Menschen die wesendlichen Voraussetzungen für eine gesunde Wirtschaft seien. Man könne aber beinahe von einem Notstand des Menschen und der Landschaft sprechen. Ihrer bedürfe unsere Zeit am dringlichsten.

GRÜN IN DER STADT

Über " Grün in der Stadt" sprach Dr. H. U. Schmidt, Bielefeld, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Lanschaftspflege. Er stellte der Natur, in der der Mensch Jahrhunderte lebte, das steinerne Meer der Städte gegenüber. Nicht des Kontarstes willen, sondern um zu zeigen, daß die Thesen von technischen Menschen absurd ist, der Mensch nach wie vor die Landschaft braucht, um leben zu können. Lichtbild-Beispiele von Bielefeld - einer Stadt, in der es offenbar mehr Grün gibt als in Osnabrück - demunstrierten, wie wichtig " grüne Verbindungen" vom Stadtzentrum in die umgehende Landschaft sind, bewiesen in der Fülle der Menschenauf den Parkbänken, wie dankbar die " Städter" für jeden großen " Blumentopf" sind, der ihnen im Grau des 100 000-Alltags Erholung und Besinnung schenkt.

GRÜNER LEBENSRAUM

Als Sprecher des " grünen Kreises" Osnabrück verband Dr.-Ing. Gerd Lüers mit dem Dank an die beiden Redner die Hoffnung, daß den großen Verpflichtung, die aus der " Grünen Charta von Mainau" erwecke, nicht nur in der Gegenwart, sondern ... ........ Zukunft wirksam werde.Er verwies kurz auf Amerika, wo man heute bereits für das Jahr 2000 plant, erhebliche Mittel für den Ankauf von Grundstücken bereitstellt, die für eine verdoppelte Bevölkerung von etwa 350 Millionen Menschen die dann erforderlichen Erhölungsräume sichern sollen. Der Deutschen Gartenbaugesellschaft galt das Kompliment Dr. Lüers, über das eigendliche Gartengeschehen längst hinausgewachsen zu sein und die Aufgaben des " grünen Lebensraumes" von allen Seiten angepackt zu haben, ohne dabei die vielen kleineren Aufgaben zu vergessen. Der Vortrag " Grün in der Stadt" von Dr. Schmidt habe in erfreulichem Umfang deutlich gemacht, daß die Stadt Osnabrück bei den derzeitgen Beratungen über den Grünflächenplan nicht weitblickend genug sein könne. Was im Grüngeschehen versäumt werde, sei nie wieder gutzumachen. Alle Bewohner Osnabrücks würden die Stadt preisen, wenn sie dafür sorge, daß der " grüne Lebensraum" für alle Zukunft gesichert sei.

EMPFANG IM RATHAUS

Der kundgebung in der Aula der Pädagogischen Hochschule war ein Empfang des Präsidenten der Deutschen Gartenbaugesellschaft, Graf Lennart Bernadolle, seiner Gattin und des Presidenten der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landespflege, Dr. H. U. Schmidt, im Friedenssaal des Rathauses vorausgegangen. Oberbürgermeister Kelch hieß die Gäste willkommen, Stadtdirektor Voßkühler erläuterte ihnen die Bedeutung und die Schätze des Radhauses. Senator Cromme führte sie anschließend in die Grünplanung der Stadt Osnabrück ein. Am Nachmittag besichtigten die Gäste unter Führung von Senator Cromme Gartenarchitekt H. Nolte, Dr.-Ing Lüers und Gartenamtsleiter Th. Niemer das Demonstrativ-Programm Dodeshaus..

Bildtexte:
PROMISESTER GAST DER STADT OSNABRÜCK war beim gestrigen " grünen Tag" Graf Lennart Bernadolle, der von Oberbürgermeister Kelch im Friedenssaal des Rathauses begrüßt wurde. Unser Bild zeigt ihn mit seiner Gattin bei der Besichtigung des Rathauses.
IN DER VOLLBESETZTEN SCHLOSS-AULA forderte Graf Lennart Bernadolle, der President der Deutschen Gartenbaugesellschaft, in der Kundgebung für den " grünen Lebensraum" die Erhaltung bzw. Wiederherstellung gesunder Lebensräume, denen Menschen und Pflanzen gedeihen könne.
Aufnahmen:
Fricke

Die Forderungen der " grünen Charta"

1. eine rechtlich durchsetzbare Raumordnung für alle Planungsebenen unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten;
2. die Aufstellung von Landschaftsplänen, von Grünordnungsplänen in allen Gemeinden für Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsflächen,
3. ausreichender Erholungraum durch Bereitstellung von Gartenland,
freier Zugang zu Wäldern, Bergen, Seen und Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten,
stadtinnerer Freiraum in Wohnungsnähe für die tägliche Erhölung, stadtnaher Erholungsraum für das Wochenende und stadtferner Erholungraum für die Ferien,
4. die Sicherung und der Ausbau eines nachaltig fruchtbaren Landbaues und einer geordneten ländlichen Siedlung;
5. verstärkte Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung eines gesunden Naturhaushaltes, insbesondere durch Bodenschutz, Klima- und Wasserschutz.
6. die Schonung und nachhaltige Nutzung des natürlichen oder von Menschenhand geschaffenen Grüns;
7. die Verhinderung vermeidbarer landschaftschädigender Eingriffe, z. B. beim Siedlungs- und Industriebau, beim Bergbau, Wasserbau und Straßenbau;
8. Die Wiedergutmachung unvermeldbarer Eingriffe, insbesondere die Wiederbegrünung von Umland;
9. eine Umstellung im Denken der gesamten Bevölkerung durch verstärkten Unterricht der Öffentlichkeit über die Bedeutung der Landschaft in Stadt und Land und die ihr drohenden Gefahren,
10. die stärkere Berücksichtigung der natur- und landschaftskundlichen Grundlagen im Erziehungs- und Bildungswesen;
11. der Ausbau der Forschung für alle den natürlichen Lebensraum angehende Disziplinen;
12. ausreichende gesetzgeberische Maßnahmen zur Förderung und Sicherung eines gesunden Lebensraumes.
Autor:
-höv-


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