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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Wasserleitungen
Artikel:
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Originaltext:
(G. H.) Die Frage der Beschaffung gefunden Wassers für die Stadt Osnabrück ist nachgerade eine brennende in dem Maaße geworden, daß nur barer Unverstand oder böser Wille noch gegen die Nothwendigkeit einer dahin bezüglichen Anlage sprechen können. So lange nur für einzelne Stadttheile das Heranholen von Trinkwasser aus weiter Entfernung sich als Unbequemlichkeit fühlbar machte, mochte man die Dringlichkeit der Abhülfe gegen die Schwierigkeit der Ausführung in den Hintergrund setzen; nun aber die chemische Untersuchung das Wasser einer so bedeutenden Zahl von Brunnen, auch wo es klar und wohlschmeckend ist, als gesundheitschädlich hingesellt hat, da heißt es wohl: Gefahr in Verzuge! Mögen die Schrecken dieses Herbstes wenigstens daß eine Gute haben, daß wir nicht wieder wie 1859, wenn mit herannahendem Winter Cholera und Choleraangst verschwunden sind, die Hände in den Schooß legen und in träger Indolenz den Dingen den alten Lauf lassen. Bei guten Willen können die Mittel, Hülfe zu schaffen, hier wohl nicht fehlen, und die örtlichen Verhältnisse liegen für die betreffenden Anlagen so günstig wie irgenwo. In Nro. 218 u. 219 dieser Blätter ist schon aud die hierfür einzuschlagenden Wege hingedeutet: es mag dienlich sein, die Frage nochmals etwas eingehender zu besprechen. Es handelt sich zuerst darum: Wiel viel Wasser brauchen wir? Von fundiger Seite ist dieser Punkt schon einmal reiflicher Erörterung unterzogen. In Folge einer Petition von Anwohnern der Schillerstraße an den Magistrat vom September 1864 sind von einer Commission des Osnabrücker Technikervereins über das Bedürfniß und die Möglichkeit einer Wasserverfolgung für die Stadt speciells Untedrsuchungen angestellt worden. Nachdem eine Wasserleitung bloß für die Adjacenten der Schillerstraße als ungenügend und für sich zu kostspielig sich erwies, hat die Commission sich für die Herstellung einer Leitung für die ganze Stadt ausgesprochen und als Minimum des zu beschaffenden reinen Wassers das Quantum von 12000 Cubf. in 24 Stunden festgestellt. Diese Annahme gründete sich darauf, daß mur ½ der Einwohner (6000) an gutem Wasser Mangel habe und daß für diese je 2 Cubf. pro Tag zum Trinken und Kochengenügen würde; das Wasser zum Waschen und Spülen sollte dann nach wie vor aus den Brunnen entnommen werden. Ende des Berichts hat die Commission selbst dieses Quantum nur als äußersten Nothbehelf hingestellt und die Herstellung einer Wasserleitung für alle Einwohner und für alle Zwecke als einzige radicale Hülfe empfohlen.Nach den Erfahrungen der letzten Zeit, besonders nachdem die chemischen Untersuchungen die vorhandene Calamität als viel größer darstellt haben, wie man damals erwarten konnte, dürfte wohl für Jeden die obige geringe Annahme ein überwundener Standpunkt sein. Es ist bekannt, daß die Resultate der chemischen Untersuchung bei dem Ungebildeten wenig Glauben finden und deshalb die Warnungen vor denm Genuß des als schädlich bezeichneten Wassers unbeachtet bleiben, besonders wenn dies Wasser klar und wohlschmeckend ist. Wie wollte man auch dem Unwissenden einreden, sein Brunnenwasser, das an Farbe und Geschmack nichts zu wünschen übrig läßt, sei schädlich, während trübes, salziges, fast ungenißbares Wasser, als sehr gut aufgeführt ist. Sicher können wir sein, daß nur eine völlige Schließung refp. Verschüttung aller schlechten Brunnen deren Benutzung auch zum Trinken und Kochen hindern wird. Damit mach sich aber von selbst geltend, daß die Wasserversorgung sich auch auf den Bedarf an Spül- und Waschwasser erstrecken muß. Daß wie aber auf die Benutzung der nochjetzt gutes Wasser führenden Brunnen dauernd nicht zu rechnen dürfen, darauf weist hin, daß notorisch in volkreichen Städten mehr und mehr das Brunnenwasser sich verschlechtert, indem der Boden, durch welchen die atmosphärischen Niederschläge durchsickern müssen, um in die Brunnen zu gelangen, von dem durch Regen und Schneewasser ausgelaugten Schmutz der Straßen und Höfe, von dem aus undichten Abortgruben und Abzugskanälen eindringenden Unrath, sowie von den Ausströmungen undichter Gasleitungen völlig durchzogen wird. Darum greifen wir gewiß nicht zu weit, wenn wir fordern, daß eine neu herzustellende Anlage zur Wasserverfolgung dem ganzen Bedürfniß an Wasser zum Trinken, Kochen, Spülen und Waschen, sowie zu allen industriellen Zwecken (auch zum Besprengen von Straßen und Gartenanlagen, zu Springbrunnen, für Feuersbrünste ec.) für die gesammte Bevölkerung Rechnung trage ohne Rücksicht auf die jetzt noch gutes Waasser führenden vorhandenen Brunnen. Selbstverständlich ist damit nicht der Bedarf für indurielle Betriebe gemeint, welche in der Lage sind, Wasser aus dem Flusse oder hochliegende Quellen direct zu entnehmen, wie überhaupt besondere durch örtliche Verhältnisse bedingte Ausnahmen nicht unberücksichtigt bleiben können. Unbenommen bleibt dabei auch, die baulichen Anlagen vorerst auf Beschaffung eines geringen Quantums einzurichten, wenn nur auf eine leichtherzustellende spätere Erweiterung Bedacht genommen wird; jedenfalls aber muß die Möglichkeit der zuführung des höchsten erforderlichen Bedarfs von vornherein gesichert sein.

UM auf den obigen Grund hin das Verbrauchsquantum zu bestimmen, dürfen wir nicht den bisherigen Wasserconsum als MAßstab anlegen. Es hat sich gezeigt, daß überall wo gute Wasserleitungen angelegt sind, der Verbrauch des Wassers sich bedeutend steigert, so z. B. ist seit Anlage der neuen Wasserkunst in Magdeburg der Consum pro Tag und Kopf von 1 3/ 4 Cubf. auf Cubf. gewachsen. Den geeignetsten Anhaltspunkt für die Berechnung unsers Wasserbedarfs geben die Städte, welche schon seit längerer Zeit künstliche Wasserleitungen besitzen. der Verbrauch beträgt pro Kopf der Bevölkerung täglich:

in Hamburg 3, 73 Cubf. Hannov.
in Altona 3, 50 " "
in Berlin 3, 73 " "
in Brüssel 3, 25 " "
in Liverpool 5, 10 " "
in Dresden projectiert 5, 42 " "
in Paris (ältere Anlagen) 3, 61 " "
in Paris (neues Project) 4, 53 " "
in London 5, 75 " "
in Bordeaur 6, 82 " "
in Marseille 7, 46 " "

In den großen Städten Deutschlands ist das Verbrauchsquantum pro Tag und Kopf der Bevölkerung durchschnittlich zu höchstens 4 Cubf. Hannov. anzunehmen.
Interessant ist die Annahme der Vertheilung des Wassers für die verschiedenen Zwecke bei der projectierten wiener Wasserleitung:

für die Hauswirtschaft 42, 857 Procent,
für die Industrie 17, 857 "
für Reservoirs zur Reinigung der Cloaken 1, 429 "
für Besprengung der Straßen 21, 428 "
für Bewässeung der Gärten und Wiesen 2, 143 "
für Springbrunnen und Bäder 14, 286 "
= 100 Procent.

In London vertheilt sich der Verbrauch folgendermaßen:

für die Hauswirthschaft 54 Procent,
für die große Industrie 10 "
für Reinigung der Höfe, Trottoirs und Straßen 25 "
für Bäder, Feuerlöschen u. dgl. 11 "
= 100 Procent.

Es liegt kein Grund vor, für Osnabrück besonders abweichende Verhältnisse anzunehmen, welch für einen Mehr- oder Minderconsum sprechen könnten. Halten wir daher das Maß von 4 Cubf. pro Tag und Kopf der Bevölkerung fest und nehmen wir eine Bevölkerung von 20000 Einwohnern an (nach dem letzjährlichen Volkszuwachs und den Aussichten auf Hebung des Verkehrs sicherlich sehr niedrig gegriffen), so stellt sich das Verbraucherquantum auf 80, 000 Cubf. Hannov. Die Möglichkeit, diese Wassermasse der Stadt täglich zuzuführen, müßte unseres Erachtens bei der Projectirung der Wasserleitung ins Auge gefaßt werden, auch wenn man unter Bestehenlassen der jetzt noch vorhandenen guten Brunnen die baulichen Anlagen vorläufig nur auf die Beschaffung etwa des halben Quantums = 40, 000 Cubf. täglich beschränken wollte, damit eine spätere Erweiterung nicht abgeschnitten werde.
(Fortsetzung folgt.)
Autor:
Für die Redaction verantworlich R. Meyer


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