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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Rätselraten um ein Hochhaus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Hochhaus auf der Westerbergkuppe geplant?
Rätselraten in Bürgerkreisen, jedoch ist ein solcher Plan vorhanden -
Einst war sogar die Errichtung von drei bzw. zwei Bauriesen im Gelände vorgesehen.

Über die Bebauung des Westerberges, vielmehr seiner Kuppe, ist vom Augenblick der zustimmenden Ratsentscheidung an viel gesprochen worden. Und nicht zuletzt führten diese in der Öffentlichkeit aufgenommenen Gespräche bis ins Tageblatthaus, wo die Bürger der verschiedensten Berufe ihren Ärger abluden und sich in Stellungnahmen gegen eine Bebauung der Westerbergkuppe äußerten. Eine Zeitlang schien es, als wollten die lebhaften Diskussionen kein Ende nehmen, doch dann waren die Gespräche plötzlich verstummt. Sicher gab es danach noch Bevölkerungskreise, die sich mit dem Thema weiterhin befaßten und es auch heute tun. Jedoch hatte sich das " Kräfteverhältnis" mittlerweil verschoben, denn heute widmeten sich Rat und Verwaltung dem Problem, um in Erörterungen und Verhandlungen ein Ergebnis zu erarbeiten, nämlich die Bebauung der Westerbergkuppe im einzelnen festzulegen. Und dieses Ziel ist inzwischen erreicht worden.
Vom " Osnabrücker Tageblatt" liegt eine Niederschrift übe die Sitzung des Preisgerichtes für den Ideenwettbewerb der Stadt Osnabrück - und jetzt wörtlich - " zur Erlangung von Entwürfen für die städtebauliche und landschaftliche Gestaltung des Westerberges" vor. Und diese Niederschrift datiert vom Tage des Herbstanfangs im Jahre 1949 (!). 13 Vertreter der Regierung, der Stadtverwaltung und des Rates sowie Fachleute waren es, die vor 11 Jahren das Preisgericht bildeten und über die besten Arbeiten der insgesamt 39 Wettbewerber zu entscheiden hatten.
Nach der Ausscheidung von 30 Entwürfen in drei Rundgängen entschieden sich die Preisrichter, von den restlichen neun die ersten drei Entwürfe mit zusammen 6250 DM zu prämieren und die übrigen sechs für insgesamt 3750 DM anzukaufen. Was die Preisrichter bewog, einen 1. Preis zu vergeben, steht in der Wettbewerbsniederschrift vom Jahre 1949 u. a. vermerkt: " Die Arbeit zeichnet sich durch die Einfügung in die allgemeine landschaftliche Raumordnung der Stadt aus ... Der Hauptraum wird durch eine von Bäumen umsäumte Gaststäte gekrönt, um die in schöner Weiträumigkeit eine große Freifläche schwingt, die die geologische Struktur des Westerberges sichtbar macht. Störende alte Bebauung ist durch einen weit ausgedehnten lockeren Baumkranz abgeschirmt..." Und in den Empfehlungen an den Rat wurde es als notwendig erachtet, den Blick von der Kuppe des Westerberges in Richtung auf das Heger Holz und auf die anschließende ursprüngliche Landschaft so zu sichern, dass unabhängig von der etwaigen Veränderung wirtschaftlicher Grundlagen ein harmonisches Landschaftsbild erhalten bleibt. Letzten Endes erschien es dem Preisgericht zwingend, die Grünverbindungen möglichst weit an das Stadtgebiet heranzuführen. Zum Schluß wurde dann noch der Westerberggedanke als eine " tragende Heimatidee der gesamten Osnabrücker Bevölkerung" gepriesen.
Wie sich die Zeiten doch ändern. Menschen gingen, andere kamen.
Aber von denen, die vor 11 Jahren über die besten Arbeiten und sich dabei für die Erhaltung der Westerberglandschaft entschieden, versehen einige auch heute ihren Dienst. Immerhin hatten sie seinerzeit eine aufgerechnete Summe von 10 000 DM für die brauchbaren Entwürfe ausgeschüttet. Bald entstanden die Einzelpläne, nachdem die Grundstücke in städtischen Besitz übergingen und auch Planänderungen vorgenommen worden waren. Interessenten meldeten sich an, und in der Gegenwart " schießen" schon die ersten Häuser im Bungalowstil aus dem Westerbergboden. Die Besitzer kannten die Bestimmungen und waren froh darüber, sich mit niedrigen Wohnungen im Gelände " einzunisten". Selbst jene Bürger fanden sich mit dieser Tatsache ab, die zunächst den Plan einer Bebauung attackierten. Denn wichtig erschien ihnen nur, das Landschaftsbild nicht so arg zu verunstalten.
Wer hatte schon einen Argwohn? Alle bisher veröffentlichten Pläne bezeichneten die Plätze der kommenden Westerbergeigenheime und sonst weiter nichts. Selbst in einem Plan vom jüngst vergangenen Jahr wurden keine anderen Gesichtspunkte deutlich. Als das " Osnabrücker Tageblatt" kürzlich aus dem Leserkreis die Anfrage erreichte, ob die Verwaltung von dem ursprünglichen Westerberggedanken gar abgerückt sei, gab es auf Anhieb keine Erklärung hinsichtlich einer Veränderung.
Jedoch vermittelte ein Plan aus dem Jahre 1956 - der also schon vor vier Jahren gefertigt worden war - ganz andere Perspektiven. Und zwar steht auf dem Vorentwurf ein sechs- bzw. achtgeschossiges Hochhaus auf der höchsten Spitze des Westerberges zwischen der Blumenthalstraße uind dem Edinghäuser Weg eingezeichnet (!). Auf Rückfrage erhielt das " Osnabrücker Tageblatt" bestätigt, dass dort in der Tat der Bau eines Hochhauses beabsichtigt sei. Das soll geschehen, um - wie es heißt - die unschöne Caprivikaserne zu verdecken. Allerdings hinkt diese Begründung, wenn man bedenkt, dass die Caprivikaserne dann zwar nicht von (nur) einer einzigen Stelle, aber nicht von allen übrigen Punkten aus eingesehen werden kann. Und ein Hochhaus ausgerechnet auf die Westerbergkuppespitze zu setzen, bedeutet, das Landschaftsbild zu verzerren. Angesichts dieser Überlegungen verlieren die Bestimmungen, niedrige Häuschen ins Gelände zu kuscheln, ganz gewiß ihre Bedeutung. Die privaten Bauherren vom Westerberg sagen, sie wüßten nichts von einem Hochhaus. Wäre der Plan vorher bekannt gewesen, hätten sie auf die Grundstücke verzichtet. Ihnen sei aber verraten, dass anfangs sogar die Errichtung von drei bzw. zwei Hochhäusern geplant war.
Nun sind die Dinge im Fluß. Sollte der Hochhausplan verwirklicht werden, ist die Arbeit des Preisgerichtes vor 11 Jahren umsonst gewesen. Auch wenn die Stadt zwischendurch nach getätigten Grundstückskäufen eine andere Gliederung auswies, bleibt die für die Wettbewerbsentwürfe ausgegebene Summe verloren. Bleibt nur noch die Möglichkeit, nämlich die Bevölkerung und vor allem die Bauherren auf dem Westerberg ins Gespräch zu ziehen, um von der Verwaltung nähere Erläuterungen zu erhalten.


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