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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Und wieder steht die "Engstirnigkeit" der Mitbürger dem Fortschrittlichen im Wege
Zwischenüberschrift:
... die ich für unbegründet halte - Warum die Umsetzung? - Zweierlei "gesunde Synthesen"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Und wieder steht die " Engstirnigkeit" der Mitbürger dem Fortschrittlichen im Wege:

Die " gesunde Synthese" des Stadtkämmerers
Dr. Senff nennt den Unwillen der Bürgerschaft, den Protest der Bürgervereine, den Gegenantrag der Ratsherrin Thalheim zum Umbau der Wälle und zur Bebauung des Westerberges " die Angriffe einer hiesigen Tageszeitung, nämlich des OT" - Treppenwitze einer Etatrede, die niedriger gehängt werden sollen.
Auch unter den Dezernenten der Stadtverwaltung gibt es offensichtlich Kameradschaft. Warum auch nicht? Aber sie kann zu einem gefährlichen Bummerang werden, wenn ihr Tun so oder so unter falschen Vorzeichen steht. Wie es sich im Falle des Stadtkämmerers Dr. Senff damit verhält, kann man nicht ohne weiteres überblicken. Aber auf jeden Fall stimmte es nicht ganz mit dem kameradschaftlichen Akt, als der Stadtkämmerer seine Etatrede am vergangenen Montag anläßlich der Verabschiedung des neuen Haushalts zu einer grandiosen Eskapade benutzte, um seinem Dezernatskameraden von der Bauverwaltung Hilfestellung auf Kosten des Osnabrücker Tageblattes zu leisten. Wenn er es von sich aus tat, so muß er sich auch die Feststellung gefallen lassen, daß er sich in Dinge mischte, die ihn nichts angehen und von denen er auch wohl wenig verstehen muß, wenn er in seiner Tirade zu solchen Verdrehungen kommt, wie es geschah.

"... die ich für unbegründet halte"

" In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf die Angriffe einer hiesigen Tageszeitung gegen die Planung der Verwaltung eingehen, die ich für unbegründet halte und die daher nicht unwidersprochen bleiben sollen, zumal sie auch den Vorwurf der falschen Verwendung öffentlicher MIttel beinhalten."
So sagte der Stadtkämmerer zu Beginn seiner Ausführungen. Seinen Standpunkt in Ehren, aber er ist auf dem angesprochenen Gebiet in keiner Weise kompetent, etwas für begründet oder unbegründet zu halten. Eher könnte man ihn wohl als " befangen" bezeichnen. Wenn öffentliche Mittel falsch verwendet worden sein sollten, so ist ja nicht er dafür verantwortlich und also auch nicht berechtigt, als Bediensteter des Rates dazu Stellung zu nehmen. Denn das ist Angelegenheit des Rates als seines Dienstherrn!
Dr. Senff: " Diese allgemein für richtig gehaltene Verkehrsumstellung löste zunächst eine Neugestaltung der Verkehrsfläche vor der Vitischanze aus, die eine Verlegung des Lyra-Denkmals bedingte. Sie werden sich noch an die Einwendungen gegen diese Planung erinnern. Als die Arbeiten abgeschlossen waren, stellte sich heraus, daß alles gut gelungen war. Alle Welt war übereinstimmend der Ansicht, daß das Lyra-Denkmal einen wirklich würdigen, vielleicht sogar besseren Platz gefunden hat."
Vom " Osnabrücker Tageblatt" ist anerkannt worden, daß das Lyra-Denkmal in schöner Form neu aufgestellt worden ist. Dabei hat sich das größte Verdienst das Garten- und Friedhofsamt mit seiner ausgezeichneten gärtnerischen Ausgestaltung erworben. Wie sah nun der " Angriff" des OT aus? Es gab den Wünschen der Sängerschaft Ausdruck, das Lyra-Denkmal am alten Platz zu belassen. Es veröffentlichte auch einen Vorschlag, das Denkmal am Wall auf dem Gelände der früheren Wohnung des Regierungspräsidenten aufzustellen. Auch dieser Vorschlag kam aus Kreisen der Sänger und der Bürger der Neustadt.
War das zuviel?
Darf eine Zeitung den Willen der Bürgerschaft nicht mehr öffentlich unterbreiten? Nach Ansicht des Stadtkämmerers durfte das offensichtlich nicht sein, denn Entscheidungen von Rat und Verwaltung sollen wohl als der Weisheit letzter Schluß betrachtet werden.

Warum die Umsetzung?

Und dann: das Lyra-Denkmal stand vor der Vitischanze ganz gewiß freier und beherrschender als jetzt am Ausgang des Walles. Das wird ja auch wohl der Osnabrücker Dr. Senff nicht bestreiten können. Und noch eins: Auch heute könnte das Lyra-Denkmal immer noch auf dem Vorgelände der Vitischanze stehen und an diesem Platz beherrschend wirken, weil immer noch genug Platz vorhanden wäre! Es sei denn, daß der erreichte Zustand am Hasetor doch nicht endgültig wäre...

" Die Verkehrsumstellung bedingte dann weiter, daß der Wall, der durch mehrere Obus- und Omnibuslinien befahren wird, den neuen Verkehrserfordernissen entsprechend ausgebaut wurde. Man wollte keine Rennbahn, sondern eine Verkehrsfläche schaffen, die dem durch die Verkehrsumstellung bedingten Mehrverkehr entsprach. Wiederum war die heftigste Kritik der erwähnten Zeitung festzustellen. Es fielen Ausdrücke wie " Rennbahn" und zwischen den Zeilen war der Vorwurf der Traditionslosigkeit enthalten. Nach Beendigung der Arbeiten stellte sich heraus, daß der Wall seinen Charakter absolut nicht verloren hatte." Die " heftigste Kritik der erwähnten Zeitung" bestand zu einem großen Teile (es waren mehrere Zeitungsseiten!) in der Wiedergabe von spontanen Willensäußerungen der Bürgerschaft mit jeweils vollem Namen, die sich zum überwiegenden Teil um die Erhaltung der Wälle als Charakteristikum der Stadt und als Erholungsgebiet der Bürgerschaft besorgt zeigten. Diese " heftigste Kritik" rief die Bürgervereine auf den Plan, die die (allerdings verspätete) Abhaltung einer Bürgerversammlung durchsetzten.

Völlige Gleichgültigkeit

Diese " heftigste Kritik" - soweit das " Osnabrücker Tageblatt" als berufene Vertretung der Bürgerschafts- und Stadtinteressen sie ausübte - war eine gesunde, notwendige und logische Reaktion auf die völlige Indolenz, mit der Rat und Verwaltung einfachüber den Willen der Bürgerschaft hinweg zur Tagesordnung eines einmal fest vorgefaßten Planes übergingen. Auch dem Stadtkämmerer müßte als Kamerad der Bauverwaltung einleuchtend sein, daß eine Zeitung den Grad ihrer Kritik nach dem Grad der Reaktion zu richten hat. Das " Osnabrücker Tageblatt" setzte sich mit der Bürgerschaft und den Bürgervereinen für eine gute Sache ein. Daß der geschehene Wallumbau die bestmögliche Verkehrsregelung geschaffen hat, ist ebenso anerkannt worden, wie die Tatsache festgenagelt werden mußte, daß der Wall als Erholungsanlage verlorenging und das Ganze heute mehr Verkehrsbahn als Wallanlage ist. Sollten kommende Entwicklungen es einmal notwendig erscheinen lassen (um im Stil des Stadtkämmerers zu reden) könnte man die noch vorhandenen Reste des Walles ohne größeren Aufwand verschwinden lassen. Denn die Hauptarbeit ist getan!

Deutlicher als bei diesem Kampf um die Erhaltung der Wälle kann der Wille der Bürgerschaft sich nicht mehr manifestieren! Wenn nun Dr. Senff nicht hiervon, sondern ausschließlich von der " heftigsten Kritik der erwähnten Zeitung" spricht, dann ist die Tatsache, daß die Errichtung des Verkehrsringes damals wie heute dem Willen eines großen Teiles der Bürgerschaft nicht entspricht, ganz schlicht und einfach dem " Osnabrücker Tageblatt" in die Schuhe geschoben, um die Schaffung dieser umstrittenen Verkehrsanlage als allseits für gut befunden zu rechtfertigen, während sie doch nur dem Kraftfahrer Bequemlichkeiten verschafft und dem Bürger die Erholungsmöglichkeit fortnimmt, dazu dem Fußgänger an den Übergängen Schwierigkeiten und Gefahren bereitet.

" Man wollte..."

" Man wollte keine Rennbahn, sondern eine Verkehrsfläche schaffen", so Dr. Senff. Man wollte... Und was ist daraus geworden? Das hat ja jeder Osnabrücker täglich vor Augen! Niemand wünscht mehr als das " Osnabrücker Tageblatt", daß es bei dem einen Todesopfer bleiben möge, das der Ring vor einiger Zeit ausgerechnet auf dem Zebrastreifen gefordert hat!
Dann wird der Herr Kämmerer ganz massiv: " Glaubt die erwähnte Tageszeitung wirklich, eine Stadt, deren Einwohnerzahl in den letzten Jahren um rund 30 Prozent gestiegen ist, kann sich den modernen Erfordernissen entziehen und alles so lassen, wie es vor unvordenklichen Zeiten gewesen ist? Haben sich nicht auch unsere Vorväter sicherlich nicht leichten Herzens gezwungen gesehen, die Befestigungsanlagen abzutragen, soweit sie einer gesunden Weiterentwicklung der Stadt entgegenstanden? Hatte sich nicht auch der Bürgermeister Stüve seinerzeit für eine Verbreiterung der Bramscher Straße eingesetzt? Er ist damals leider an der Engstirnigkeit seiner Mitbürger gescheitert. Kluge Leute sind immer für Fortschritt gewesen. Es kommt immer nur darauf an, daß zwischen Altem und Neuem eine gesunde Synthese gefunden wird."
........
" Unsere Vorväter" hätten nicht leichten Herzens die Befestigungsanlage abgetragen? Sie taten es mit dem gleichen " leichten Herzen", wie Rat und Verwaltung heute mit der letzten Substanz des alten Stadtgefüges verfahren! Auch " unsere Vorväter" meinten, sie müßten das Heil bringen, und wenn nicht August Haarmann und seine Freunde gewesen wären, gäbe es schon längst keinen Herrenteichswall mehr und der Bereich des Domes sähe sich von allen Seiten von Straßen und Häusern umklammert! Bürgermeister Stüve mag an der " Engstirnigkeit seiner Mitbürger" bei der Verbreiterung der Bramscher Straße gescheitert sein. Dies mag ohne weitere Nachprüfung unterstellt werden. Aber dieser Hinweis schmeckt nach Parallele zu unserer Gegenwart!

Und dies, Herr Kämmerer, erscheint dem " Osnabrücker Tageblatt", erscheint der Bürgerschaft ein wenig üppig! Den gegenwärtigen " Neugestaltern" der Stadt soll gern bescheinigt werden, daß sie aber auch nicht das geringste mit der Persönlichkeit des Bürgermeisters Stüve zu tun haben!

Zweierlei " gesunde Synthesen"

" Kluge Leute sind immer für Fortschritt gewesen". Das war früher so und das ist heute so. " Unsere Vorväter" waren so klug, die Wälle restlos zu schleifen. Die Stadtväter in Göttingen waren nicht so fortschrittlich: Sie besitzen heute noch ihre unversehrten Wallanlagen ebenso wie zum allergrößten Teil die Stadt Münster. Die Bürgerschaft hält mit dem " Osnabrücker Tageblatt" in diesen Sachen nach wie vor für Klugheit, eine gesunde Synthese zwischen Altem und Neuem zu finden. Auch für Stadtkämmerer behauptet das von sich. Nur: Das ist nicht dasselbe! Was nämlich Dr. Senff für eine " gesunde Synthese" hält, ist in den Augen jener, die noch immer Osnabrücker sind, zu erheblichem Teile glatte Vernichtung des Alten zugunsten des Neuen!

Und zu einem anderen Punkt: " Die nächste Kritik richtete sich gegen die Westerbergplanung. Hier galt es, eine gesunde Synthese zu finden zwischen der Schaffung einer ausreichenden Grün- und Erholungsfläche einerseits und dem Wunsch der Bürgerschaft nach Baugelände, das bekanntlich in der Stadt äußerst knapp ist."

Es waren der derzeitige Vorsitzende des Wiehengebirgsverbandes, Oberregierungsrat Dr. Hugle, es waren der Bürgerverein von 1880 und der Bürgerverein Nordwest, es war Ratsherrin Thalheim, die sich mit Stellungnahmen, Protesten und Gegenanträgen an den Rat wandten, um den Westerberg von Bebauung freizuhalten und als unberührtes Landschaftsgebiet zu bewahren. Selbstverständlich unterstützte das " Osnabrücker Tageblatt" die Willenskundgebungen dieser wohl kompetenten Bürgerschaft. Die Antwort war völlige Gleichgültigkeit! Nur der höchste Beamte des Regierungsbezirks, Regierungspräsident Dr. Friemann, vermochte eine teilweise Rücknahme der neuerlich geplanten Bebauung des Westerberges zu erreichen! Soviel kümmern sich Rat und Verwaltung um den Willen der Bürgerschaft!

Dem Stadtkämmerer sei dafür gedankt, daß er mit seinen sinnvollen Ausführungen die Plattform zu dieser Aufrechnung zwischen der " Planungsleidenschaft" von Rat und Verwaltung und dem ganz klaren und ganz anders gerichteten Willen eines großen Teiles der Bürgerschaft hinsichtlich der Gestaltung der Stadt gegeben hat.

Grundgesetz und Demokratie garantieren die Freiheit. Aber jeder hat nur so viel Freiheit, wie er bereit ist, sich für sie einzusetzen. Das " Osnabrücker Tageblatt" hat " seine" Freiheit. Der Stadtkämmerer hat " seine" Freiheit. Die unsere werden wir einzusetzen wissen zum Wohle von Stadt und Bürgerschaft.


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