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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gemeinschaftliche Sitzung der städt. Collegien.
Zwischenüberschrift:
Dienstag den 7. Aug.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
4. Maßregeln behuf der Gesundheitspolizei. Bürgermeister Miquel trägt vor, daß eine ganz besonders strenge Handhabung der Gesundheitspolizei in diesem Jahre nöthig sei, da in Ferne und Nähe die verheerende Cholera immer weiter um sich greife, und immer neue Opfer fordere. Wir haben hier, so lange die Kanalbauten gemäß der neuen Sielordnung unvollendet sind, noch verschiedene Mängel zu beklagen, dahin gehören ein undurchlassender Untergrund, schlechtes Grundwasser und mangelhafte Gossen, auf deren prompte Reinigung durchaus zu halten ist und seiten beider Polizeien mit Aufmerksamkeit gehalten wird. Allein auch die Brunnen erfordern alle Rücksicht; in vielen Straßen ist schlechtes Wasser, und aus einigen Brunnen bekommt man Wasser zu Gesicht, das vollständig wie Jauche aussieht. Bekanntlich ist alles Wasser, das mit organischen, namendlich mit thierischen Stoffen vermischt ist, mehr oder wenigeer schädlich. Es muß daher gefragt werden: Wie sind unsre Brunnen in der Stadt beschaffen? und zu diesem Zwecke haben mehrere Chemiker sich der Aufgabe unterzogen, das Wasser der osnabrückischen Brunnen in drei Abtheilungen zu bringen: 1. vorzugsweise gutes Wasser (diese Brunnen werden öffendlich bekannt zu machen sein); 2. besonders schädliches Wasser (diese Brunnen wird man geradezu schließen müssen); 3. Wasser mit organischen Bestandtheilen, aber nicht besonders schädlich (diese Brunnen wird man durch polizeilichen Anschlag als gesundheitswidrig zu bezeichen haben). Aus dem Resultat der chemischen Untersuchung wird sich dann ergeben, welche Maßregeln etwa erforderlich sind, ob vielleicht öfffendliche Brunnen angelegt werden müssen, oder ob es sich empfiehlt, Wasser von außen in die Stadt einzuführen.
5. Verkauf eines Grundstücks an der Riedenstraße. Senator Möllmann referirt, daß hinter dem Garten des Syndicus Dyckhoff ein von demselben gewünschtes und der Stadt gehöriges, bisher für 5 .. 12 .. 5 .. verpachtetes Grundstück liege, 12 .. .. Ruthen enthaltend, welches Syndicus Dyckhoff gern seinem Garten einverleiben und in Gemeinschaft desselben mit einer Mauer umziehen will. Er hat sich bereit erklärt, für die .. Ruthe60 .. zu bezahlen, und zu diesem Preise auch im öffendlichen Verkaufstermine den Garten eingesetzt, worauf ein weiters Gebot nicht erfolgte. Der Antrag geht dahin, das Gebot des Syndicus Duckhoff, welches zu 4pSt. berechnet der Stadt eine jährliche Zinseinnahme von 30 .. sichere, zu genehmigen. Der Antrag wird einstimmig angenommen.
6. Entwässerung der südwestlichen Seite der Stadt. Bürgermeister Miquel trug vor: Wenn gleich das Wasser vom Johannis- bis zum Hasethor ein Gefälle von 16 Fuß hat, so stecken doch infolge mangelhafter Einrichtungen die Grundstücke des oberen Theiles im Sumpfe. Auf der Neustadt trifft man Stellen, wo in 2 bis 3 Fuß Tiefe Wasser steht, und Keller unmöglich sind; dieser Ueberstand ist aber eben so nachtheilig für die Gesundheit als für die dortigen Grundstücke. Würde man glauben, daß die Kanalisirung dem Nebel abhülfe, so würde das ein Irrthum sein; die Wirkung eines Sieles kann höchstens die zunächst anliegenden Grundstücke, und diese auch nur für eine kurze Zeit, berühren, nicht aber sich auf die weiter entfernten erstrecken. Es müssen also die Ursachen des Uebelsbeseitigt werden. Bekanntlich befindet sich ein hohes Stau unter dem Hegerthore, welches Schuld hat, daß vom Johannisthor bis dorthin ein geringes Gefälle ist. Um daher die oberhalb liegenden Grundstücke zu entwässern, muß das Grundwasser 2 bis 3 Fuß tiefer gelegt werden. Daß dies geschehen möge, ist vom BürgervorsteherCollegio schon vor Jahren beantragt, und auf sein Andringen das Stau vor dem Natruperthore niedergelegt. Jetzt ist die Sache aufs neue zur Sprache gebracht, vom Stadtbaumeister grünlich untersucht, und ein genauer, übersichtlicher Plan vorgelegt, über den heute zu berichten ist. Würde die Wasserleitung ganz bsi zum Hasethore 4 bis 5 Fuß vertieft werden, so getrügen die Kosten wenigstens 8000 Thaler; man hat deshalb einen zweiten Plan ins Auge gefaßt, nämlich den, die Entwässerung beim Martinithor abzuschließen, und das von oben kommende Wasser in das städtische Siel auf dem Schloßplatze zu leiten, wodurch eine bedeutende Kostenersparung gewonnen würde. Etwa entgegenstehende Bedenken hat die Bau-Commission nicht suchhaltig gefunden. Es ist freilich wahr, daß bei diesem zweiten Plane der ganze Wasserzug vom Martini- bis Hasethor wegfällt, und daher die städtischen Bleichen auf dieser Strecke eingeben; allein das würde auch bein ersten Plane nicht ausbleiben, und zudem ist die Einnahme von so geringer Erheblichkeit, daß sie später durch Grasverkauf, Anlage von Gärten u. s. w. übertroffen werden kann. Ein Vortheil würde dagegen sein, daß das vom Schloß in den Kanal fließende Wasser abgespühlt werden mird. Anderseitig ist geltend gemacht, daß in den zu entfernenden Graben das Wasserklosetwasser des städtischen Krankenhauses fließt; allein dieses kann in einer Röhre in das Siel der Hegerstraße geleitet werden. Es ist überhaupt sehr wünschenswerth, daß in die Städtischen Siele so viel Wasser, desto reiner die Siele. Außerdem muß aus einem hier nicht näher anzugebenden Grunde dahin gestrebt werden, daß der Kanal sein Wasser nicht bloß aus der Hase allein erhalte.
Wenn nun vom Johannisthore eine Vertiefung von 4 Fuß, beim Martinithor eine von Fuß stattfindet, so werden die Kosten incl. des Sieles vom Martinithor bis zum Schloßsiel exel.der Steinböschung 3500 .., mit Steinböschung 1200 .. mehr kosten. Wenn man, nun erwägt, daß ein demnächst zu veranlassendes Gutachten von landwirtschaftlichen Sachverständigen nachweisen wird, daß die Johannis- und Martini-Laischaft durch Melioration infolge dieser Entwässerung einen größeren Vortheil als 3500 .. erzielen werden, und wenn man ferner die Gesundheit der ganzen Bevölkerung berücksichtigt; so kann die Ansicht der Bau-Commission nicht zu eng gefunden werden.
Um die Sache zu erleichtern, beantragt der Magistrat, daß die Stadt einen Theil der Kosten übernehme, und zwar pro maximo 1/ 3, und die Ausführung durch den Stadtbaumeister beschaffen lasse; Die übrigen 2/ 3 müssen von den Laischaften aufgebracht werden. Der Bürgermeister bemerkt hierbei, er habe die Verhandlung absichtlich in die öffendliche Sitzung verlegt, damit der Stand der Sache bekannt und der Betheiligten klar gemacht werd, welche Opfer sie zu erbringen haben. Er sehe das Verhältniß so an, daß er die Laischaften als melioirende Grundbesitzer, die Betheiligung der Stadt als intervenirende Beihülfe betrachte.
Bürgervorst. Tiencken erwidert als Buchhalter der Martinianer-Laischaft, daß sich vor der Einsicht des einzuholenden Gutachtens nicht absehen lasse, ob die LAischaft zur Zahlung eines so hohen Betrages bewogen werden könne. Syndicus Detering findet nicht den Beitrag der Laischaften hoch, sondern im Gegentheil den der Stadt, und glaubt, die Laischaften würden, wenn sie ihren wahren Vortheil bedächten, wohl etwas mehr als die geforderten 2/ 3 beitragen können. Bürgervorst. Flohr fragt, ob nicht die Klosterkammer herbeigezogen werden könne, worauf der Bürgermeister antwortet, daß dieselbe allerdings dabei betheiligt sei, wie nicht minder das Schloß, und daß es den Laischaften unbenommen bleibe, den Versuch zur Heranziehung dieser Betheiligten zu machen. Senator Esche berichtet, daß die Johannis-Laischaft schon vor 20 Jahren viel für die Entwässerung gethan, damals aber mit dem hindernd in den Weg tretenden Magistrat zu kämpfen gehabt habe, theils der Bleichen wegen, theils der Schleifmühle halben. Dennoch seinen viele Grundstücke vor dem Johannisthore, freilich nicht der Laischaft angehörige, in höchst traurigem Zustande und der Entwässerung höchst bedürftig. Bürgervorst. Hugo und Sen. Dreinhöfer befürworten den Antrag, daß die Stadt 1/ 3 oder etwas mehr bezahle, damit diese nützliche Sache zu Stande komme; letzterer rühmt die Laischaften wegen ihres oft bewiesenen Patriotismus, und hofft, daß sie es auch jetz am demselben nicht fehlen lassen.
Bürgervorst. Brickwedde wünscht Aussetzung des Beschlusses bis zur nächsten Sitzung, da er wegen der Grundstücke unterhalb des Martini- und Hegerthors juristische Bedenken hat. Der Bürgermeister erkennt an, daß solche Bedenken eristiren; er hat sie aber geprüft und nicht als wesendliches Hinderniß befunden. Bürgervorst. Pagenstecher dagegen wünscht sofortigen Beschluß, um das Werk zu befördern. Bürgermstr. Miquel ist der selben Ansicht, und hegt den stillen Wunsch, daß die Sache noch in diesem Jahre zu Stande komme, was wünschenswerth sei, da es manchen Leuten an Arbeit fehle. Tiecken macht noch einen Versuch, die Stadt zu höhrer Leistung als 1/ 3 zu bewegen, worauf aber Synd. Detering erwidert, die Bürgerschaft sei mit Wegeumlagen erheblich genug belastet, und es sei daher nicht angemessen, mit Ausgaben der Stadt gar zu liberal zu sein. Menz fragt, ob nicht durch Wegschaffung des Hegerstaues dasselbe erreicht werden könne, was man durch das neue Project bezwecke, worauf der Bürgerm. antwortet, die Wegschaffung des Hegerstaues nütze nichts, und würde 1900 .. kosten. Es wird darauf zweimal abgestimmt, durch die erste Abstimmung die sofortige Erledigung beschlossen, durch die zweite der Antrag des Bürgermeisters angenommen, daß die Stadt höchstens 1/ 3 der 3500 .. zahlen will, daß aber aus dem Unternehmen überhabt nur dann etwas werden soll, wenn die Betheiligten die übrigen 2/ 3 tragen.


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