User Online: 1 | Timeout: 10:19Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mehr Fahrbahn als Wallanlagen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Eine Synthese zwischen Altem und Neuem"

Rat und Verwaltung besichtigen das neue Teilstück des Ringes zwischen Hasetor und Rehmstraße - Anschließende Aussprache über Gewordenes und Werdendes - Erst 2, 4 km von 4, 6 km des Stadtringes endgültig ausgebaut - Wichtigste Aufgabe der nächsten Zukunft: Schaffung von 3000 Parkplätzen - Wallausbau in engem Zusammenhang mit dem Nahverkehr

Mehr Fahrbahnen als Wallanlagen

Am gestrigen Vormittag unternahmen Mitglieder des Ratsausschusses für Bau-, Garten- und Friedhofswesen, des Verkehrsausschusses, des Ausschusses für die Stadtwerke sowie die leitenden Männer der Verwaltung mit ihren Mitarbeitern und höhere Polizeibeamte eine gemeinsam Fahrt insbesondere über das neue Teilstück des Stadtringes vom Hasetor bis zur Rehmstraße. Anschließend fanden sich die Teilnehmer im Ratskeller zu einer Aussprache über die abgeschlossenen Arbeiten, die verkehrstechnische Bedeutung dieses Teilstückes und in nächster Zukunft anstehende Aufgaben zusammen. Insbesondere war es Oberstadtdirektor Dr. Dr. Wegener, der in längeren Darlegungen die Notwendigkeit und die künftige Funktion des neuen Teilstückes beleuchtete und u. a. darauf hinwies, daß Plätze wie das Hasetor, der Rißmüllerplatz und das Heger Tor auch weiterhin neuralgische Punkte bleiben müßten, die der polizeilichen Aufsicht bedürfen. Einen umfangreichen Teil seiner Darlegungen widmete er dem derzeitigen Kampf des Osnabrücker Tageblattes mit dem Ziel, das Stadtbild der Wälle tunlichst der Bürgerschaft zu erhalten. Es entstand dabei der Eindruck, daß diese Befassung mit den vom Osnabrücker Tageblatt wiederholt vorgebrachten Argumenten gegen eine Verundeutlichung der Wälle ein Hauptanliegen dieser Besprechung war und dieser Kampf seitens des Rates und der Verwaltung nicht als eine Befruchtung der sachlichen Erörterungen, sondern als deren Behinderung aufgefaßt worden ist. Die Aufgaben einer Zeitung, die das Gemeinwohl der heimatlichen Stadt in erster Linie vertritt, sind andere, als sie nach diesen Darlegungen gedeutet werden können. Zwischen der Stadtregierung und der Bürgerschaft stehend, hat sie beide Anschauungen zu vermitteln und der Bürgerschaft Gehör zu verschaffen! Zu der neuen Verkehrsanlage zwischen Hasetor und Rehmstraße muß daher aus dieser Sicht heraus festgestellt werden, daß sie verkehrstechnisch sicherlich die bestmögliche Regelung bietet und zur Erleichterung des Verkehrsabflusses ihren wesentlichen Teil beitragen wird, wobei die Frage offenbleibt, ob die weitergehende Entwicklung nicht eines Tages die Anlage als überholt, als nicht mehr notwendig ansehen wird, weil ein immer mehr anwachsender Verkehr dann ja doch in die Außenbezirke der Stadt und auf die Umgehung verwiesen werden müßte. Der rein optische Eindruck der neuen Anlagen hat viele Bürger zu der Ansicht kommen lassen, daß die Fahrbahnen mehr als die Wallkonturen die Strecke beherrschen, daß das Stadtbild an seinem ohnehin stark geschmälerten Bestand Einbuße erlitten hat. Daran können auch die neuen und sehr schön gestalteten, an die Seiten verlegten Anlagen nichts mehr ändern.

Bei der Rundfahrt nahm Senator Cromme Gelegenheit, auf verschiedene Aufgaben hinzuweisen, die im Frühjahr gelöst werden sollen.

- Hierfür gehört in erster Linie die Befestigung und der straßenbautechnische Ausbau der Ost-West-Achse nebst Neumarkt, damit dann die Oberleitungsmasten gesetzt werden können. Von diesem Zeitpunkt an wird die Linie 3 dann mit Obussen befahren.
An der Karlstraße soll das dem Dom gehörige Haus gegenüber der Unterführung Nonnenpfad abgerissen werden, jedoch sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen.

- Zu der Verbreiterung der Unterführung Bramscher Straße am Hasetor wurde festgestellt, daß es sich hierbei um ein großes finanzielles Projekt handele, dessen Durchführung einige Zeit beanspruchen würde. Die Stadt hat jedoch die Grundstücke zwischen der neuen Brücke vor dem Kloster zur Ewigen Anbetung und der Turnerstraße zum Teil schon gekauft, um hier schnellstens Verbreiterungen in die Wege leiten zu können, wenn die zweite, stadtauswärts führende Unterführung gebaut ist.
Am Rißmüllerplatz werden bekanntlich die Anlagen neben dem Krankenhaus neu gestaltet. Daneben wird man eine Nische als Haltestelle für den Nahverkehr einbauen, damit der Verkehrsfluß nicht beeinträchtigt wird. Der Fußgängerüberweg am Krankenhaus soll etwas mehr in Richtung Heger Tor gelegt und mit Zebrastreifen versehen werden.
Vor dem Museum am Heger Tor ist ein Haltestellenraum für mindestens 3 Obusse eingebaut worden. Im übrigen ist man bestrebt, zu einer einheitlichen Gestaltung der Vorgärten am Heger-Tor-Wall zu kommen.
Vor der Regierung sind neue Anlagen angelegt worden, die eine Auffahrt zum Gebäude freilassen. Die Form der mit einer kleinen Mauer umgebenen, mittleren Anlage veranlaßte Oberregierungsrat i. R. Dr. Hugle zu dem Scherz, dies sei " das Grab des unbekannten Regierungspräsidenten".

- Auf dem Stück des Ringes vom Schnatgang bis zur Rehmstraße sollen zwischen den beiderseitigen Strauchanpflanzungen Parknischen eingebaut werden.

" Weitschauendes Denken"

Nach der Rundfahrt versammelten sich die Teilnehmer im Ratskeller, wo Oberstadtdirektor Dr. Dr. Wegner in seinen Ausführungen zunächst feststellte, daß der neue Abschnitt des Ringes einen beachtlichen und großzügigen städtebaulichen Akzent, eine wohlgelungene Synthese zwischen Altem und Neuem, entstanden aus echtem Verkehrsbedürfnis, darstelle. Man könne froh sein, daß diese Maßnahmen durchgeführt worden wären. Der Rat könne nun ein " Quentchen Wohlwollen" erwarten.
Besonders wies der Oberstadtdirektor auf die ungewöhnlich zahlreichen Neuanmeldungen von Kraftfahrzeugen hin, die ohne diese Lösung nächsten Mai oder Juni den Verkehr in Osnabrück verstopfen würden. Wäre dann aber nichts geschehen, hätte man mit Vorwürfen rechnen können, der Rat habe mangelnde Voraussicht bewiesen.

Keine exakte Abstimmung

Auf die zahlreichen Veröffentlichungen des " Osnabrücker Tageblattes", die eine tunlichst weitgehende Erhaltung des Stadtbildes und speziell der Konturen des Walles bezweckten und sich auf eine Unmasse von zustimmenden Zuschriften aus der Bevölkerung stützten, eingehend, stellte der Oberstadtdirektor fest, daß die öffentliche Meinung nicht exakt abgestimmt werden könne, sondern daß schließlich eine Institution, in diesem Falle der Rat, entscheiden müsse, was geschehen solle. Zu den Versammlungen der Bürgervereine sagte er, daß deren Sprecher nicht für sich in Anspruch nehmen könnten, repräsentativ für die Gesamtheit zu sprechen.
Zu dieser Auffassung muß festgestellt werden, daß die öffentliche Meinung selbstverständlich immer verschiedener Ansicht sein wird, daß es aber Pflicht einer Zeitung ist, sie an den Rat heranzutragen und ihr Gehör zu verschaffen. Eine ähnliche Aufgabe haben gerade auch die Bürgervereine! Aufgabe des gewählten Rates muß es dann sein, zumindest diese oft genug nicht genügend beachteten Gesichtspunkte zu berücksichtigen.

" Substanz nicht berührt"

Der Oberstadtdirektor vertrat die Anschauung, daß die Substanz des Walles im wesentlichen nicht berührt sei, sondern man nur die Straßen verbreitert habe. Sehr oft stehe die Notwendigkeit den Traditionen, dem Festhalten am Althergebrachten, entgegen. Diese Regelung sei aus der Notwendigkeit geboren, mit der Verkehrsentwicklung Schritt zu halten, möge man darüber denken wie man wolle. Es sei auch notwendig gewesen, diese Strecke in Angriff zu nehmen, da sie in engem Zusammenhang mit der Umstellung des Nahverkehrs stehe.
Beim Abbruch der historischen Wallanlagen sei damals viel historisch Gewachsenes und städtebaulich Wertvolles der neuzeitlichen Auffassung geopfert worden. Bei der jetzigen Umgestaltung habe man behutsam verfahren und nur die notwendigsten Eingriffe in die Substanz der Grünanlagen vorgenommen.

850 000 DM

Der Oberstadtdirektor wies darauf hin, daß die Kosten von
850 000 DM nicht in voller Höhe zu Lasten der Verkehrsverbesserung gehen, sondern damit auch gleichzeitig die Erneuerung des Untergrundes geschaffen worden sei, die ohnehin nicht hätte vermieden werden können.
  Bei der Neugestaltung seien 35 Bäume gefällt, jedoch 110 Bäume neu gepflanzt worden, dazu 1100 Sträucher und 1000 Blumenzwiebeln.

Neuralgische Punkte

Das Heger Tor, der Rißmüllerplatz und das Hasetor würden in gewisser Weise immer neuralgische Punkte bleiben; hier seien Polizeiposten notwendig. Wenn das Kabinett in Hannover nun in Hinsicht auf eine an sich begrüßenswerte Einhaltung des Etats das Polizeikontingent noch verkürzt habe, so müsse man evtl. durch Umorganisation in den hiesigen Revieren Beamte für den Außendienst frei machen.
Der Oberstadtdirektor wies auch auf eine Feststellung des Vorsitzenden des ADAC, Dr. Weymann, hin. Wenn man auch zunächst Bedenken gehabt habe, so sei der ADAC doch nunmehr allen zuständigen Stellen höchst dankbar für die getroffene Regelung.

Keine Rennbahnen

Zu diesem Thema stellte der Oberstadtdirektor fest, daß die Polizei angewiesen sei, scharf auf die Einhaltung der 50 km-Geschwindigkeit zu achten. Zum Fußgängerverkehr auf der neuen Strecke sagte der Oberstadtdirektor, jeder wisse, daß der Fußgänger in der Mehrzahl sei. Aber ein flüssiger, geordneter Verkehr sei der beste Schritt für die große Masse der Fußgänger.
Der Oberstadtdirektor ließ seine Ausführungen mit der Feststellung ausklingen, daß sich die Stadt seines Erachtens heute mit Recht rühmen könne, eine wohlausgewogene Synthese zwischen Tradition und Fortschritt geschaffen und die notwendige Entfaltungsmöglichkeit im Sinne einer zielstrebigen und weitsichtigen Verkehrspolitik mit gutem Erfolge gesichert zu haben.

Der Rat will das Beste

Im Rahmen der Aussprache sagte Ratsherr Konrad, daß die gewählten Vertreter der Bürgerschaft auch hier das Beste gewollt hätten. Man könne nicht einen Teilabschnitt der Verkehrserneuerung herausgreifen, ohne das Ganze zu sehen. Bei einer Kritik müßten auf jeden Fall die in den Ausschüssen angestellten gründlichen Überlegungen Berücksichtigung finden.
Oberregierungsrat i. R. Dr. Hugle äußerte namens der Fußgänger seine Befriedigung darüber, daß die anfänglich kritisierte Regelung eine Lösung gefunden habe, die ein Gesicht zeige. Bedenklich sei die Tatsache, daß die Fernverkehrsstraßen durch die Stadt gelenkt werden müßten. Zum innerstädtischen Verkehr stellte er fest, daß sich beispielsweise auf der Großen Straße zwischen Neumarkt und Nikolaiort immer noch ein reger LKW-Verkehr abspielte, der hier nichts zu suchen habe.
Senator Cromme stellte die Schaffung größeren Parkraumes als wichtigste Aufgabe der näheren Zukunft heraus. Man könne 3000 Parkplätze schaffen, was auch bei einer weiteren Ausdehnung des Verkehrs ausreichen werde.

Der Nahverkehr

Senator Ulsmann ging kurz auf den Nahverkehr ein. Man habe versucht, bei der Umstellung die umliegenden Gebiete der Linie 3 sogleich anzuschließen. Die auftretenden Unregelmäßigkeiten erklärte er mit den zahlreichen Neuerungen und Umstellungen, die seitens der Verkehrsbetriebe bewältigt werden müßten.
.............
Der Vertreter des Osnabrücker Tageblattes nahm Gelegenheit, zu der Kritik des Oberstadtdirektors an den gegebenen Anregungen zur Erhaltung des Stadtbildes Stellung zu nehmen. Er wies insbesondere darauf hin, daß es Aufgabe einer Zeitung sein müsse, die Gesichtspunkte der Bürgerschaft zur Diskussion zu stellen und an den Rat heranzutragen, damit dieser sie berücksichtigen könne. Denn hier handele es sich - wie die seitenlange Veröffentlichung zahlreicher Zuschriften gezeigt habe - um Ansichten eines sehr großen Teiles der Bürgerschaft, die um das alte Stadtbild besorgt gewesen sei und es erhalten wissen wollte. Es zeige sich nun, daß die Fahrbahn die Wallanlage überwiege. Nach den großen Kriegsschäden komme es darauf an, den Rest des gewachsenen Stadtbildes zu erhalten, weil eine ständige Veränderung die Verwurzelung eines Heimatgefühls in der Jugend von heute unmöglich mache und somit zur Jugendproblematik unserer Tage beitrage.


Anfang der Liste Ende der Liste