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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Wälle im Für und Wider der Standpunkte
Zwischenüberschrift:
Stellungnahmen aus der Bürgerschaft zu den geplanten Veränderungen auf dem Stadtring zwischen Rehmstraße und Heger Tor
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die im Laufe der letzten Wochen in mehreren mit entsprechenden Planzeichnungen ausgestatteten sachlichen Darstellungen der Öffentlichkeit bekanntgemachten Pläne des Rates und der Verwaltung zur Verbreiterung des Stadtringes auf den Abschnitten zwischen Rehmstraße und Heger Tor fanden ein vielfaches Echo in der Osnabrücker Bürgerschaft. Weitere Artikel des Osnabrücker Tageblattes, die insbesondere zu dem Vorhaben einer Verquickung der Wallanlagen auf dem Abschnitt zwischen Martinistraße und Rolandstraße mit den Fahrbahnen des Stadtringes stärkste Bedenken anmeldeten und der ernsten Besorgnis Ausdruck verliehen, daß damit die völlige Auflösung der Wallanlagen und der geschichtlichen Stadtstruktur in späteren Jahren bei wachsender Verkehrshäufigkeit eingeleitet werden könne, bildeten in allen Kreisen der Öffentlichkeit die Grundlage der Diskussion. Nicht nur hierzu äußern sich in den nachstehenden Auszügen aus zahlreich eingegangenen Stellungnahmen und Zuschriften viele Stimmen. Mit gleicher Leidenschaft wird auch gegen eine Ausweitung des Platzes vor dem Heger Tor in dem vorgesehenen Ausmaß Stellung genommen, weil man diesen entscheidenden Punkt des Stadtbildes erhalten sehen will bzw. eine so starke Ausdehnung der Fahrbahn zur besseren Gestaltung des Verkehrs in die Lotter Straße nicht für erforderlich erachtet. In gleicher Weise kommen aber auch die zu Wort, die in der vorgesehenen Planung keine Beeinträchtigung der Wallanlagen und der Stadtkontur sehen und eine Veränderung im Sinne dieser Pläne für notwendig erachten.
Hände weg von den Wallanlagen!

" In unserer Stadt wird alles getan, um den Fremdenverkehr zu heben. Was soll den Fremden aber bewegen, nach Osnabrück zu kommen, wenn ein Anziehungspunkt nach dem anderen ausradiert werden soll. Kaum haben sich die Gemüter der Osnabrücker Bürger über die Änderungen der Tennisplätze, Lyradenkmal, Vitischanze usw. beruhigt, da kommen schon wieder neue alarmierende Meldungen. Nein, so geht es nicht. Wie ein Mann muß sich die Osnabrücker Bevölkerung erheben, um dieses Vorhaben zu stoppen. Wo sind die Osnabrücker Bürgervereine? Hier ist es Zeit, in Aktion zu treten. Soll der Raserei noch mehr Vorschub geleistet werden? Eine Frage noch: War es ein Osnabrücker, der den unheilvollen Stein ins Rollen gebracht hat?"
Christine Mühlhan

Die Wallanlagen werden geschont

" Ihre Stellungnahme zur Planung Wall-Heger-Tor-Anlage setzt allgemeine Zustimmung der Osnabrücker Bürger voraus. - Das stimmt aber nicht!! Die meisten Osnabrücker Bürger sind froh, daß alle diese Planungs- und Verkehrsregelungen endlich großzügig und großstädtisch angefaßt werden, so wie es in den Nachbarstädten, die uns in all diesen Dingen weit voraus sind, längst geschehen ist. - Soweit ich die Zeichnungen übersehe, werden die Wallanlagen wirklich geschont."
Ernst Niemann

Mangelndes Verständnis bei den
maßgebenden Stellen

" Als alte Osnabrückerin möchte ich Ihnen meinen Dank aussprechen, daß Sie sich so tatkräftig für die Erhaltung unserer Wälle einsetzen. Es ist verwunderlich, daß bei den maßgebenden Stellen so wenig Verständnis dafür vorhanden ist, daß bei der weiteren Entwicklung einer Stadt das Wesentliche des alten Stadtkerns erhalten werden muß. Dazu gehören nun einmal die Wälle als Abgrenzung des alten Stadtkerns. In meiner Bekanntschaft stehe ich nicht allein mit dieser Ansicht. Möchten Ihre Ausführungen die maßgebenden Stellen überzeugt haben, so daß jeder Angriff auf die Wälle in der Zukunft unterbleibt!"
Grete Volkmann

Wollen die Osnabrücker Kopfsteinpflaster?

" Seit Jahren lese ich - abwechselnd verärgert und ergötzt - Stellungnahmen zu Verkehrsproblemen, für die nicht einmal ein Fußgänger Verständnis hat. Offensichtlich sind diese Kritiken hinter geschlossenen Doppelfenstern entstanden. In der frischen Luft sieht alles viel nüchterner aus.
Noch soll die Wallplanung gestoppt werden? Schade, daß eine Eisenbahn nach hier führt - wie verträumt könnte hier alles sein! Wenn man früher zu fortschrittlich gewesen ist, kann man doch heute das Rad der Zeit festbinden. Führt den neuzeitlichen Verkehr weit um die Stadt, und laßt uns innerhalb unserer ` Mauern und Wälle` mit der Droschke fahren! Auf der Großen Straße werden wir ja sowieso bald zu Fuß gehen. Halteverbotsschilder mit Parkerlaubnis sind als Kuriosum für uns schon recht. Wer wollte die Große Straße nicht dem Erfordernis entsprechend wiederaufbauen und stöhnt heute, daß die Kunden vor anderen Geschäften parken? Früher dieses Gerede, wer es eilig hat, muß zu Fuß gehen, und dieses Beneiden der Städte ohne Straßenbahn. Das ist nun beendet.
Unsere Stadtverwaltung wird hoffentlich kompromißlos ihren Plan durchführen. Die Arbeiten der letzten Jahre lassen mich hoffen, daß nicht nur der Verkehr flüssiger laufen wird, daß nicht nur Unfallquellen beseitigt werden, sondern daß mit sorgfältiger Planung nicht nur ein modernes - ein schöneres Osnabrück geschaffen wird, das sich auch in Jahrzehnten seines Baumschmucks rühmen kann, ohne sich des Kopfsteinpflasters schämen zu müssen.
Ich freue mich schon darauf, eines Tages im Inneren alles zu unserer Sicherheit geregelt zu sehen. Die Stadtverwaltung wird dann nicht zögern, den ständig steigenden Verkehrsfluß um die Stadt herumzuleiten, und wer uns hier innerhalb unserer Mauern und Wälle besuchen will, kann zu uns hereinkommen, ohne befürchten zu müssen, hier in der Stadt überall steckenzubleiben wie heutzutage in anderen mittelalterlichen Städten, die froh wären, könnten sie den Pulsschlag des Wirtschaftslebens spüren!"
Erwin Rott

" Hat man sich eigentlich überlegt"

" Mit Entrüstung habe ich durch die Berichte im OT davon Kenntnis genommen, daß man seitens der Stadt gedenkt, das Gesicht des Walls in Höhe der Mädchenoberschule sowie zwischen Rehmstraße und Schnatgang völlig zu verändern. Wenn es das Ziel der Stadt sein sollte, auch diese Wallabschnitte in ähnliche Betonbänder zu verwandeln, wie das in der Gegend des Arbeitsamtes leider der Fall ist, so muß jeder einsichtige Bürger das in höchstem Maße bedauern. Den Wall, um den manche andere Stadt Osnabrück beneiden dürfte, in seiner Substanz möglichst unverändert zu erhalten, diese historische Anlage zu hegen und zu pflegen, sollte die vornehmste Aufgabe aller verantwortlichen Stellen sein! Im Rahmen der Arbeiten, die in der vorgesehenen Art hoffentlich niemals zur Durchführung gelangen, soll der Wall bei der Durchfahrt der Katharinenstraße geschlossen, d. h. die Grünanlage durchgezogen werden. Hat man sich eigentlich überlegt, daß dies Vorhaben die Kreuzung Martinistraße und Wall in ungemein starker Weise mehrbelasten wird? Weiß man, daß tagtäglich viele hundert Radfahrer, vor allem morgens, aus den westlichen Stadtteilen, aus Hellern, Hasbergen usw. durch die Katharinenstraße fast unbemerkt ins Stadtinnere gelangen? Alle diese Radfahrer müßten nach der Neuregelung aber die Kreuzung Martinistraße und Wall benutzen. Weil diese Radler vor allem des Morgens die Schulen, Behörden- und Geschäftshäuser nördlich des Neuen Grabens aufsuchen, bedeutet diese ` Umleitung` nichts anderes, als daß sie bereits nach 100 Metern (Kreishaus) nach links abbiegen und dadurch den Verkehrsfluß in Richtung Martinistraße mit tödlicher Sicherheit blockieren und zum Erliegen bringen. Ist dem Verkehr dadurch gedient, wenn man ein kleinesÜbel durch ärgere ersetzt? Die Katharinenstraße stellt mit Recht für die Martinistraße und Lotter Straße eine Entlastungsstraße ersten Ranges dar. Diese großartige Gelegenheit sollte man auf keine Fall leichtfertigerweise aufgeben."
H. Daniels

Wallplanung und Mädchengymnasium

" Wenn ich dem Artikel vom 28.6. ' Stoppt noch heute die Wallplanung!' von der Möglichkeit gesprochen wird, die Fahrbahn auf Kosten der Bürgersteige zu verbreitern, um damit die Wallanlage zu erhalten, so können wir dies als Eltern von Schülerinnen des Mädchengymnasiums nur mit Schrecken lesen. Wer noch nicht während der Verkehrszeit eine Stunde in einer nach der Straße gelegenen Klasse zugebracht hat, kann sich keine Vorstellung von der Belastung machen, die die Nerven unserer Kinder täglich aushalten müssen. Der Straßenlärm macht eine Verständigung trotz der Doppelfenster (die unverständlicherweise nur in einigen Klassen angebracht sind) zeitweise unmöglich. Eine Verengung des Bürgersteiges vor den Klassenfenstern ist mit Rücksicht auf die Gesundheit der Schülerinnen und der Lehrer indiskutabel. Der begonnene Neubau am Schölerberg wird die Schule nach Fertigstellung nur um zwei Zweige des Schulsystems, d. h. um weniger als die Hälfte der Kinder, entlasten. Die Mehrzahl wird also in der alten lärmgestörten Schule bleiben. Wenn die Verlegung der Fahrbahn in die Wallanlage tatsächlich eine erhebliche Verminderung des Verkehrslärms für das Mädchengymnasium bedeutet, dann kann die Planung nur bejaht werden. Dem Notstand der Schule und des überlasteten Schloßwalles wäre allerdings am besten mit dem sofortigen Bau einer Umgehungsstraße geholfen. Wieviel Generationen von Lehrern und Schülerinnen sollen die jetzige Nervenprobe noch bestehen, ehe wesentliche Änderung und Hilfe geschaffen wird?"
Anni Sydow

Nur 9 Bäume " in Fortfall"

" Es kommen ja nur ` insgesamt 9 Bäume in Fortfall`. Sie werden niedergehauen, umgehauen und verbrannt. 50- bis 70jährige Bäumen kommen in ` Fortfall`! Was haben diese Bäume getan? - Sie stehen im Wege. Die Fußgänger sollen nur den Mund halten. Warum sind sie überhaupt noch da? Wenn sie auch ein ` bißchen` erfolgreicher gewesen wären und die Chancen gesehen hätten, könnten sie auch im Auto fahren, und es brauchte keine Fußwege mehr zu geben und die ' einige 100 000 DM` könnten gespart oder für Asphalt ausgegeben werden. - Die Bastion am Heger Tor mit der alten Kastanie muß auch noch weg (Vorschlag ans Bauamt: Einspritzungen unter die Rinde, Kastanie geht ein. Großes Bedauern in der Zeitung. Nun kann auch die Bastion dem Asphalt geopfert werden).

anonym

Noch ist es nicht zu spät!

" Mit Interesse las ich in letzter Zeit im OT die Ausführungen über den weiteren Ausbau des inneren Ringes. Wie schön wäre es, wenn doch alle Osnabrücker mit der gleichen Leidenschaft wie Sie sich für die Erhaltung der Schönheit unserer Stadt einsetzen würden! Es ist eine Schande, daß man es bei so einschneidenden Maßnahmen wie dem Ausbau des Ringes wagt, im Interesse des Fließverkehrs die schönen Wallanlagen derart zu beschneiden, daß man von der doch möglichen Erhaltung der Schönheit nicht mehr sprechen kann. Sollte es nicht möglich sein, die Bevölkerung zu einer Protestaktion aufzurufen? Wir Osnabrücker lassen uns Unersetzliches nehmen. Immer wieder hört man von Besuchern der Stadt, daß die Stadtwälle etwas Einmaliges sind. Manche Stadt würde sich freuen, wenn sie Ähnliches aufzuweisen hätte!
Wahrscheinlich würden sich aber deren Stadtväter ganz energisch gegen eine derartige Verschandelung zur Wehr setzen, wie man sie jetzt in Osnabrück plant.
Der Verkehr auf den Wällen läuft recht gut. Wenn unsere Nachbarstädte nur so ideale Durchfahrtsstraßen hätten. Aber anscheinend müssen die Steuerzahler Osnabrücks die Steuergelder dafür zahlen, damit fremde Lastwagenfahrer mit ihren Ungetümen noch schneller als bisher die Straßen durchrasen können.
Es wäre besser, die Stadtverwaltung würde dafür sorgen, daß die Straßen der Innenstadt - ganz zu schweigen von vielen Straßen der Außenbezirke - endlich in einen einer Großstadt entsprechenden Zustand gebracht werden! Man sehe sich nur einmal die Hauptstraße der Stadt an. Ein auswärtiger Fahrer gebrauchte den Ausdruck ` Badewannenstraße`. Diese Bezeichnung trifft nicht nur für die Große Straße zu, sondern auch für verschiedene andere Straßen der Innenstadt. Die Stadtverwaltung hätte also allen Grund, die Gelder so anzulegen, daß auch der Bürger der Stadt Nutzen und Vorteil dadurch erhält.
Noch ist es nicht zu spät! Die Bürger der Stadt müssen sich gegen die beabsichtigte Verschandelung zur Wehr setzen."
Schaper

" Straßen frei für den Verkehr!"

" Man kann den motorisierten Verkehr nicht mehr aufhalten. Also die Parole: " Straßen frei für den Verkehr!" Und wo Platz ist, werden neue Bäume angepflanzt. Die sind dann nach 50 Jahren auch wieder schön. Und wenn es in der Wüste ist. Nun nehme ich an, daß Sie sich auch für bessere und breitere Straßen einsetzen!"
anonym

Wohlüberlegte Schritte

" Ich bin auch der Meinung, daß die vorgesehene Umgehungsstraße nicht schnell genug gebaut werden kann und daß sie vielleicht doch mehr als 16 % des gesamten Verkehrs umleiten kann. Diese 16 % sind schon sehr wichtig für den Verkehr, da der größte Teil des Fern-Durchgangsverkehrs aus schweren Lastzügen besteht, die nicht mehr durch die Stadt rattern werden. Und nun ein Wort zu den einzelnen Plänen:
Zunächst das Stück zwischen der Martinistraße und der Katharinenstraße: Hier wird eine dreispurige Fahrbahn auf den jetzigen Grünstreifen verlegt. Dadurch kommen 4 Bäume in Fortfall, von denen einer bereits überständig ist und sowieso bald fallen müßte. Der mittlere Grünstreifen bleibt aber noch 18 m breit, und der Großteil der schönen Bäume bleibt erhalten. Diese Veränderung bringt aber auch andere Vorteile mit sich, und zwar nicht nur verkehrsmäßig, weil jetzt ein klarer Durchgangsverkehr entsteht und der Linksabbiegerverkehr sehr viel verbessert wird, sondern weil jetzt eine große Grünanlage von 21 m Breite vor der Oberschule für Mädchen entsteht und durch die dann ein Fußweg für Fußgänger führt. Dabei bleiben von der alten Mittelgrünanlage alle 5 großen, schönen Bäume erhalten, die Schule bekommt einen Schutz gegen den Straßenlärm, und auch der Fußgänger wird hier gegen die Straßenfahrbahn ausgezeichnet abgeschützt. Ein weiterer Vorteil ist, daß die jetzt durchgehende Katharinenstraße aufgehoben und die Wall-Grünanlage hier durchgeführt wird. Eine störende Unterbrechung der Wall-Grünanlage wird beseitigt.
Ganz ähnlich sind die Veränderungen auf dem Stück zwischen der Katharinenstraße und der Rolandstraße. Auch hier liegt die neue Fahrbahn - allerdings nur zweispurig - weil der Linksabbiegeverkehr in die Katharinenstraße fortfällt - zum Teil auf der jetzigen Mittel-Grünanlage. Dem Umbau fallen hier 5 mittelgroße Bäume zum Opfer. Dafür werden aber die vorhandenen großen Bäume freigestellt und können sich viel besser entwickeln. Auch hier wird die Grünanlage vor der Regierung verbreitert, so daß noch neue Bäume gepflanzt werden können und auch hier wird der Fußgänger durch Grünstreifen gegen den Fahrverkehr abgeschirmt. Die Mittelgrünanlage behält auch hier noch eine Breite von durchschnittlich 16 m. Auf der der Regierung gegenüberliegenden Seite fallen die überständigen Rotdornbäume, die schon rein landschaftlich hier nicht hinpassen. Dadurch entsteht kein Schaden, sondern die anderen Bäume werden sich besser entwickeln können. Auf dem Straßenstück zwischen der Rolandstraße und der Dielingerstraße entstehen kaum Veränderungen.
Ein besonderer Angriffspunkt ist die Umgestaltung am Heger Tor. Zunächst muß ich die Meinung zurückweisen, daß das Heger Tor selbst durch diesen Umbau irgendwie in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Bäume am Heger Tor selbst bleiben erhalten. Nur das Stück vor dem Museum und die Insel vor dem Museum erfahren eine Umgestaltung. Verkehrstechnisch ist dieses eines der schwierigsten Stücke des Walles. Bei einem sorgfältigen Studium des Verkehrsplanes muß man hier wohl sagen, daß der Plan der Stadt eine wirklich notwendige Verbesserung schafft. Die Einschränkung der Grünanlagen vor dem Museum hat mit der Substanz des Walles kaum zu tun. Es ist sehr anzuerkennen, daß die Stadt vor dem Museum nicht einen Riesenverkehrsplatz schafft, auf dem alles durcheinanderfährt, und daß hier eine - wenn auch schmale - Grünzunge verbleibt. Auf dieser Grünzunge bleiben nach der Planung der Stadt noch 2 schöne Bäume stehen; ein dritter - der allerdings auch schon überständig ist - muß fallen. Es würde einem aber wirklich leid tun, wenn der schöne Baum, der auf der Insel der Dielingerstraße steht, fällt.
Nach diesen Einzeluntersuchungen möchte ich doch feststellen, daß die Substanz des Walles nicht zerstört wird, sondern daß in der Planung wohlüberlegte Schritte unternommen werden, die Substanz - soweit man überhaupt voraussagen kann - für die Ewigkeit zu erhalten."
Stadtbaurat a. D. Dr.-Ing. Lüers

" Erhaltet die Wallanlagen!"

" Im Sinne aller Anwohner und Bürger, die gern diese Anlagen zu einer kleinen Erholung begehen, möchte ich unsere Stadtväter bitten, uns die Wallanlagen so zu lassen, wie sie sind, zumal eine Verbreiterung der Fahrbahn für Motorfahrzeuge niemals dazu  beiträgt, auswärtige Gäste heranzuziehen. Vielmehr wird man erreichen, daß alle Motorfahrzeuge auf glatter Straße ihr Tempo erhöhen. Wenngleich innerhalb einer Stadt 50 km nicht überschritten werden dürfen, werden derartige Straßen unter diesem Tempo kaum befahren.
Eine Wallanlage sollte eine Oase sein für alle und keine Rennbahn und keine Lastwagenstrecke und sollte wenigstens alten sowie auch jungen und kränklichen Menschen, die keine weiten Strecken laufen können, etwas Erholung bieten. Der Schloßgarten, die Anlagen vor dem Krankenhaus und die geplante Fläche am Rißmüllerplatz sind zwar für diesen Zweck gedachte Plätze. Notwendig ist, daß die Wege dorthin schon eine Erholung sind; sie dürfen nicht den Eindruck einer wohlgepflegten Autobahn machen. Wenn man selbst auch motorisiert ist, soll man sich doch einmal in die Lage eines Fußgängers versetzen, an dem unaufhörlich die Fahrzeuge vorbeibrausen, Benzindunst hinterlassen und Straßenstaub aufwirbeln. Die Anwohner dieser Straßen finden auch nachts keine Ruhe, weil die durchfahrenden Laster ab 3 Uhr mit argem Getöse die Straße passieren. Bedenken sollte man noch, daß vom Wall aus 7 Schulen zu erreichen sind, von denen 4 Lehranstalten direkt am Wall liegen und auch über den vermehrten Lärm nicht sehr erbaut sein dürften. Dazu kommt die größere Gefahr, der die Kinder ausgesetzt sind. Man sollte darauf bedacht sein, die Tradition einer Stadt zu wahren und die Fahrzeuge auf ein besinnliches Tempo zu bringen, und wird erreichen, daß die Durchfahrenden etwas sehen von den Schönheiten der Stadt und die Stadt vielleicht sogar im Gedächtnis behalten, während man bei einer autobahnähnlichen Straße Gefahr läuft, sogar an den Raststätten vorbeizufahren.
Ratsam wäre es, die für diesen Umbau freigestellten Gelder zur Anlage von Parkplätzen zu verwenden, indem bisher nicht aufgebaute Grundstücke stadtseitig gekauft würden. Eine Stadt, die genügend Parkplätze hat, wird auch von Fremden gern aufgesucht. Sie muß dann natürlich auch etwas ` bieten`, wie man so sagt. Münster legt Wert auf Tradition und Geselligkeit. Osnabrück, die Schwesterstadt, hat wohl noch einige schöne alte Bauten. Wir Osnabrücker begrüßen es, die stilechten alten Fassaden des Marktplatzes wieder zu haben. So sollte auch der Wall, der Geschichte spricht, zumal er verschiedene traditionelle Punkte birgt, keine weitere Veränderung erfahren. Man müßte vielmehr darauf bedacht sein, mit dem Wall einen Ruhepol zu schaffen, der den leider so viel gehetzten Menschen diese Überreste, die das Alter der Stadt dokumentieren, in Erinnerung ruft und sie neu erleben läßt. Ich hoffe, unsere Stadtväter umgestimmt zu haben, unserem schönen Osnabrück sein schönes altes Gesicht zu lassen und sich mit breiten Straßen in den neuen Stadtteilen zu begnügen. Noch einmal, sehr geehrte Stadtväter, lassen Sie uns bitte unsere Wallanlagen wie sie sind, und leiten sie den Durchgangsverkehr um die Stadt.
R. Baumann

Unbedingt kleinstädtisches Niveau
beibehalten?

" Die Ausführungen ihrer Zeitung über die Planung der Wall- und Heger-Tor-Anlagen und ihre Angriffe gegen die Beschlüsse des Rates sind ziemlich häßlich. Ich fahre jeden Morgen kurz vor 8 Uhr am Wall entlang, und ich wäre froh, wenn endlich am Heger Tor und an der Martinistraße etwas Entscheidendes geschähe, auch wenn mal ein Baum fällt, der ja im übrigen durch mehrere andere ersetzt wird. Denn was ist mehr wert, die Sicherheit der Bürger oder ein Baum? Wollen Sie unbedingt das kleinstädtische Niveau beibehalten?"
Johannes Laski

Öffentliche Diskussion vom Rat
verlangt

" Nach den Berichten scheint es sich bei den Umgestaltungsplänen an den hiesigen Wallanlagen um ein Bauprojekt zu handeln, das innerhalb der Bürgerschaft erhebliche Aufmerksamkeit bzw. große Besorgnis erregt. Dies ist verständlich, da es sich letzten Endes um die Steuergroschen der Osnabrücker Bürger handelt. Die Forderung nach einer öffentlichen Diskussion ist daher sehr wohl berechtigt. Eines scheint jedenfalls nach den bisherigen Veröffentlichungen zweifellos festzustehen, daß der ganze Plan noch nicht ausgereift und trotzdem, wie in Osnabrück üblich, erst einmal mit der Durchführung begonnen wird nach dem Motto: ` Es wird schon werden!`
Die Osnabrücker Bürgerschaft verlangt vom Rat der Stadt eine öffentliche Diskussion folgender Fragen:

1. Sieht der Plan eine Erhaltung der Wallanlagen vor mit erholsamen Grünflächen für die Bürger, oder soll der Wall verkehrstechnisch als eine Hauptverkehrsader ausgebaut werden?
2. Sind vor den eingreifenden baulichen Veränderungen alle Möglichkeiten erschöpfend durchdacht worden, um den Verkehr am Wall flüssiger zu gestalten oder gar zu entlasten? Worin bestanden diese Versuche?

3. Wie weit sind die Pläne einer sowieso in Kürze erforderlichen Umgehungsstraße gediehen, und wieweit wird diese den Verkehr in der Innenstadt wahrscheinlich entlasten?

4. Inwieweit ist bei den vorliegenden Plänen der Grundsatz berücksichtigt: Mit einem Minimum an Kostenaufwand ein Maximum an Verkehrsentlastung und an ungestörtem Verkehrsfluß zu erreichen?

5. Wann erreichen die Phonwerte und der Grad der Luftverpestung am Wall den Grad der Gesundheitsgefährdung, und ist nach der Umgestaltung mit einer Änderung dieser Werte im positiven oder negativen Sinn zu rechnen?

6. Sieht der Plan lediglich eine Ausbügelung der Wall-Verkehrsbahn vor, und steht die Begradigung der Verkehrsbahn im Verhältnis zum Kostenaufwand?

Die Verantwortlichen für diesen Plan werden entweder heute oder später Rechenschaft ablegen müssen für die eingreifenden Veränderungen an der schönsten Straße unserer Stadt. Die bisherigen Erfahrungen haben gelehrt, daß Mißtrauen am Platze ist."
Dr. W. Sauvlet


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