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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Leserbrief.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wird das Lyradenkmal " abgestellt"?

  Asphalt-Langeweile läßt sich schnell schaffen, vertane Traditionswerte sind unersetzlich
Der Protest eines alten Osnabrückers

In dem Artikel: ` Vor einem Aufrollen der Wälle`, der sonst von erfrischender Deutlichkeit ist, heißt es:
` Das Lyradenkmal steht am Hasetor so trostlos herum, daß man froh sein muß, wenn es versetzt wird`. Nun, man mag es Feigheit nennen, ich habe es bisher nicht über mich gebracht, seit jenem düsteren Herbsttag, da man hier zu reißen und zu brechen anfing, am Hasetor vorbeizugehen. Ich weiß, es geht vielen so, die vom Wall lieber über den Vitihof zur Hasestraße abbiegen, weil es ihnen schwer wird, anzusehen, wie man Organisches und historisch Gewordenes anschneidet. Nun ist` s ja mal geschehen. Und auf die Dauer wird uns dieser Anschauungsunterricht nicht erspart bleiben.
Ich war im Frühling 1905 dabei, als man an dieser Stelle das Lyradenkmal an einem strahlenden Sonntagmorgen einweihte. Seitdem hat in jedem Frühjahr die Stadtgärtnerei ihre Ehre darein gesetzt, dem Sänger des Mailiedes ihre besondere Liebe und Sorgfalt zu widmen. Gerade dieser sonnige freie Platz war ja auch dazu besonders geeignet. Wer aus der engen Hasestraße über die freundliche Hasebrücke hier in den freieren und breiteren Raum trat, dem wehte wirklich etwas von der Stimmung des Geibelschen Mailiedes, das der Osnabrücker Lyra vertonte, entgegen.
Daß die Bomben des Krieges die schöne Blutbuche dahinter vernichteten, war schmerzlich. Aber der schöne Gesamteindruck des Findlings mit dem dicken Turm der Vitischanze dahinter, er blieb erhalten.
- Wo will man denn nun mit dem Lyrastein hin? Etwa dahin, wo
früher das Erzbergerdenkmal aus Klinkersteinen stand? Dort fehlt vor allem das freundliche Licht, das an der jetzigen Stelle des Denkmals so verschwenderisch und bezaubernd vorhanden war! Dann die allzu große, bedrückende Nähe der Eisenbahnlinie mit Lärm, Qualm und Ruß, wenn man` s hierher ` abstellte`! In Osnabrück ist ja leider das Versetzen von Denkmälern Mode geworden!

Eins ist gut und hoffnungsvoll: Die Osnabrücker werden jetzt stark beunruhigt, trotz Drang und Hast unserer Tage macht sich ein starker Zug der Besinnung bemerkbar, Besinnung darauf, daß für ihre alte, schöne Stadt hier Unersetzliches auf dem Spiel steht. Krieg und Bomben haben den größten Teil des alten Osnabrücks vernichtet. Jetzt liegt es an uns Osnabrücker Bürgern, mit aller Energie zu verhindern, daß ihnen unersetzliche Traditions- und Schönheitswerte verlorengehen, weil man dem Phantom einer Vorherrschaft des ` Verkehrs` nachjagt, der doch in absehbarer Zeit, wenn diese Verluste nicht wieder zu ersetzen sind, seine eigenen und andere, dann notwendige Wege gehen wird.

- Steinerne und asphaltene Langeweile läßt sich schnell schaffen, leichthin vertane Traditionswerte lassen sich niemals ersetzen!

Man sage nicht, wir alten Osnabrücker ließen uns hier von romantischen, überholten Gefühlen und Ideen leiten. Gerade von vielen der Zugewanderten und Heimatvertriebenen hört man in diesen Tagen immer wieder Stimmen des Unmuts und der Trauer über die Opfer an den Moloch ` Verkehr`.

- Bleiben wir alle wach, daß man uns nicht unser Bestes nehme: die Schönheit unserer Heimat!"


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