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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Vor einem Aufrollen der Wälle?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor einem Aufrollen der Wälle?
Hasetor und Karlstraße als abschreckendes Beispiel eines künftigen Stadtbildes - Aufrollen der Wälle ab Rehmstraße käme dem Einebnen der letzten geschichtlichen Struktur gleich - Die Bürgerschaft sagt nein dazu!

Die Verkehrserneuerung und die Erhaltung des Stadtbildes stehen in enger, jedoch konträrer Beziehung: Die Bauverwaltung und der Verkehrsausschuß bezeichnen es als technisch und sachlich notwendig, durch eine wesentliche Straßenverbreiterung (oft genug um mehr als das Doppelte) das Ansteigen des Verkehrs auf längere Sicht bewältigen zu müssen. Zu dieser " Verbreiterung" bietet sich naturgemäß das an, was " noch nicht" dem Verkehr dient. Und das sind die Anlagen und jene typischen Merkmale, in der sich noch die geschichtlich gewachsene Struktur der Stadt erhalten hat, die Wälle. Zunächst nahm die Bürgerschaft diese " sachlichen" Gesichtspunkte zur Kenntnis. Inzwischen hat sich jedoch das Bild geändert: Das warnende Beispiel der Erneuerung am Hasetor und an der Karlstraße ruft die Bürgerschaft mehr und mehr auf den Plan, die Bürgervereine haben sich eingeschaltet und werden es mit kommenden Versammlungen noch weiter tun. Darüber hinaus haben Fachleute das Problem nicht nur von der Seite der Befriedigung des Verkehrs, sondern auch von der sozialen und von der Seite des Verkehrsverbrauchers in zahlreichen Varianten umgekehrt dargestellt: Eine Verbreiterung nütze deshalb wenig, weil sie ja doch in wenigen Jahren wieder aufgesogen sei. Sie empfehlen daher eine Umgehung der Innenstadt durch den individuellen Verkehr, während ein Massenverkehrsmittel als der geringste Raumbeansprucher sie weiterhin durchkreuzen soll.

Plan und Wirklichkeit

Die angekündigte und derzeit in einer Skizze veröffentlichte Planung zu den Verbreiterungsmaßnahmen am Hasetor gab der Öffentlichkeit eben nicht die Vorstellung, die die Wirklichkeit - jetzt schon deutlich erkennbar - immerhin präsentiert. So mehren sich denn die Stimmen, die zu diesem Radikalismus nein sagen und an der Erhaltung des heimatlichen Bildes unserer Stadt größere und leidenschaftlichere Anteilnahme zeigen, als man vielleicht erwartet hat. Aus den zahlreichen Zuschriften mögen einige Punkte - die Karlstraße betreffend - kurz angedeutet sein:

 - Die übriggebliebenen Bäume an der Karlstraße stehen
unmittelbar an der Fahrbahn, während man jedem weiß-roten, sperrkettentragenden Pfosten eine Schrammkante einräumt.

 - Am Ausgang des Herrenteichswalles zum Hasetor hat man auf
einer Seite einen Teil der Bäume weggenommen, so daß der
Herrenteichswall hier einfach angeschlagen aussieht.
 - An die 30 große und schöne Bäume wurden an der Karlstraße
abgehackt. Nahezu gleichzeitig ließ sich die
Stadtsparkasse, die gern einen Baum vor ihrem neuen Gebäude haben wollte, eine Kastanie aus Hamburg kommen, die - da
sie schon ausgewachsen war - mehrere tausend Mark kostete.
 - Das Lyradenkmal steht am Hasetor so trostlos herum, daß man froh sein muß, wenn es endlich versetzt wird.
 - Am Hasetor wird die Fahrbahn 28 m breit, dazwischen sollen Halteinseln für die Straßenbahn liegen. Wie soll da der
Fußgänger die Fahrbahn überqueren?

Die Bürgerschaft ist dagegen!

Was sich in der abgehaltenen Bürgerversammlung mit überraschender Vehemenz zeigt, bestätigen die Zuschriften und zahlreiche sonst geäußerte Ansichten der Bürger: daß man nämlich eine Verkehrserneuerung allein auf Kosten des Stadtbildes und unter Schaffung erhöhter Verkehrsgefahren bei so breiten und " einladenden" Straßen nicht will! Die Bürgervereine, die noch eine Reihe von Versammlungen planen, in denen sich die Bürgerschaft des jeweiligen Stadtviertels zum Problem der Verkehrserneuerung und insbesondere zu der Frage " Straßenbahn oder Autobus" äußern soll, wissen um die enge Kopplung dieses Problems mit der Frage der Erhaltung des Stadtbildes. Und auch sie verfolgen das Ziel, daß Osnabrück auf jeden Fall Osnabrück bleiben soll!

Ein Nein an den Rat

Der von der Bürgerschaft gewählte Rat hat nicht nur speziell über die Frage " Straßenbahn oder Autobus" zu entscheiden, sondern gerade auch darüber, wie weit die enge Beziehung zwischen Verkehrserneuerung und Erhaltung des Stadtbildes zu deren Ungunsten ausfallen darf. An ihn richtet sich das aus der Bürgerschaft kommende Nein, und er muß es berücksichtigen, wenn er der Vertreter des Willens derer sein will, die ihn gewählt haben! Entscheidungen dieser Art fallen auch in den Ausschüssen, deren Mitglieder sich - so scheint es fast - oft allzu sehr als " Spezialisten" fühlen, die nach Zweck und Sachlichkeit gehen, ohne die Wünsche der Bürgerschaft in dem Maße zu berücksichtigen, wie sie es beanspruchen muß!

Ohne Fortsetzung!

Es geht nicht nur um die Gestaltung von Hasetor und Karlstraße! Die Leidenschaft, mit der die Bürgerschaft beginnt, sich für die Erhaltung der städtischen Substanz einzusetzen, erklärt sich in erster Linie aus der Sorge, wie das weitergehen soll! Denn " sachlich gesehen", steht dem Stadtring noch vieles im Wege, was Osnabrück ausmacht: die Anlagen am Rißmüllerplatz, vor allem aber die Anlagen am Heger Tor und schließlich die Anlagen der Wälle selbst, mit deren Abbau man im Frühjahr auf dem Stück zwischen Rehmstraße und Schnatgang beginnen will, um hier den Stadtring auf eine Breite von 14, 5 Metern zu bringen.

Sollte es zur Einebnung dieses Wallstückes kommen, ergibt sich von selbst die Frage: Und wann fällt das Wallstück vom Schnatgang bis zur Katharinenstraße? Und wann das Stück von der Katharinenstraße bis zum Heger Tor? Es zeichnet sich die Absicht ab, die Doppelkreuzung Martinistraße und Wall durch allmähliche Aufhebung der Wallstücke zunächst von der Rehmstraße bis zum Schnatgang und dann von hier bis zur Katharinenstraße in eine einfache Riesenkreuzung zu verwandeln!

Das ist die letzte Substanz!

Die als Anlagen noch vorhandenen Wälle aber sind die letzte Substanz einer tausendjährig gewachsenen Stadtstruktur, ohne die die geschichtlichen Zentralpunkte des Marktplatzes mit Rathaus und Marienkirche und des Domhofes mit Dom und den dazugehörigen Baulichkeiten ihren letzten Zusammenhang mit der Stadt verlieren, seitdem der Krieg die Hasestraße, die Bierstraße, die Lohstraße und die Krahnstraße um ihr altes Gesicht gebracht hat. Beide Räume blieben dann als vom Leben abgesonderte museale Quartiere übrig. Und dies darf auf gar keinen Fall geschehen!

Und in zehn Jahren?

Inzwischen ist immer wieder darauf hingewiesen worden, daß die Bereitstellung neuen Verkehrsraumes innerhalb der Städte bei einer gleichbleibenden Entwicklung in etwa 5 bis 10 Jahren wiederum den Ansprüchen nicht mehr genügt! Es bleibt dann nur noch das Mittel der Umleitung über einen äußeren Ring und der Freihaltung der Stadtmitte vom Verkehr durch Einrichtung an ihrer Peripherie gelegener Parkplätze übrig. Bei der konsequenten Einhaltung der im Gange befindlichen Pläne wäre dann die Stadt umsonst um das gebracht, was Osnabrück ausmacht!

In Grenzen halten!

Wenn man alles das zusammenfaßt, was nicht nur um ihre Stadt besorgte Bürger gesagt und geschrieben haben, sondern was auch Fachleute weitblickend dazu festgestellt haben, muß man zu der lauten Warnung kommen, dem Verkehr nicht ausschließlich auf Kosten dessen, was Osnabrück nun einmal ist, freie Bahn zu schaffen! Die Bürgerschaft sagt n e i n dazu, und sie wird dies weiterhin auch mit einer Konsequenz tun, die man ihr vielleicht nicht zugetraut hat. Es sind zu wenig von der Richtigkeit der geplanten Verbreiterung überzeugt, um sie einfach durchführen zu können!

Osnabrück will Osnabrück bleiben, und es will in zehn Jahren nicht mit den Städten, die einem reinen Zweck ihre Existenz verdanken, verwechselt werden!


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