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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Freie Bahn dem Verkehr?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Freie Bahn dem Verkehr?

Der Stadtring hat sich der Karlstraße und dem Hasetor genähert - Und damit gerät das Stadtbild in Gefahr!
Hat der Verkehr ein Anrecht auf unwiederbringliche Stadteigentümlichkeit?

Die freie Abwandlung des geflügelten Wortes " Freie Bahn dem Tüchtigen" auf den Verkehr ergibt zwar eine Ähnlichkeit der Wortbildung, andererseits aber nicht den gleichen Inhalt. Während jedermann das Wort von der freien Bahn für den Tüchtigen ohne weiteres in seinem Inhalt akzeptiert und als gerecht empfindet, wird die freie Bahn dem Verkehr noch lange nicht von jedermann eingeräumt! Was wir heute gemeinhin unter Verkehr verstehen, ist genau genommen, Ausdruck für eine Mißverhältnis, das eine auf höchsten Touren laufende Fahrzeugproduktion ausgelöst hat, als sie eine Straßenbenutzung ermöglichte, der die alten, seit über einem Jahrzehnt nicht erneuerten, geschweige denn erweiterten Straßen nicht gewachsen waren. Die Hand des Verkehrsgesetzgebers hat sich als zu weich erwiesen, um Ordnung schaffen zu können, Rücksicht und Disziplin gelten (was besonders die Mopedfahrer angeht) weithin als rückständig. Die Folge dieser Ursachen ist das große Heer der Verkehrstoten, der unzähligen Verletzten und eines Sachschadens, der seit Beginn dieser Entwicklung Milliarden gekostet hat.

Freie Bahn dem Verkehr? Da dürften unendlich viele abwinken! Wenn man das Problem im größeren Raum der allgemeinen Entwicklung betrachtet, sieht sich eine Stadt wie Osnabrück vor eine gewisse Notwendigkeit gestellt, aus wirtschaftlichen und fremdenverkehrlichen Gründen auf dem Gebiete des Verkehrs Schritt zu halten. Das dürfte außer Zweifel stehen. Es erhebt sich dabei nur die Frage, in welchem Maße man dieser Entwicklung nachgehen muß, um den Anschluß zu behalten, bzw. wie weit der verkehrlichen Entwicklung Dinge geopfert werden dürfen, die in anderen Bereichen des Lebens von großem Wert oder gar unersetzlich sind.
Dieser Gesichtspunkt verdient um so mehr Berücksichtigung, da (wenn man ein gleiches Tempo der Entwicklung voraussetzen will wie bisher) in spätestens zehn Jahren der Kraftverkehr ohnehin aus der Stadt verlegt werden muß, weil auch die großartigsten Verbreiterungen und Erneuerungen ihn nicht mehr schlucken können!
Der inzwischen zum großen Teil ausgebaute Stadtring war als eine Verkehrsentlastung für die Innenstadt gedacht, er sollte den Verkehr um den Stadtkern lenken. Heute zeichnet sich aber schon ab, daß auch der Stadtring wohl doch nur eine entlastende Maßnahme auf Zeit ist, weil er eine Verdoppelung des Fahrzeugbestandes nicht mehr erfassen könnte. Die echte Lösung wäre ein äußerer Stadtring. Man plant ihn zwar, doch besteht kaum Aussicht auf seine baldige Verwirklichung, weil er - allein im Hinblick auf die riesigen Grundstückserwerbungen - in absehbarer Zeit nicht zu finanzieren ist. Man befaßt sich daher auch schon mit dem Gedanken, am Rande des Stadtkerns möglichst viele Parkplätze anzulegen, die die von den Zuführungsstraßen einflutenden Kraftfahrzeuge aufnehmen können.
In dieser Situation ist nun die Weiterführung des Stadtringes über Karlstraße und Hasetor gestellt. Dem Generalverkehrsplan gingen statistische Erhebungen voraus, die in wohl nicht unerheblichem Maße dazu beigetragen haben, das Maß der als notwendig erachteten Verbreiterungen zu bestimmen. Aber gerade hier muß der Gedanke zum Tragen kommen, in welcher Straßenbreite man dem Verkehr Rechnung tragen darf, um den Anschluß zu behalten, und ob bei Berücksichtigung einer fragwürdigen Lebensdauer dieser Verkehrsverbreiterung die zahlreichen Bäume an der Karlstraße von der Riedenstraße bis zum Hasetor (man spricht von 80 Bäumen!) und ein gutes Stück des verbliebenen Stadtbildes durch Wegnahme der unteren Schanze der Vitischanze einschließlich Lyra-Denkmal geopfert werden dürfen! Gegen eine Verbreiterung des Hasetorplatzes an der Seite des Bahnhofes und des Bahndammes, gegen eine Verbreiterung der Unterführung an der Bramscher Straße in Richtung Hansastraße dürfte kaum etwas einzuwenden sein. Aber das Anschneiden der Vitischanze bringt einen Eingriff in einen der schönsten Komplexe des restlichen Stadtbildes mit sich, der Unwiederbringliches antastet und die Stadt tausendfach ärmer macht, als sie für den Verkehr gewinnen kann!

Ähnliches gilt von den hohen, schattigen Bäumen an der Karlstraße, die nicht nur in das Stadtbild gehören, sondern darüber hinaus eine wesentliche Bedeutung als Luftreiniger haben, die den größten Teil des Staubes und Qualmes von der Bahnlinie abfangen.
Freie Bahn dem Verkehr? Soll man das alles einer verkehrlichen Entwicklung zum Opfer bringen, der dieser Raumgewinn wahrscheinlich doch nur für Jahre genügt, während die Besonderheiten des Stadtbildes nun einmal unwiederbringlich sind und Bäume immerhin Jahrzehnte an Wachstum benötigen, bis sie die Funktion einer wichtigen Luftreinigung übernehmen können? Nicht in der Radikalität, sondern in der Abstimmung auf andere Wesentlichkeiten des städtischen Daseins, in maßvoller Koordinierung der Erfordernisse kann die Lösung liegen! ea


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