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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ueber Trockenlegung und Entwässerung der Südwestseite unserer Vaterstadt
Zwischenüberschrift:
Fortsetzung und Schluß aus No. 29
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Daß die Neustadt mit ihren nierigen gelegenen Grundstücken im Wasser steckt, liegt nur lediglich darin, daß die Wasserzüge dort nicht der Art sind, das dort sich sammelde Wasser vom Nahner- und Wulfterturm ab an von den Hörner Bauerschaftsgründen hin, welche alle nach der Wüste ihren Abfluß haben, gehörig schlucken zu können. Weil diese Wasserzüge aber bei der Stadt einen freien und raschen Abfluß nicht finden, so muß das Wasser nothwendig in den Boden versinken, darin flagniren, d. h. in Fäulnis übergehen oder flocken, wodurch denn der Boden nothwendig kaltgründig werden muß; diese Anschauung hat auch schon der ehrenwerthe Oberstl. von dem Bussche in seinem vorgedachten Promemoria ausgesprochen.
Die Neustadt, sollte man glauben, müßte bei ihrer hohen lage der trockenste Theil der Stadt sein, da ja bekanntlich das Gefälle vom Johannisthore bis zur Hase am Hasethore einige zwanzig Fuß beträgt, welches an der Ost- und Westseite der Stadt auch nothwendig gleich sein muß, indem das Wasser bei der Petersburg sich trennt und unter bei der Vitt-Bastion der Robbenburg gegenüber sich wieder in der Hase einmündet. Bedenkt man nun endlich, daß die vorhin schon aufgeführten Grundstücke der Martinianer- und Neustädter Laischaft nach einer vor etwa 10 Jahren aufgestellten Berechnung einen Flächenraum von mehr als 3000 kalenberger Morgen enthalten, daß alles Wasser, welches in diesem großen Kreis entspringt, und vom Himmel fällt, vom Johannisthore ab an der Westseite der Stadt entlang nach der Hase hin seinen Abfluß suchen muß, da die früheren 2 Kanäle, die das Wasser von der Wüste geleitet (Vergleiche der Stadt Osnabrück Verordung, die Verbesserung der Wüste betreffend, vom 7. August 1781); bedenkt man ferner, daß bis dazu vorhandenen Abzugsgräben nicht gehörig rein gehalten und ausgemodert, daneben mit vielen Stauungen zum Ueberfluß und Nachtheil der Anlieger und sonstigen Betheiligten versehen sind; dann wird es jedem, der sehen und begreifen mit klar werden, daß hier eine durchgreifende Abhälfe Roth thut.
Schließlich wollen wir des Beispiels wegen die Entwässerung der altstädter Wüste besprechen, und hören, was darüber schon vor beinahe hundert Jahren der Biedermann Oberstl. v. d. Bussche gedacht und geschrieben hat:
" Der obere Theil der Wüste bey den Blumenhallen hat sichtbaren Fall. Daß aber solche Gegend sumpfigt ist und bleibet, entsteht daher, daß sich in den Leyschafts Kämpfen und Blumenhaller Teichen verschiedene Quellen hervorgethan, deren Abfluß nicht anders als durch die sog. Wellenbache, die ihren Ursprung aus Lodtmanns obern Theile (die nachherige Thorbecken) nimmt, bewirkt werden kann. -- Dieser Bach ist übel geleite. -- Denn um die Teiche bey den Blumenhallen nicht genug verwahret sind, so quillet das Wasser durch den sumpfigen Boden nach den niederen Theilen der Wüste zu und mache den gleich hochliegenden Boden unfruchtbar."
Diese Auffassung bestädigte die Erfahrung vollkommen, und sie bestanden noch bei der Wüstentheilung im JAhre 1831. -- Die vier Blumenhallen waren alle mit Teichen umgeben, der oben gedachte Wellenbach floß von Teichen der beiden ersten Blumenhallen ab an dem Wege nach Hörne entlang nach dem Achelkampe, dann durch die Rötefrube nach dem oberen Ende des großen Kanals. Hierdurch war der obere Theil der Wüste mit stehendem und fließendem Wasser umgeben. Zu diesem Uebelstande gesellte sich noch der, daß bei Theilung der Wüste der Heger-Laischaft, die ihre Abfindung in dem hochliegenden hinteen Theile der Wüste erhalten hatte, das alleinige Flößungsrecht aus den obigen Gewässern zugestanden war, wodurch denn ein fortwöhrender hoher Wasserstand bedingt wurde. So sehr sich die Martinianer-Laischaft bemühte, ihre Wüstengründe zu entwässern und zu verbessern, so übten die auf den Höhen befindlichen Wasser einen mislichen Einfluß aus die unterwärts liegenden Grundstücke aus. Die Martinianer-Laischaft, die diesen Uebelstand erkannte, brachte es mit großen Geldopfern dahin, daß sie theils durch Ankauf der betreffenden Grundstücke, auf denen die Wasserstände sich befanden, und durch sonstige Bergleiche, in den alleinigen Besitz des Wassers gelangte. Damit wurde es möglich, die bisher sumpfigen Bullenortsgründe und einen großen Theil der unterhalb der Blumenhallen liegenden sonst sumpfigen Wüstengründe in fruchbaren Ackerboden und die durch Torfbaggern ausgenutzten Reviere zu Wiesenzurecht legen zu können.
Wenn jemand es sehen will, wie durch Entwässerung Grundstücke zu verbessern sind, der wird solches hier durch eigene Anschauung bestädigt finden; daß dort, wo nur unwegbarwe Sumpf und Bülte mit schlchten Gräsern sich befanden, jetzt eine rege Boden-Cultur zu finden ist, die die Mühen des Ackerbaueres reichlich lohnt, und daß daneben aus denjenigen Grundtheilen der Wüste, die sich dazu eigneten, gute Wiesen geschaffen sind.
Osnabrück, im Februar 1866.
Autor:
Für die Redaction verantworlich R. Meyer


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