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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Mein Name ist Hase - und ich bin ein Problem!
Originaltext:
Kopfzerbrechen um das Haseproblem. - Die Stadtverwaltung hat alles erwogen und vieles zu leicht befunden. - Der Sauerstoffmangel als Tod in der Hase. - Außer der mechanischen auch eine biologische Reinigung notwendig. - Die Auschaltung des Hasearmes in Schinkel beabsichtigt. - Auch hier ist ein happy end gewiß.
Da fließt sie hin. Mitten durch die Stadt. Die Hase. Fließt sie eigentlich! Kann man Fluß dazu sagen! Silberband Osnabrücks! Ein alter Grieche behauptete einmal vor undenklichen Zeiten: Alles fließt. Bei der Hase jedenfalls ist diese Bewegung heute so gering spürbar, daß Zeitlupentempo Höchstgeschwindigkeit dagegen vorstellt. Es ist traurig Und ein Problem.
Um mit dem Dichter Dirk Paulun zu reden, sähe die Sache so aus: Einer nahm mich beim Kopf und sagte: " Die Wasser der Hase stehen still. Fische und Algen sterben. Und es stinkt." - Hä!" - " Wenn die Hase nun anständig fließen würde. Und wenn die Abwässer... Aber die Stadtväter sind schuld..."
Und da wären wir dann bei dem Start in das große Problem angelangt. Ein Problem, das ungemein vielseitig und nicht leicht zu lösen ist. Und ein Problem, das den Laien dann, wenn es anfängt, Fische sterben zu lassen oder übel zu riechen, erfahrungsgemäß allzu leicht zu der unwilligen Behauptung verführt, die Stadtverwaltung widme sich der Sache nicht genügend. Und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zu der Behauptung jener, die durch die mannigfachen Unarten der Hase gestört werden, man komme nicht auf das " Einfachste", um diese Schäden radikal zu beseitigen: Man brauche das Hasebett ja " nur" betonieren, oder man brauche ja " nur" die ganze Hase im Stadtgebiet zu überbrücken...
Wie schwer aber dieses Problem in Wirklichkeit ist, welch verantwortungsvoller Lösung es tatsächlich bedarf, zeigte eine Unterhaltung mit den zuständigen Stadtvätern, mit Oberbürgermeister Dr. Gaertner, Stadtbaudirektor Bleckmann und Verkehrsdirektor Dr. Kolkmeyer. Es wurde hier dieses ganze Problem in seiner vollen Größe und seiner ganzen Vielseitigkeit ausgewickelt, und es zeigte sich - und das ist wert, vorweg nachdrücklich betont hervorgehoben zu werden - das dies Haseproblem die zuständigen Stellen der Stadtverwaltung seit Jahren ununterbrochen beschäftigt, ja in Atem hält, daß viele prominente wissenschaftliche Gutachten eingeholt wurden, daß jedes nur denkbare Projekt zur Behebung des Haseproblems eingehend geprüft wurde und daß man weder Zeit noch Kosten gescheut hat, um hier eine Änderung herbeizuführen. Es wäre zwecklos, hier die erfolgten Prüfungen und Untersuchungen, die erwogenen Pläne und Abhilfen des breiten aufführen zu wollen, wenn man zu dem Schlusse kommen müßte, daß man bis heute kein Mittel gegen das Übel gefunden habe.
Die hier nun aufgeführten Gedanken und Projekte um das Haseproblem, die alle von der Stadtverwaltung gründlich erwogen wurden, haben jedoch nun einen gewissen positiven Abschluß gefunden, indem man nun zunächst genau um die Ursachen der Haseunarten weiß und auch ein Projekt zur Durchführung bringen wird, daß eine zumindest wesentliche, wenn nicht gar völlige Besserung der Verhältnisse herbeiführen wird. Die zahllosen Bemühungen der Stadtverwaltung haben zu einem Erfolge geführt, der wert ist, der Öffentlichkeit unterbreitet zu werden, indem das Haseproblem einmal in seine ganzen Größe aufgezeigt wird:

Eine prähistorische Reminiscenz: Vor undenklichen Zeiten floß die Hase, ein munterer kleiner Fluß, durch das wilde und unbewohnte Hasebruch dahin. Das Hasetal bestand aus Moor und Sumpf, es war ein sogenanntes Bruch, das sich gleich einem großen Schwamm immer wieder voll Wasser sog und die Hase reichlich damit versorgte. Später, als das Hasetal besiedelt wurde, als Dörfer und Städte entstanden, wurde das Bruch naturgemäß entwässert und die großen Wälder verschwanden. War die Hase bisher Sammelbecken jenes Wassers, das ihm aus dem Schwamm des Hasebruches reichlich zufloß, so war sie nach der Kultivierung nur noch Durchgangsbecken für das anfallende Regenwasser. Die Hase fing an, unter Wassermangel zu leiden ...
Die Wasserverhältnisse der Hase wurden bis auf den heutigen Tag schlechter und schlechter. Hinzu kam die Verschmutzung der Hase, die seither nicht nur von den Industrien, sondern auch von der Stadt Osnabrück verursacht wurde, und die die Hase eben zu jenem Problem machte, für dessen Lösung heute alle Kräfte angespannt werden.
Was wurde gegen diese Verschmutzung getan? Zunächst wurde die Verschmutzung durch die Stadt restlos beseitigt durch den Ausbau der Kanalisation, die so weit vorgetrieben wurde, daß sie heute sämtliche Grundstücke Osnabrücks erfaßt. Auch in Schinkel wurde die Kanalisation völlig durchgeführt, so daß die Verschmutzungsquelle der Hase durch die Stadt restlos beseitigt ist.
Die zweite große Verschmutzungsquelle stellen die Abwässer der heimischen Industrie dar. Auch sie wurde restlos ausgemerzt, indem auch sämtliche Betrieb Osnabrücks an das Kanalisationsnetz angeschlossen wurden. Bekanntlich hat Osnabrück eine Regenkanalisation und eine Abwässerkanalisation. Wenn nun mal eines dieser Werke zufällig Schmutzwasser direkt ableitet, so gelangt das durch die Regenkanalisation dann natürlich in die Hase. Auf diese Weise verursachen beispielsweise nicht funktionierende Ölschalter hier und da Ölflecke auf der Hase.
Eine Sonderstellung nimmt die Papierfabrik Schoeller ein, die vor den Toren der Stadt liegt und unmittelbar in die Hase entwässert. Da es sich um einen Betrieb außerhalb der Stadt handelt, kann man naturgemäß die Stadtverwaltung nicht für die Mißstände verantwortlich machen, die durch die Abwässer der Fabrik verursacht werden. Selbstverständlich wurden von der Fabrik Schoeller Maßnahmen getroffen, um der Haseverschmutzung durch den eigenen Betrieb entgegenzuwirken, indem durch die Anlage der Klärteiche eine mechanische Reinigung angestrebt wurde, die bezweckt, die sichtbaren Schmutzstoffe aus dem Wasser zu entfernen. Es hat sich jedoch gezeigt, daß diese Vorkehrungen nicht ausreichend sind und daß sich der mechanischen Reinigung eine biologische Reinigung hinzugesellen muß, die die Entfernung der im Wasser aufgelösten Schmutzstoffe besorgt. Der üble Geruch der Hase ist zum Teil auf diese noch mangelnde biologische Reinigung zurückzuführen. In letzter Zeit war auf dem Hasespiegel häufig eine starke Schaumbildung zu beobachten, über die sich mancher gewundert hat. Diese Erscheinungen sind auf verschiedene neue Klärverfahren zurückzuführen, die von der Fabrik Schoeller versucht wurden, was beweist, daß auch die Fabrik Schoeller an der Behebung der Mißstände arbeitet, nichts unversucht läßt und keineswegs die Dinge gehen läßt, wie sie wollen. Es wäre von der Öffentlichkeit also unrecht, einen Vorwurf gegen den Betrieb zu erheben. Die objektive und um eine Lösung besorgte Betrachtung des Haseproblems macht lediglich die objektive Feststellung notwendig, daß die getroffenen Maßnahmen und angewandten Versuche im Augenblick in dieser Richtung noch nicht den vollen Erfolg haben.
Die Stadtverwaltung ist nun zu dem Schluß gekommen, daß - um der Mißstände Herr zu werden - es notwendig ist, die Abwässer möglichst schnell durch die Stadt zu führen, damit es innerhalb der Stadt nicht zu Faulvorgängen kommt. Deshalb wird von der Stadtverwaltung erwogen, alle Teile der Hase, die das Wasser zum Stagnieren bringen, zu beseitigen, um einen rascheren Durchfluß des Wassers zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang wird erwogen, den alten Hasearm in Schinkel an der Nordseite der Klöcknerwerke stillzulegen und das gesamte Wasser statt dessen durch den Hasekanal zu leiten. Es ist jedoch eine reifliche Prüfung des Planes notwendig, da die Klöcknerwerke ihr Betriebswasser diesem Hasearm entnehmen. Andererseits ist man jedoch der festen Überzeugung, daß diese Maßnahme die Mißstände grundlegend ändern würde.
Im Zuge des Planes eines beschleunigten Wasserdurchflusses hat man auch die Frage der Beseitigung der Mühlenstaue geprüft. Oberflächlich betrachtet, beständen keine Schwierigkeiten, denn die Mühlen können elektrisch betrieben werden und die Entfernung der Mühlenstaue wäre eine Kleinigkeit. Unmöglich erscheint die Verwirklichung des Planes in dem Augenblick, wo man der Tatsache gedenkt, daß fast alle großen Gebäude an den Ufern der Hase auf hölzernen Pfahlrosten ruhen. Ein beschleunigter Durchfluß würde eine Senkung des Wasserspiegels mit sich bringen, die hölzernen Pfahlrosten träten aus dem Wasser und wären im gleichen Augenblick der Fäulnis ausgesetzt. Die dadurch entstehende Gebäudegefährdung macht die Entfernung der Mühlenstaue unmöglich.
Eine weitere Möglichkeit, den Fluß der Hase zu beschleunigen und vor allem die Schlammablagerungen zu verhindern, wäre die Betonierung des Haseflußbettes innerhalb der Stadt. Aber auch das würde eine Senkung des Wasserspiegels mit sich bringen und demgemäß gleichfalls die Gebäude gefährden. Ganz abgesehen davon, daß so ein betoniertes Flußbett in wasserarmer Zeit landschaftlich sich denkbar unschön ausnimmt.
Oft kann man auch den Einwand hören, früher sei die Hase stets in jedem Jahr entkrautet worden. Man vernachlässige das jetzt und fördere damit die Ablagerung von Schlamm, der bei Erwärmung des Wassers und bei niedrigem Wasserstand zu faulen beginne und Gestank verbreite. Auch hier handelt es sich um einen Irrtum: Man wird in Zukunft bewußt nicht entkrauten, da die Pflanzen bekanntlich Sauerstoff abgeben. Sauerstoff, der dem Hasewasser so sehr fehlt und der nunmehr nachgewiesenermaßen das Fischsterben verursacht. Jedoch ist die Hase im letzten Jahr zweimal gründlich entschlammt worden, um die alten Schlammassen zu entfernen. Es wurde an der Strecke Herrenteichswall und an der Strecke von der Bahn bis zur Neuen Mühle gründlich entschlammt, um insbesondere die Schlammablagerungen vor den Mühlenstauen zu entfernen.

Ein in seiner Größe reizvoller Plan, ein Millionenprojekt, wäre die Überbrückung der Hase auf ihrer ganzen, durch die Stadt fließenden Strecke. Gewiß, alle Haseschwierigkeiten wären mit einem Male behoben und Osnabrück besäße eine große, neue Hauptstraße, die den zentralen Verkehr ideal entlasten müßte und alle Verkehrsprobleme für immer lösen würde. Wenn man jedoch an die unumgängliche Hochwasserabführung denkt, wenn man berücksichtigt, daß dieses Hochwasserprofil unbedingt frei bleiben muß, stellt sich heraus, daß es sich hier um ein Millionenprojekt handelt, dessen finanzielle Lösung naturgemäß unmöglich ist. Es würde ein gigantischer Straßenbrückenbau bzw. Brückenstraßenbau entstehen, der wohl auch dann nicht zu finanzieren wäre, wenn sich unsere Fehlbeträge von 1918 bis 1933 in - Überschüsse verwandeln würden....
Schließlich hat man derzeit schon den Plan in Erwägung gezogen, die Abwässer der Fabrik Schoeller umzuleiten und sie erst unterhalb der Stadt wieder der Hase zuzuführen. Bisher ist auch dieser Plan an den entstehenden Kosten gescheitert. Er ist zurückgestellt, jedoch noch keineswegs aufgegeben worden.

So hat man sich entschlossen, zunächst den alten Hasearm in Schinkel auszuschalten und so zu versuchen, die stagnierenden Wasser zu einem schnelleren Fluß zu bringen. Wie die zahlreichen Gutachten prominenter wissenschaftlicher Stellen und Institute endgültig erwiesen haben, verursacht der große Sauerstoffmangel des Hasewassers sowohl den Gestank wie das Absterben von Fischen. Ein Sauerstoffmangel, der eben auf die immer wieder beobachteten Wasserstauungen und die industriellen Abwässer zurückzuführen ist, die fast völlig sauerstofflos sind. Es war eine irrige Annahme, daß mit den Abwässern Faserstoffe in die Hase gelangten und sich zwischen die Kiemen der Fische setzten, die demzufolge einen traurigen Tod erlitten hätten. Das Fischsterben ist vielmehr auf den so stark gesunkenen Sauerstoffgehalt des Hasewassers zurückzuführen, daß es den Fischen einfach an diesem Lebenselement fehlt.

Man hofft, wie gesagt, daß die Ausschaltung des alten Hasearmes das Wasser so sehr in Fluß bringen wird, daß der Sauerstoffmangel behoben wird. Sollte diese Hoffnung sich nicht zufriedenstellend erfüllen, bliebe wohl nichts anderes übrig, als die Abwässer der Fabrik Schoeller dem städtischen Kanalnetz zuzuleiten, um das sauerstofflose Element der Hase fernzuhalten.
Ein anderes großes Projekt betrifft die biologische Reinigung des Hasewassers in einer Form, die im Rahmen des Vierjahresplanes der Landwirtschaft zugute kommen würde: Die Stadt besitzt in den Klärteichen eine sehr gute, jedoch ausschließlich mechanische Reinigung, jedoch ist auch eine biologische Reinigung notwendig. Das Projekt will nun die mechanisch gereinigten Wasser auf Rieselfelder beiderseits der Hase in die Kreise Tecklenburg und Bersenbrück bringen, um so einen landwirtschaftlichen Nutzen zu erzielen und eine biologische Reinigung vorzunehmen, die den Unterliegern an der Hase zugute kommen würde. Man will so also keine künstliche, sondern eine natürliche biologische Reinigung vornehmen. Es würde sich um die Verwirklichung eines Riesenprojektes handeln, an dem die Stadt zwar mitbeteiligt sein, jedoch keine ausschlaggebende Rolle spielen würde, da dieses Projekt die Abwässerbereinigung innerhalb der Stadt ja nicht berühren würde.
Diese Einzelheiten zeigen der Öffentlichkeit mit aller überzeugenden Deutlichkeit, wie sehr dieses große und vielseitige Problem von der Stadtverwaltung erschöpfend beraten und geklärt wurde. Die Ursachen stehen fest und man kennt nun die Wege, wie man das Problem in eine Lösung wandeln kann. Man wird den alten Hasearm im Schinkel ausschalten und - wenn die Maßnahme zur restlosen Behebung noch nicht ausreicht - zur Umleitung der Abwässer schreiten. Die Stadtverwaltung wird - dessen kann dieÖffentlichkeit versichert sein - nichts unversucht lassen und die Hasekrankheiten einer gründlichen Heilung unterziehen.
Es ist nicht so, daß man " von nichts weiß". Im Gegenteil: Osnabrück hat zwar ein Problem, das Hase heißt, - aber Probleme sind dazu da, gelöst zu werden. Auch solche mit Namen Hase. Worauf man sich verlassen kann.


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