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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Einführung der neuen Magistratratsmitglieder
Artikel:
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Originaltext:
Obgleich die gestrige gemeinschaftliche Sitzung der beidenstädtischen Collegien keine öffwndliche gewesen, ist es uns doch möglich geworden, mit Hülfe einiger von verschiedenen Seiten uns freundlich mitgetheilten Notizen über den im Friedenssaale stattgefundenen feierlichen Act unsern Lesern einen Bericht geben zu können.
Um 12 Uhrwaren Magistrat und Bürgervorsteher versammelt, außer ihnen die im städtischen Dienst stehenden Beamten, und Herr Senator Gosling, als älteste Magistratsperon (nicht als Bevollmächtigter der Landdrostei, wie gesternirrthümlich gesagt worden) den Vorsitz führend, eröffnete die Sitzung in Abwesenheit der Neugewählten, indem er den Zweck der Zusammenkunft andeutete, und alsdann durch den Stadtsecretär die einzuführenden Herren in den Saal einladen ließ. Beim Eintritt derselben erhob sich die Versammlung von ihren Sitzen, und es herrschte von nun an bis ans Ende der Feier eine gehobene Stimmung, eine höchst würdevolle Haltung, ganz angemessen diesem wichtigen und dabei so seltenen Act.
Der Vorsitzende wandte sich zunächst an die beiden Herren, welchen dem Magistrat bereits angehört hatten, und sprach seine Ueberzeugung aus, daß Herr Syndicus Detering, nachdem er vierzehn Jahre das Amt eines ersten rechtskundigen Senators bekleidet, die hierdurch erlangte Kenntnis von Verhältnissen und Personen zum Heil der Stadt und Bürgerschaft in seiner neuen wichtigen Stellung anwenden werde. Er erinnerte an die besondern Pflichten eines Stadtsyndicus, und fragte den Erwählten, ob er dieselben zu übernehmen und gewissenhaft zu erfüllen gesonnen sei, worauf dieser mit Ja antwortete, und alsdann der Vorschrift gemäß beeidigt wurde.
Dem Herrn Kirchrath C. W. Meyer sagte der Vorsitzende, daß nach seiner früheren vieljährigen städtischen Wirksamkeit, zuerst als Altermann, dann von 1846 bis 1855 als Senator, auch jetzt eine segensreiche Thätigkeit von seiner Seite erwartet werden dürfe, worauf der Secretär die Eidesformel verlaß, und die Beeidung erfolgte.
Nun wurde im Namen aller Herr Bürgermeister Miquel begrüßt und Willkommen geheißen, dann aber auch aufmerksam gemacht auf die nach verschiedenen Seiten hin nicht geringe Schwierigkeitenbietende Verwaltung der Stadt, deren Leitung zu führen er berufen sei und übernommen habe, die aber dagegen auch wieder dadurch erleichtert werde, daß die vorliegenden Verhältnisse einer ferneren gedeihlichen Entwickelung günstig seien, und die gegenwärtige Lage der Stadt den schönen Anblick völlig geregelter Ordung darbiete. Das sei ein Zustand, dendie Stadt hauptsächlich der nimmer ermüdeten Thätigkeit des bisherigen Bürgermeisters zu verdanken habe, dessen Lebensaufgabe seit länger als 30 Jahren gewesen, mit seltener Uneigennützigkeit für das Wohl seiner Vaterstadt wie für das Vaterland überhabt als Patriot zu leben und zu wirken. Das Collegium habe das Ausscheiden eines solchen Mannes, bei welchen neben Charakterfestigkeit und Herzensgüte die genaueste Kenntnis der Personen und städtischen Verhältnisse sich vereinigt gefunden, zwar aufs tiefste beklagen müssen, jedoch seinem schon lange ausgesprochenen Wunsche, den Abend seines Lebens einer ruhigen Lieblingsbeschäftigung widmen zu dürfen, nicht entgegen treten können; in dre Geschichte der Stadt Osnabrück werde sein Name stets aufbewahrt bleiben und an hervorragender Stelle glänzen.
Herrn Miquel, so ungefähr fuhr der Vorsitzende fort, sei nun die Aufgabe geworden, in Stüves Amt als dessen Nachfolger einzutreten. " Ich schätze mich glücklich, sprach der Redner, zu der Erwartung berechtigt zu sein, daß Sie bei Ihrer anerkannten Capacität der übernommenen schwierigen Aufgabe ebenfalls gewachsen sein werden, zumal Sie sich derselben in Jahren kräftigsten Mannesalter unterziehen. Und das hat die Wahl auf Sie gelenkt? Es war das rege Interesse, das Sie der städtischen Verwaltung Ihres bisherigen Wohnortes seit einer Reihe von Jahren geschenkt, es war die seltene Theilnahme, die Sie den Landesangelegenheiten mit großer Befähigung gewidmet haben, wovon die Kunde auch in unsrer Mitte drang, und woraus die Veranlassung entsprungen ist, den ersten Bürger unsrer Stadt außerhalb der Ringmauern zu suchen - ein in der Geschichte der Stadt Osnabrück bis dahin noch nicht vorgekommener Fall."
Trotz dieser Abweichung vom hiesigen Herkommen und dem daraus hervorgehenden Umstande, daß der neue Bürgermeiter dem größten Theile der Bürgerschaft bis jetzt noch persönlich fremd sei, glaubte sich doch der Vorsitzende zu der Hoffnung befugt, daß es einem Manne von so bekannten Eifer für das allgemeine Wohl und von so anerkennenswerther Besinnung in nicht ferner Zeit gelingen werde, das Vertrauen der ganzen Bürgerschaft zu gewinnen. Eine schöne Zukunft, da gegenseitiges Vertrauen die erste Bedingung öffendlicher Wirksamkeit sei.
Indem nun der Redner sich an die Versammlung wandte, forderte er sowohl seine Herren Collegen als auch die Herren Bürgervorsteher auf, dem neuen Chef mit ungetheiltem Vertrauen entgegen zu kommen, ihn mit erlangter Erfahrung und Kenntnis der Verhältnisse nach bester Kraft zu unterstützen, und glaubte nicht fehlzugreifen, wenn er names aller dazu die freudigste Bereitwilligkeit ausspreche. Herzlich bewegt beendigte er seine warme Ansprache mit den Worten: " So gebe denn Gott seinen Segen zu den Erwartungen und Hofnungen, mit denen wir diesen Act schließen, und Ihnen, hochverehrter Herr College, gebe Gott Kraft und Gesundheit, lange Jahre zum Wohl unsrer lieben Stadt an der Spitze der Verwaltung zu bleiben:"
Nach geschehener Beeidigung nahm Herr Bürgermeister Miquel das Wort, und verweilte mit großer Vorliebe bei der anerkennenden Würdigung seines Vorgängers, dessen Bedienste um die Stadt nach seiner Ansicht Herr Senator Gosling lange nicht genügend hervorgehoben und gepriesen habe, und dessen hochberühmte Amtstreue und Verwaltungsfreudigkeit er sich stets mit möglichstem Eifer zum Muster nehmen werde. Dazu fühle er in sich den Muth und die Kraft. Was seine politische Parteistellung betreffe, so könne von einer solchen bei der Uebernahme eines Communalamtes, das principiell aller Parteistellung fremd bleinben müsse, überall nicht die Rede sein; er dürfe vielmehr in die Hände seiner Collegen mit ruhigen Gewissen das Gelöbnis niederlegen, daß alle Bürger dieser Stadt, welches Glaubens sie sein, und welcher Partei sie angehören möchten, gleiches Gehör bei seiner Gerechtigkeit finden, gleichen Anspruch auf seine Pflichterfüllung haben sollten. Seine neuen Collegen bat er dann auf das freundlichste, ihn mit Rath und That in seiner Amtsführung unterstützen zu wollen, und eröffnete den Bürgervorstehern die Aussicht, daß es ihnen an gehöriger Arbeit in ihrem Wirkungskreise fortan nicht fehlen solle. Vielleicht in Bezugnahme auf Osnabrück jüngste Vergangenheit fügte er noch hinzu, daß bei Vorkommen verschiedener Ansicht und Intention zwischen Magistrat und Bürgervorsteher-Collegium gegenseitige Nachgiebigkeit ein unerläßliches Erfordernis sei, und führte dann zuletzt sich bei den Officialen des Magistrats durch die ermunternde Versicherung ein, daß es ihn sehr erfreue, aus dem Munde seines Vorgängers die rühmendste Anerkennung ihres bisher bewiesenen Pflichteifers erfahren zu haben, und dadurch in der Hoffnung bestärkt zu sein, daß auch er ihnen dieses schöne Zeugnis künftig nicht werde versagen können.
Mit einer speziellen Vorstellung der einzelnen Officialen schloß dieser in der Geschichte unsrer Stadt sehr denkwürdige Sitzung, von der wir berichten dürfen, daß alle zugegen gewesene Herren, bei denen wir unser Material zu sammeln bemüht gewesen sind, dieselbe mit der größten Befriedigung verlassen zu haben versicherten.
Nach geschehener Einführung versammelte Herr Senator Gosling um sich einen Kreis betheiligter Freunde und Behörden zu einem Dinner, und gestern Abend veranstalteten die Herren Bürgervorsteher eine gemüthliche Versammlung im Hotel Schaumburg, wo auch von Seiten des Schützencorps den neuen Bürgermeister ein Ständchen erfolgte; derselbe wurde dann durch eine Deputation des Corps zu einer Inspection eingeladen, die er freundlichst sogleich vornahm, worauf er auch noch einer Deputation der Turner seine Gewogenheit zusagte. Wir schließen mit dem aufrichtigen Wunsche, daß der gestrige Tag lange Zeit in gesegnetem Andenken bleiben möge.
R. S. Wie wir soeben noch erfahren, präsidir der neue Bürgermeister heute schon der Magistratssitzung, um nach dem Schluß derselben heute Nachmittag 3 Uhr die Stadt auf einige Tage wieder zu verlassen.


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