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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Die Hase, ihre Reinigung, ihre Stauziele
Artikel:
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Originaltext:
Die Hase, ihre Reinigung, ihre Stauziele.
Im Anschluß an einen kürzlich gehaltenen Vortrag über die Osnabrücker Hasemühlen sprach Oberlehrer a. D. Dr. Hoffmeyer am Montagabend im Hotel Dütting in einer Sitzung des Historischen Vereins über das Thema " Die Hase, ihre Reinigung und ihre Stauziele".
Nachdem Dr. Hoffmeyer zur Einführung nochmals in großen Zügen auf den Inhalt des ersten Vortrages eingegangen war, beschäftigte er sich zunächst mit der Hasereinigung. Über die Durchführung dieser Reinigung hat es in früheren Zeiten ein allgemeines Gesetz nicht gegeben. Auf dem Lande regelte sie sich so, daß den Markgenossen auch die Reinigung der Flußläufe zufiel. Für die Reinigung des an der Stadt Osnabrück gelegenen Teils der Hase hatten insbesondere das Domkapitel und der Müller der Pernickelmühle ein Interesse, da sie die Fischereigerechtigkeit in der Hase besaßen. Die Reinigung war nicht gerade eine leichte Arbeit, denn die Anwohner hatten häufig die Untugend, Bauschutt und Unrat einfach der Hase anzuvertrauen. Eine sehr üble Unsitte, die, wie man es in dem trockenen Jahr 1929 bemerken konnte, bis heute noch nicht ganz abgelegt worden ist.
Bei einem gewaltigen Hochwasser im Jahre 1720 suchte sich die Hase ein neues Bett, das von dem alten in der Nähe der heutigen Neuen Mühle abzweigte und, seinen Weg an der jetzigen Hammersenschen Fabrik vorbeinehmend, hinter dem Hause Große Straße 20 (Paal) wieder in das alte Bett mündete. Die Gegend, in der heute etwa der Hauptbahnhof liegt, früher eine große Wiese, war auf diese Weise zum Teil eine Insel geworden. Da durch das alte Hasebett nur noch sehr wenig Wasser floß, verschlammte es mehr und mehr.
Von dem alten Hexenturm, der jetzt noch im Rohlfingschen Garten zu sehen ist, führte hinter den Häusern Große Straße 3 - 25 zwischen den Gärten und der Hase eine Mauer her, von der hier und da noch Bruchstücke zu sehen sind. Auf den außerhalb der Mauer gelegenen schmalen Uferstreifen pflegte man beim Reinigen den Schlamm zum Trocknen aufzustapeln. Der Streifen war Eigentum der Stadt. Je mehr nun die Hase verschlammte, um so mehr Dreck warfen die Anlieger hinein. Im Siebenjährigen Krieg brachen sie sogar eine Tür durch die Mauer und benutzten den Uferstreifen als Garten. Das Domkapitel beschwerte sich darüber, u. a. aus dem Grunde weil der Flußlauf durch die vortretenden Gärten auf die andere Seite abgedrängt würde. Die Bürger antworteten jedoch, daß sie nicht Schuld seien, sondern das Domkapitel selbst, das alten Bauschutt in die Hase habe fahren lassen. 1775 beschwerte sich das Domkapitel wiederum über die Unordnung an der Hase. Da alle Beschwerden an den Magistrat nichts halfen, wandte man sich an die Regierung, die die Kanzlei beauftragte, der Angelegenheit nachzugehen. Unter dem Kanzleirat Dykhoff wurde eine Kommission zusammengestellt, der als Mitglieder Beauftragte des Domkapitels, des Magistrats der Stadt und der Regierung angehörten. Was diese Kommission feststellte, war traurig genug. Der Neue Graben z. B. sah einer Wiese ähnlicher als einem Wassergraben. Von der Kommission wurde dann bestimmt, welche Stellen der Hase ausgeräumt und welche Ufer beschnitten werden sollten. Wer sollte aber die Kosten tragen? Die Vertreter des Domkapitels stellten sich auf den Standpunkt, die Stadt habe für die Reinigung zu sorgen: Stüve, als Vertreter der Stadt, behauptete das Gegenteil, und zwar mit der Begründung, das Domkapitel als Inhaber der Fischereigerechtigkeit müsse auch die Reinigungskosten der Flußläufe übernehmen. Es kam schließlich zu einem Vergleich: auch die vorgesetzte Behörde beteiligte sich an den Ausgaben. In zwei Sommern wurde die Reinigung durchgeführt. Später trat die Kommission nochmals zusammen, um über die Reinigung der Teile der Hase zu bestimmen, die bei der ersten Besichtigung nicht berücksichtigt waren. Die Arbeiten wurden zunächst aber zurückgestellt, da man den Bau der neuen Brücke an der Herrenteichsmühle abwarten wollte.
Um das Hasewasser zu zwingen, seinen Weg wieder durch das jetzt gereinigte Bett der alten Hase zu nehmen, legte man in das Bett der neuen Hase ein Wehr, und zwar so hoch, daß das Wasser nur bei Hochwasser in das neue Hasebett gelangen konnte. Die Folge war natürlich, daß das neue Hasebett schnell verschlammte. Als man eine neue Straße nach dem neuen Bahnhof an der Wittekindstraße anlegte, bei welcher Gelegenheit die jetzige Neumarktsbrücke gebaut wurde, berücksichtigte man das neue Hasebett gar nicht mehr. Es wurde an der Stelle, an der die Straße das Bett überquerte, einfach zugeschüttet. Auch das übrige Stück der neuen Hase verschwand bald, da man es den Anliegern zum Zuschütten überließ.
Der zweite Abschnitt des Vortrages galt den Stauzielen. Als 1615 die Wollweber mit Erlaubnis des Magistrats neben dem " Weibergraben" eine Walkmühle anlegen wollten, protestierte das Domkapitel, weil aus einer Walkmühle leicht eine Kornmühle werden und weil die Pernickelmühle durch das nötige Aufstauen des Wassers leiden könne. Als der Rat den Wüllner gestattete, die Walkmühle am Römeresch (heute Papierfabrik Kämmerer) anzulegen, beschwerte sich das Kloster Rulle über die Anlage einer derartigen Mühle, ebenfalls mit der Begründung, die Haster Mühle könne durch das Stauwasser Schaden tragen. Der Mangel an Stauzielen macht sich bemerkbar.
Selbstverständlich mußten auch den Müllern in der Stadt Stauziele gegeben werden. Der Pächter der Neuen Mühle konnte es allerdings entbehren, da das Wasser hier in der Nähe der Stadt erstmalig eine Mühle berührte, und weiter auch aus dem Grunde, das Wasser durfte nicht zu hoch gestaut werden, weil es sonst die Straßen der Neustadt überschwemmte, und nicht zu niedrig, weil das Wasser vor der Mühle in den Stadtgraben geleitet wurde, was natürlich nur bei einer gewissen Höhe des Wasserspiegels möglich war. Auch die beiden anderen Müller waren insofern schon in der Freiheit zu stauen beschränkt, als bei einem zu hohen Stauen der Herrenteichsmühle das Wasser in die Herrenteichsstraße und bei einem zu hohen Stauen der Pernickelmühle das Wasser in die Mühlenstraße eindrang.
Durch die westfälische Regierung kam 1809 der Auftrag, Stauziele zu messen, was auch geschah, ohne daß es jedoch dazu gekommen zu sein scheint, daß die Ziele auch eingehalten wurden. 1814 beschwert sich ??????? über willkürliche Stauung und beantragt bei der Regierung, die inzwischen wieder hannoversch geworden war, die Stauziele erneut festzusetzen.
1847 erschien in Hannover ein besonderes Gesetz über Wasserläufe. Damit war eine Handhabe gegeben, die Müller zu zwingen, bei Reinigungen oder größeren Reparaturen das Wasser ganz ablaufen zu lassen. Die Durchführung dieser Bestimmung brachte den Magistrat in Schwierigkeiten mit dem Besitzer der Haster Mühle, Westerkamp, aus denen sich langwierige Prozesse entwickelten. Erst 1870 kam es zu einer Einigung zwischen Magistrat und Westerkamp. In dieser Zeit führte eine Besprechung alle Kreise, die an einem Stauziel ein Interesse hatten, auf dem Rathause zusammen, die dann die endgültige Festsetzung der niedrigsten Stauziele bewirkte.
Wie die sich anschließende rege Aussprache bewies, fand der Vortrag eine sehr interessierte Zuhörerschaft. Der überaus lebhafte Beifall dürfte nicht nur den Darlegungen, sondern vor allem auch der Person des Vortragenden gegolten haben, der, obgleichübr die 80 Jahre hinaus, heute noch mit überraschender Rüstigkeit seinen Forschungen lebt, die ihm einen Ehrenplatz in der Reihe der Osnabrücker Geschichtsschreiber sichern. Insbesondere ist Dr. Hoffmeyer weitesten Kreisen u. a. auch durch die von ihm verfaßte " Chronik der Stadt Osnabrück" erschienen im Verlage von Meinders & Elstermann, bekannt geworden.


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