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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Auf und am Westerberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wer einen, etwa aus der Zeit vor 30 - 40 Jahren stammenden " Führer durch Osnabrück" zur Hand nimmt, der findet da über den Westerberg etwa folgende Angaben: " Sein Wahrzeichen bilden die beiden Windmühlentürme, deren einer als Aussichtsturm dient und eine weite malerische Rundsicht gewährt. Der Turm ist im Privatbesitz, doch ist der Besuch gern gestattet. Angrenzend liegt der Biergarten, ein großes Wirtschaftslokal, ebenso der Lustgarten mit schöner Aussicht. Auf dem zwischen beiden liegenden großen Platze pflegt Osnabrück am Sedantage des Jahres ein allgemeines Volks- und Freudenfest zu veranstalten. Das bastionartige Bauwerk, das oben auf dem Berge den Blick auf sich zieht, birgt ein großes überwölbtes Wasserbecken, das mit der städtischen Wasserleitung in Verbindung steht. In mehreren Steinbrüchen sieht man einen gelblichen Muschelkalk brechen; derselbe gibt ein in hiesiger Gegend geschätztes Baumaterial ab. Vom Westerberg aus hat man eine entzückende Aussicht in die Ferne..."
Inzwischen ist nun unser alter schöner Westerberg, auf dessen Höhe bekanntlich früher zum Sedantage auch die Freudenfeuer loderten, vollständig in die Bebauungszone eingerückt, in der sich heute der Fremde, vielleicht auch mancher Einheimische kaum zurechtfinden würde, wenn er sich auf die vorerwähnte überlebte Chronik stützen würde. Der Verfasser hätte vielleicht noch vom Vorhandensein des Stadtkrankenhauses, von den Anfängen der Bergstraße berichten können, an dessen oberen Endstück der Judenkirchhof lag; auch die ersten Ansätze der von der Lotter Straße aufstrebenden Verkehrsadern waren in der Entwicklung begriffen, das alte Gut Muesenburg und die Aktienbierbrauerei hatten auf dem Westerberg ihre Stätte. Sonst aber schweifte der Blick nach Westen hin ins Freie, nur da und dort behindert durch einen bescheidenen älteren Wohnbau, wie etwa die Behausung des hannoverschen Oberstleutnants von Lösecke, die sich ungefähr an der Stelle befand, wo heute unterhalb der Caprivikaserne Bismarck- und Friedrichstraße die indirekte Verbindung mit dem Komponisten-Viertel vermitteln, wie der Volksmund das vom Heimstättenverein geschaffene Gebiet der Richard-Wagner-, Beethoven-, Mozart- und Schubertstraße getauft hat.
Zunächst gestaltete sich auf der Südseite das Wohngebiet um den Straßburger Platz, das mit seinen Straßennamen zugleich die Erinnerung an die große Zeit von 1870/ 71 wachhält; alles andere aber: die im Jahre 1893 entstanden reformierte Kirche, die Schaffung der Lürmannstraße, die Durchführung der oberen Bergstraße durch das frühere Lustgartengebiet bis zur Gutenbergstraße (sonst " Grüner Weg" benannt), der Bau der Caprivi- und Artillerie-Kaserne, des neuen Mustergutes Muesenburg, der Hebammen-Lehranstalt, die Umwandlung des alten Lienesch Weges in einen modernen, mit geschmackvollen Villen besetzten Straßenzug, das schon erwähnte, aus reizenden Familienhäusern gebildete westliche Heimstättengebiet usw. sind Errungenschaften der neueren und neuesten Zeit, die das Wohngebiet weit hinaus und damit zugleich das schöne Heger Holz viel näher wie vor Jahren an die Stadt herangerückt haben. Die Verlängerung des Edinghäuser Weges, seine Besetzung mit Bäumchen und Bänken trägt dieser Entwicklung in erfreulicher Weise Rechnung.
Auf der anderen Bergseite, oberhalb der Natruper Straße, aber scheint der im Ausbau begriffene Korsikakamp die erste Etappe eines neuen Wohngebietes zu sein, das sich vielleicht schon binnen wenigen Jahren bis zur Höhe hinaufzieht.
Wie lange noch wirds dauern, und der ganze Höhenzug des Westerberges stellt ein einziges geschlossenes Wohngebiet dar, in dem sich vielleicht die Landflächen der Muesenburg und die Gärtnereien auf der Nordseite als " Lungen" kennzeichnen. Damit aber rückt nicht nur das Heger Holz, sondern auch der Vorort Eversburg immer näher an den eigentlichen Stadtkern heran, und die neue freundliche Gagsah-Siedelung zwischen Westerberg und Natruper Straße scheint ein nicht unwichtiger Faktor auf diesem Wege zu sein. Das alles mag manchen Stellen erklingen wie Zukunftsmusik. Uns will es indeß bedünken, als ob die Entwicklung, wie sie hier skizziert wurde, im vollen Zuge wäre. Mag sich dann da oben, wo heute " Max und Moritz" von der Höhe des Westerberges herabgrüßen, ein Sinnbild für das wiedererstandene neue Deutschland erheben!


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