User Online: 3 | Timeout: 09:51Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gegen Haseverschmutzung und Hasegestank
Zwischenüberschrift:
Gretescher Abwässer sind Hauptursache der Mißstände - Die Schwierigkeiten der Beseitigung
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Gegen Haseverschmutzung und Hasegestank
Gretescher Abwässer sind Hauptursache der Mißstände - Die Schwierigkeiten der Beseitigung
Die Vorlage des Stadtbaurats Senator Lehmann in den städtischen Kollegien.

Im Sommer und im Herbst 1929 hatte die Einwohnerschaft Osnabrücks im bebauten Stadtgebiet sehr stark zu leiden unter Verschmutzungserscheinungen des Haseflusses. Diese Verschmutzungen hatten zwar keinen gesundheitlichen Schaden zur Folge: sie führten aber zeitweise zu sehr starken Geruchsbelästigungen und haben den Aufenthalt in der Nähe des Flußlaufes und in den benachbarten Häusern zeitweilig unerträglich gemacht.
Die Stadt ist seit jener Zeit bemüht gewesen, den Ursachen dieser Erscheinungen nachzugehen, und soweit sie dazu in der Lage war und ihre Machtmittel ausreichen, diese Ursachen energisch zu bekämpfen, um nach Möglichkeit einer Wiederholung der unliebsamen Vorgänge vorzubeugen.
Diese Geruchsbelästigungen sind hervorgerufen durch Verunreinigungen des Haseflußlaufes, die in Fäulnis übergegangen waren; sie wurden gesteigert durch die abnorm geringe Wasserführung der Hase, die ihren Grund hatte in den außerordentlichen meteorologischen Verhältnissen. Unsere für den Dienst der Kanalisation betriebene meteorologische Beobachtungsstelle wies im Jahre 1929 eine Regenhöhe auf von nur 485, 4 Millimeter, eine bislang nicht beobachtete niedrige Zahl, die in den Jahren 1922 bis 1928 zwischen 678, 5 und 840, 8 Millimeter schwankte. Der normale Sommer-Mittel-Abfluß der Hase ist etwa 1, 5 Kubikmeter-Sek., 1929 war er auf 200 Liter-Sek. herabgegangen. Es hatten im Winter 1928/ 29 auch Winterhochwässer, die besonders wichtig für die Durchspülung des Flußlaufes sind, gefehlt. Die geringe Wassermenge der Hase war nicht in der Lage, weder die dem Fluß zugeführten und in Fäulnis übergegangenen Schmutzstoffe biologisch abzubauen, noch dieselben in genügendem Umfange abzuschwämmen.
Die Verunreinigung des Haseflußlaufes mit seinen üblen Folgeerscheinungen ist in der Hauptsache durch die Einleitung von Abwässern bedingt. Von gewisser Bedeutung für den Reinigungszustand des Flusses und besonders für das Auge beleidigend muß auch das Hineinwerfen von Unrat aller Art, häuslicher Abfälle, Papier, Tierkadavern und dergleichen bezeichnet werden, eine dauernd zu beobachtende Unsitte, der bislang nur mit verhältnismäßig geringem Erfolg entgegengetreten werden konnte. Nach wie vor ist die Polizei bemüht, dieser Unsitte energisch entgegenzutreten. Bei den Abwässern muß man unterscheiden zwischen häuslichen Abwässern und gewerblichen Abwässern der Industrie.
Was die Einleitung häuslicher Abwässer in die Hase im inneren Stadtgebiet anbetrifft, so muß darauf hingewiesen werden, daß das von der Hase durchflossene Stadtgebiet bis zum Teil weit über den bewohnten Teil hinaus mit einer systematischen, auf wissenschaftlichen und Erfahrungsgrundsätzen aufgebauten Kanalisation versehen ist. Auch der vor 16 Jahren eingemeindete Stadtteil Schinkel, der früher seine sämtlichen Schmutzwässer direkt in die Hase führte, ist in den letzten Jahren unter Aufwendung ganz erheblicher Kosten an diese systematische Kanalisation angeschlossen worden.
Die der Kanalisation zugeführten Abwässer werden dem unterhalb der Stadt gelegenen Pumpwerk zugeführt und münden dort nach Reinigung mittels einer Siebtrommel, die alle Schmutzstoffe über 2 Millimeter Größe absiebt, in die Hase.
Innerhalb des bebauten Stadtgebietes führen nur Regenwassersammler, d. h. Kanäle, die nur der Ableitung von Niederschlagswässern dienen, in die Hase. Im Sommer 1929 mit seiner großen, lang anhaltenden Trockenheit führten diese Regenwassersammler naturgemäß überhaupt kein Wasser; sie können also für die Verschmutzung der Hase überhaupt nicht verantwortlich gemacht werden.
Das gleiche gilt von den Mischwasser-Notauslässen unterhalb der Pernickelmühle, an der Hasetorbrücke und an der Kaiserwallbrücke, die ebenfalls als legale Bestandteile der Kanalisation so durchgebildet sind, daß sie erst dann in Tätigkeit treten können, wenn eine mindestens fünffache Verdünnung der bei Trockenwetter zum Abfluß kommenden Abwässermenge durch Regenwasser eingetreten ist. Der Notauslaß am Pernickelturm tritt sogar erst bei einer achtfachen Verdünnung in Tätigkeit. Bei Trockenwetter kann überhaupt kein häusliches Abwasser innerhalb des bewohnten Stadtteiles in den Hasefluß gelangen. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß innerhalb des der Geruchsbelästigung besonders ausgesetzt gewesenen Stadtgebietes zwischen Schinkel und der Pernickelmühle nur Regenwassersammler - die lediglich Regenwasser führen dürfen und können - in den Fluß führen und unterhalb der Pernickelmühle 3 Notauslässe liegen, die nur erst bei starkem anhaltenden Regen in Tätigkeit treten, so muß daraus gefolgert werden, daß häusliche Abwässer die Ursache der Verschmutzung der Hase nicht gewesen sein können. Soweit im letzten Sommer noch Verschmutzungsquellen in dem unmittelbaren Anschluß von Küchenwässern einiger weniger Häuser an den Hasefluß bestanden, sind diese belanglos und in ihrer Ausführung so geringfügig gewesen, daß die Selbstreinigungskraft der Hase auch bei der geringen Wasserführung ohne Schwierigkeiten zum biologischen Abbau dieser Stoffe genügt hätte. Inzwischen sind aber Maßnahmen getroffen, auch diese an sich belanglosen Verschmutzungsquellen zu beseitigen. So wird augenblicklich durch die Verlängerung der Vorflutkanäle in der Mindener Straße die Vorbedingung für den Anschluß der Siedlung des Stahlwerks am Schützenhof geschaffen, die ihre Küchenabwässer noch in die Hase führt. In der Ausführung begriffen sind auch die Maßnahmen für den Anschluß der wenigen Häuser auf der sogenanten Herrenteichsinsel an die Kanalisation. In Zukunft wird jedenfalls die Verschmutzung des Haseflußlaufes im bebauten Stadtgebiet durch häusliche Abwässer auf ein solches Maß beschränkt sein, wie dies bei Flüssen, die durch dicht bebaute Stadtteile führen, überhaupt möglich ist. Nun zur Einwirkung der industriellen Abwässer auf die Verunreinigung der Hase. Die im Stadtgebiet liegenden industriellen Werke sind durchweg an die städtische Kanalisation ordnungsmäßig angeschlossen, so daß gewerbliche Abwässer im inneren Stadtgebiet der Hase nicht zugeführt werden. Lediglich vom Stahlwerk werden noch Kondenswasser unmittelbar in die Hase eingeleitet. Diese Wässer sind jedoch rein und unschädlich und nur teilweise ölhaltig. Durch besondere technische Maßnahmen auf dem Stahlwerk, die im Laufe der letzten Zeit verbessert worden sind, ist Vorsorge getroffen, das Öl nach Möglichkeit zurückzuhalten. Zum Teil werden die ölhaltigen Kondenswässer direkt dem Schmutzwasserkanal des Werkes zugeleitet, der an die städtische Kanalisation angeschlossen ist. Die restlose Zurückhaltung des Öls ist praktisch nicht möglich (Warum nicht? Die Begründung der Behauptung würde unbedingt interessieren. Red.), so daß die Wasseroberfläche der Hase auch in Zukunft zeitweilig Öl in fein verteilten Mengen zeigen wird. Diese Verunreinigung ist jedoch nur für das Auge störend, sie ruft Fäulniserscheinungen nicht hervor. Einzelne Betriebe des Stahlwerks sind in letzter Zeit stillgelegt, so daß der vorbezeichnete Einfluß durch Einleitung von Kondenswasser schon aus diesem Grunde von geringerer Bedeutung ist. Im übrigen ist beobachtet worden, daß während der heißen Zeit auch die Gärungsgase des Schlammes häufig ölartige Flecken an der Oberfläche ausbreiten.
Während demnach im Stadtgebiet selbst industrielle Abwässer der Hase nicht zufließen, werden andererseits oberhalb der Stadt in großem Umfange die Abwässer der Papierfabrik in Gretesch durch den Belmer Mühlenbach in die Hase eingeleitet. Nach unserer Auffassung sind durch diese Abwässer in der Hauptsache die Verunreinigungen der Hase und die mißlichen Verhältnisse des letzten Sommers hervorgerufen worden. Die Menge des täglich eingeleiteten Fabrikwassers übertrifft den gesamten Tageswasserverbrauch der ganzen Stadt um etwa 50 Prozent. Der Belmer Mühlbach führte in der kritischen Zeit des Vorjahres manchmal Wassermengen, die nur wenig unter der Wasserführung der Hase lagen.
Für die Klärung dieser Papierabwässer sind in letzter Zeit Verbesserungen getroffen worden, die noch nicht abgeschlossen sind. Es bleibt abzuwarten, welche Einwirkungen auf den Reinlichkeitszustand der Hase diese Verbesserungen bedeuten. Allerdings wird von fachmännischer Seite betont, daß es bei derartigen Papierabwässern zwar gelingt, bis zu einem gewissen Grade die ungelösten Stoffe zurückzuhalten, daß aber die Ausscheidung der gelösten organischen Stoffe in wirkungsvoller Weise kaum durchzuführen ist, wenn nicht besondere Maßnahmen (Was für besondere Maßnahmen? Was kosten sie? Warum scheint man mit diesen " besonderen Maßnahmen" bei dem Sonderfall der ekelhaften Haseverschmutzung von vornherein gar nicht zu rechnen? Red.) in Anwendung kommen. Besondere Einrichtungen zum biologischen Abbau der gelösten organischen Stoffe bestehen nicht, und es muß deshalb angenommen werden, daß große Mengen ungelöster Stoffe aus dem Abwasser der Papierfabrik in die Hase gelangen. Da die Selbstreinigungskraft des Flusses diese große Menge biologisch nicht abbauen kann, werden diese ungelösten Stoffe in der Hauptsache als die Ursache der Fäulniserscheinungen anzunehmen sein.
Häufig ist eine Entschlammung des Flußlaufes angeregt worden; eine solche Maßnahme, die nicht nur ganz erhebliche Kosten, sondern außerdem auch noch zu starken Belästigungen der Einwohnerschaft führen würde, ist nicht von besonderer Bedeutung, weil dadurch nicht die Quelle der Verschmutzung beseitigt wird und sich der Vorgang des Absetzens der ungelösten Stoffe dauernd wiederholt. Im übrigen ist der hauptsächlich oberhalb der Wehre abgesetzte Schlamm bis auf die obere Schicht ausgefault und daher steril und nicht schädlich. Die gelösten organischen Stoffe verbrauchen für ihren biologischen Abbau im Flußwasser erhebliche Mengen Sauerstoff, so daß der Sauerstoffverbrauch so stark ist, daß bei geringerer Wasserführung der Hase auch das Flußwasser selbst in Fäulnis gerät.
Bei den Verhandlungen mit der Regierung im Sommer 1929 über den Zustand der Hase hat die Stadt zwar den Standpunkt vertreten, daß die Haseverunreinigung im wesentlichen ihre Ursache in der Einleitung der Papierabwässer hat. Sie hat daneben aber auch ihrerseits alles getan, um die Katastrophe nach Möglichkeit einzudämmen. Radikale Hilfsmittel waren nach Lage der Verhältnisse nicht möglich. Die Stadt hat unter Aufwendung ganz erheblicher Geldmittel einmal die noch ausstehenden restlichen Kanalisationsarbeiten mit größter Beschleunigung durchgeführt, die nunmehr als in der Hauptsache erledigt angesehen werden können (Mindener Straße, Herrenteichsinsel), Durch polizeiliche Streifen und dauernde Beobachtung des Flußlaufes wurde nach Möglichkeit Verunreinigungen durch unbefugtes Hineinwerfen von Unrat verhindert. Das Stauziel der Pernickelmühle gestattet zwischen dem höchsten und niedrigsten Wasserstand einen Höhenunterschied von 36 Zentimeter für die Wasserkraft auszunutzen. Bei Einhaltung des niedrigsten Stauzieles sind die Ufer der Hase oberhalb des Staues der Pernickelmühle nur zum Teil mit Wasser bedeckt, was besonders in der kritischen Zeit eine Vermehrung der Geruchsbelästigung und der Fliegenplage zur Folge hatte. Deshalb war Anordnung getroffen, das Stauziel an der Pernickelmühle so einzuhalten, daß zwischen der Pernickel- und Neuen Mühle ein genügend hoher Wasserstand zur Bedeckung der Ufer erzielt wurde, soweit das bei der anhaltenden Trockenheit und dem mangelnden Wasserzufluß der Hase möglich war. Diese Maßnahme hat sicher gewisse Erleichterungen gebracht. Die zwischen der Pernickelmühle und dem Kaiserwall entstandenen Sandbänke, welche meist vom Wasser unbedeckt waren und Veranlassung zur Geruchsbelästigung boten, wurden beseitigt, so daß das Flußbett dieser Strecke, die an einem besonders starken Verkehrspunkt der Stadt liegt, ganz vom Wasser bedeckt wurde.
  Zur Beurteilung der hiesigen Verhältnisse sind auch anerkannt Fachleute auf dem Gebiet der Abwasserbeseitigung gehört worden. Es haben mehrfach in Essen Verhandlungen stattgefunden mit dem Direktor der Emscher Genossenschaft, Dr. Ing. Helbing und dem Geschäftsführer des Ruhrverbandes, Dr. Ing. Imhoff. Letzterer, der die Osnabrücker Verhältnisse aus einer Begutachtung des Projektes der Kläranlage näher kennt, ist hier persönlich anwesend gewesen und hat seine Wahrnehmungen in einem Schriftsatz vom 20. Dezember 1929 niedergelegt. Dieser Schriftsatz bestätigt unsere Auffassung über die Ursache der Haseverunreinigung, wie sie hier dargelegt sind. Der Magistrat hat diesen Standpunkt in mehrfachen Berichten auch dem Herrn Regierungspräsidenten gegenüber dargelegt und seinen Darlegungen die Äußerung des Dr. Ing. Imhoff beigefügt mit der Bitte, zunächst im Verhandlungswege mit der Papierfabrik Gretesch diese zu weiteren Maßnahmen zwecks Reinhaltung des Haseflusses von den Abwässern der Papierfabrik zu veranlassen. Dieser Weg mußte eingeschlagen werden, da es dem Magistrat nicht möglich ist, unmittelbar auf das Werk, da außerhalb des Stadtgebietes liegt, einzuwirken. Die Stadt hat sodann die Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene in Berlin-Dahlem ersucht, ein Gutachten über die Ursachen der Verschmutzung des Haseflusses abzugeben.
Inzwischen ist die Angelegenheit von seiten des Herrn Regierungspräsidenten ebenfalls gefördert worden mit der Absicht, über die etwa erforderlichen Maßnahmen in gemeinsamer Beratung mit den Beteiligten sich schlüssig zu werden. Es soll deshalb das von der Landesanstalt angeforderte Gutachten, welches als Grundlage für die weitere Beurteilung dienen wird, gemeinsam für die Stadt und die Beteiligten abgegeben werden. Vertreter der Landesanstalt haben am 20 d. M. eine örtliche Besichtigung vorgenommen, so daß demnächst das Gutachten zu erwarten steht.
Obwohl der Hasefluß zur Zeit Erscheinungen bedenklicher Art wie im letzten Sommer noch nicht zeigt (So bedenklich wie im Vorjahre sind sie tatsächlich nicht, noch nicht wie das Stadtbauamt selbst sagt. Aber bedenklich genug sind sie auch in diesem Jahre schon mehrfach gewesen. Red.) muß man dennoch für den Fall einer Verschlechterung des jetzigen Zustandes gerüstet sein. Es ist deshalb stadtseitig überlegt, welche Mittel bei evtl. Auftreten von vorjährigen Erscheinungen sofort Platz greifen können.
Wegen der in der Öffentlichkeit mehrfach angeregten Entschlammung der Hase wird auf das darüber bereits Gesagte verwiesen. Sie würde nicht das Richtige treffen.
Eine Reinigung der Abwässer der Papierfabrik Gretesch auf biologischem Wege vor ihrer jetzigen Einleitung in die Hase wird von Dr. Imhoff praktisch unmöglich gehalten. Durchführbar wird das biologische Verfahren, welches für die endgültige Reinigung allein in Frage kommen kann, erst dann, wenn das Papierwasser mit städtischem Abwasser gemischt und dann gemeinsam behandelt werden kann. Diese Voraussetzung ist an der jetzigen Einmündungsstelle nicht gegeben.
Einen Ausbau der Hase durch Beseitigung der Mühlenstaue und Fassung des Flußlaufes in ein schmales befestigtes Bett mit entsprechender Durchflußgeschwindigkeit würde die Mißstände im bebauten Stadtgebiet zweifellos beseitigen. Dieser Vorschlag kann aber nicht in Frage kommen, weil dann die Pfahlgründungen von Gebäuden und Brücken gefährdet werden, weil ferner das Stadtbild an vielen Stellen darunter leiden würde, und weil die Kosten unerschwinglich hoch sind.

Die Fäulniserscheinungen im Flußwasser können unter Umständen durch Zuführung von Chlorgas sofort zum Stillstand gebracht werden. Dabei handelt es sich jedoch nur um ein unvollkommenes Verfahren, das in einem solchen Umfange bislang wohl noch nicht erprobt ist, daß nach Verflüchtigung des Chlors sofort wieder unwirksam wird, und dessen Versuch sich höchstens in verzweifelten Notfällen rechtfertigen ließe. Die Kosten dieses Verfahrens würden betragen einmalig 5000 M., dazu tägliche Betriebskosten mindestens 200 M.
Da in allerkürzester Zeit mit wirksamen Maßnahmen nicht gerechnet werden kann, zumal zu diesem Zweck vorerst das Gutachten der Landesanstalt abgewartet werden muß, sind folgende Maßnahmen zur Behebung etwa auftretender Mißstände durchgeführt bzw. vorbereitet:
Die auf der Oberfläche der Hase schwimmenden öligen und sonstigen Schwimmstoffe werden regelmäßig abgezogen mittels Schwimmbalken, welche eingebaut sind an der Oststraße im alten Hasearm, an der Bruchstraßenbrücke und vor der Pernickelmühle. Diese Dammbalken sind ständig unter Wartung gestellt. Es ist dadurch schon eine nicht unerhebliche Verbesserung des Aussehens der Wasseroberfläche erreicht worden.
Mit den beiden Mühlenpächtern sind Vereinbarungen getroffen worden, die uns die Möglichkeit geben, auf jederzeitiges Verlangen den Wasserspiegel oberhalb des Staues dauernd auf dem höchsten Stauziel zu halten und zum Antrieb der Turbine nur das darüber hinaus anfallende Wasser zu verwenden. Als Ersatz der hierdurch ausfallenden Turbinenkraft muß in der Pernickelmühle ein Elektromotor eingebaut werden, auch sind die Kosten des elektrischen Kraftstromes für eine täglich 10stündige Arbeitszeit auf die Stadt zu übernehmen. Zur Kontrolle des Wasserstandes soll ein Kontrollapparat eingebaut werden, welcher einen Mißbrauch sofort anzeigt.
In erster Linie wird diese Vereinbarung die größere Wirksamkeit als die Maßnahme des Vorjahres haben wird, auf die Pernickelmühle angewandt werden.
Die Haseufer stehen unter stetiger Kontrolle nicht nur der Polizeiorgane, sondern auch sachverständiger Techniker, so daß sofortiges Eingreifen bei entdeckten mißbräuchlichen Verunreinigungen möglich ist. Auch unserer Einwohnerschaft bitten wir auf das dringendste, uns in diesem Kampf gegen die Unsitte des Hineinwerfens von Unrat in die Hase zu unterstützen.
Nach Fertigstellung der Entwässerungskanäle in der Mindener Straße und am Herrenteichstor sollen die wenigen Hausanschlüsse, welche noch in die Hase führen, im Laufe des Monats Juli an die Schmutzwasserleitung angeschlossen werden.
Über die endgültige Lösung der Frage werden wir uns, wie bereits dargelegt wurde, schlüssig zu machen haben im Benehmen mit der Regierung, dem Landkreis und den sonst in Frage kommenden Stellen, sobald das Gutachten der Landesanstalt vorliegt.
Bekanntlich haben die städt. Kollegien vor längerer Zeit den weiteren Ausbau der Kläranlage unterhalb der Papiermühle beschlossen und hierfür die nicht unerheblichen Geldmittel für den ersten Ausbau zur Verfügung gestellt. Die Angelegenheit wird zur Zeit bei den Aufsichtsbehörden bearbeitet: die Genehmigung ist, nachdem die Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene das Projekt günstig begutachtet hat, in der nächsten Zeit zu erwarten.
Es muß aber schon jetzt betont werden, daß solange die Stadtverwaltung nicht die Gewißheit hat, daß die Einwohnerschaft von den Übelständen des letzten Sommers durch restlose Beseitigung der Verschmutzungsquellen bewahrt wird, sie es nicht wird beantworten können, den weiteren Ausbau der Kläranlage und die Verausgabung hoher Geldmittel für diesen Zweck durchzuführen.
Die Vereinbarung mit den Mühlenpächtern bedingt einen Betrag von 2700 M. für die Beschaffung eines Motors und die Übernahme von Stromkosten für die Motoren der beiden Mühlen, welche sich im Höchstfalle stellen werden bei der Pernickelmühle auf 550 M. bei der Neuen Mühle auf 350 M. zusammen 900 M. je Monat. Man wird in diesem Jahre mit einem Aufwand der Stromkosten für 2 - 3 Monate rechnen können. Die Beträge sollen aus laufenden Mittel gedeckt und dem Verfügungsstock entnommen werden.


Anfang der Liste Ende der Liste