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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Der Bocksturm zu Osnabrück Teil 4
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der merkwürdigste Bewohner dieses alten Gebäudes ist unstreitig Graf Johann von Hoha gewesen, von welchem der " Johanneskasten" seinen Namen führt, und bei welchen wir etwas länger verweilen müssen; er ist derselbe Gefangende, von welchen Erdwin Erdmann sagt, daß er im Kasten nicht habe gehen und stehen können, und daher zum fortwährenden Liegen gezwungen worden sei. Was wir von dieser Behauptung halten, ist schon angedeutet; wir können darin nur eine mittelalterliche Uebertreibung finden, welche sich sogar zu der jetzt fast verklungenen Volkssage steigerte, der Graf habe nach seiner endlichen Befreiung das Gehen erst wieder an einem Stocke erlernen müssen, wie ein von schwerer Krankheit genesener Mann.
Indem wir uns vorbehalten, über diesen interessanten Grafen später eine umfassendere Geschichte mitzutheielen, wollen wir uns hier auf die Erzählung beschränken, durch welchen Anlaß ein für die damaligen Zeiten so gewaltiger Herr in unsern Turm geraten konnte. Es war eben das Zeitalter der Feden, und unser Stift wurde einmal über das andere in dieselben verwickelt. So hatten denn auch die Städte Herford und Lemgo im Bunde mit einem Grafen von der Lippe sowohl dem Bischof von Osnabrück Johann von Diepholz, der von 1424 bis 1437 regierte, als auch den beiden Kapiteln am Dom und zu St. Johann eine Fede angesagt, welche im J. 1428 oder 29 (genauer läßt sich das Jahr nicht angeben) mit großer Tapferkeit ausgefochten wurde. In dem Zuge wider Herford, um den dortigen Bürgern die Kühe zu nehmen, war auch Johann von Varendorf, Sprößling eines angesehenen adligen Geschlechts in Osnabrück, Probst zu St. Johann und zugleich Domsenior, dre aber das Unglück hatte, nebst 60 Genossen im harten Kampf gefangen genommen zu werden, und sich mit schwerer Geldsumme loslaufen zu müssen. Er behauptete später, daß dieses Lößegeld 600 rheinische Goldgulden betragen, und der Bischof Johann ihm eine Entschädigung dafür verheißen habe. Allein der Bischof starb, ohne dieses Versprechen zu erfüllen, kaum 40 Jahre alt, und es ging ein dunkles, obwohl durch nichts erwiedenes Gerücht, daß er mit einem Becher Grüsing (Bier), den ihm Metke von Schagen, eines Bierbrauers Frau überreicht habe, vergiftet worden sei. Am Dom war aber damals ein sehr hochmüthiger und daher vielfältig angefeindeter Domdechand Hugo von chagen, welcher mit Metke von Schagen in entferntem Verwandschaftverhältnisse stand, und aus Parteihaß angeschuldigt wurde, bei der angeblichen Vergiftung betheiligt gewesen zu sein. Es kam indessen nicht zu einer Anklage und Untersuchung.
Nun mußte ein neuer Bischof gewählt werden, und es bewarb sich um den erledigten Stuhl Graf Erich von Hoha, der schon Domprobst zu Köln, dessen einer Bruder, ALbert Bischof in Minden und der andere, Johann, regierender Herr von Hoha war. Erich wurde gewählt, jedoch nicht ohne Opfer; namentlich hatte er die Stimme seines hauptgegners, des mächtigen und unbeugsamen Seniors Johann von Varendorf, mit weltlichen Gütern erkaufen müssen, was bekanntlich in der katholischen Kirche als eins der schwersten Verbrechen verboten ist Er hatte dem Senior die Neuemühle für 1225 Gulden überlassen, ingleichen die HAseteichmühle und den Hof zu Malbergen, wollte die erwähnten 600 Gulden Lösegeld erstatten und ihm sogar eine jährliche Rente sichern. Aehnliche Vortheile waren andern Mitgliedern des Kapitels zugesagt und auch dem Magistrat der Stadt gewisse Versprechungen gegeben. Allein der Papst verwarf alle diese Verträge, und befahl aufs strengste, die schon erlangten Güter alsbald an das Stift zurückzugeben. Da gehorchten die meisten Domherren, aber der Senior nicht.
Zu gleicher Zeit strafte der Domdechant von Schagen einige Geistliche, die seine Gegner und Varendorfs Freunde waren, wegen verletzter Kirchenzucht; der Senior, hierüber erboßt, beschultigte den Dechanten, Kirchengüter verschleudert zu haben, erklärte sich mit seinen Freunden als Kapitel, und verhängte in dessen Namen über chagen und dessen Anhang die Ercommunication.
Ganz Deutschland und die Christenheit waren damals in Verwirrung. Kaiser Sigismund aus dem luremburger Hause war nach üppiger Regierung gestorben; Kaiser Albrecht II., auf welchen das Reich die schönsten Hoffnungen baute, regierte nur Ein Jahr (1438 bis 1439), und dann folgte Friedrich III., der leider 53 Jahr Kaiser geheißen hat. In der Kirche waren so große Unordnungen eingerissen, daß Concilien nothwendig wurden, erst das von Konstanz (1414 bis 18), dann das von Basel (1431 bis 40). An letzteres wandten sich die ercommunicierten Mitglieder des osnabrücker Domcopitals, und begehrten Schutz wider Varendorf, gegen dessen Willen die Kirche zu betretten sie eine Zeitlang nicht hatten wagen mögen.
Noch war keine Entscheidung erfolgt, da kam der Aschermittwoch 1440 ein Tag, an welchem jeder in der Stadt befindliche Geistliche auf dem Thore zu erscheinen verpflichtet war. Bischof Erich, zu dessen Partei der Dechant gehörte, befahl diesem und den übrigen Ercommunicierten, im Vertrauen auf die Berufung an das Concil getrost im Dome zu erscheinen, und das geschah auch. Aber kaum hatten die Herren Platz genommen; so fiel der Senior samt seiinen Freunden und ihren aufgesetzten und gedungenen Knechten über die Ercommunicierten her. Da floß Blut im Dome. Der Dechant lag mit Wunden bedeckt am Boden, drei Domherren wurden mit Stricken gebunden, die übrigen entflohen durch Fenster und Kapellen.
Solcher Frevel mußte strengsten bestraft wqerden: der Erzbischof von Köln belegte den blutbefleckten Dom mit dem Interdict; allein Bischof Erich, obwohl einem mächtigen Hause entsprossen, war nicht im Besitz der Gewalt, die Uebelthäter strafen zu können, wie sie verdienten. Vergebens ward der Senior mit seinem Anhang vorgeladen, in Iburg vor dem Bischof zu erscheinen; er betritt des Biscohs Gerichtsbarkeit und weigerte sich, der Ladung zu folgen. Da sollte der Rath der Stadt Osbarück ins Mittel treten, und die Geistlichen strafen mit weltlichem Arm; daß verlangte Bischof Erich in einem Schreiben vom ersten Sonnabend in den Fasten 1440. Allein der Rath rührte sich nicht. Bischof Albert von Minden und Graf Johann von Hoha waren gefährliche Nachbarn: aber der Rath rührte sich nicht. Da begannen die feldflüchtigen Domherren, die Freunde des Dechanten und Gegner des Seniors, welche unter des Bischofs Schutze zu Iburg weilten, auf den Senior und dessen Freunde zu seden, thaten aber auch vielen bei dem Streit ganz unbetheiligen Bürgern einen beträchtlichen Schaden. Da wollte der Rath vermitteln. Zuspät! Bischof Erich war ein willenloses Werkzeug in der Hand seines unruhigen Bruders Johann geworden.
Dazu kamen verschiedene andere Streitigkeiten, namentlich um Besetzung der erledigten Domprobstei, und der Bischof selbst vergaß, sich soweit, daß er gegen die in Osnabrück residirenden Domherren Fede ansagte, und ihnen das Vieh von der Weide rauben ließ. Eben so wenig wurden die Bürger der Stadt verschont, und es erhub sich deshalb eine allgemeine Klage. In solcher Noth ließ das Domcapitel, vom Senior Varendorf getrieben, den Bischof wegen verübter Gewaltthätigkeit vor sich fordern, um sich zu verantwoten. Er kam auf sicheres Geleit auch wirklich von Jburg in die Stadt, erschien aber nicht vor dem Domcopiten, sondern verließ Osnabrück heimlich, ist auch niemals wieder hierher gekommen. Von diesem unglücklichen Tage an wüthete der Krieg zwischen Osnabrück und den drei Brüdern aus Hoha, deren schlimmster und gefährlicher Graf Johann war.


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