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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Schlafende Parkuhren kosten 522 000 Euro
 
Mützen ab - ja oder nein?
 
Halbe Gebühren
 
Hürden abgebaut
Zwischenüberschrift:
Bilanz nach dem ersten Jahr freies Parken an den Straßen - Kann sich Osnabrück das erlauben?
 
Frauenbündnis für Kompromiss
 
Das sagt der Einzelhandel
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Schlafende Parkuhren kosten 522 000 Euro

Bilanz nach dem ersten Jahr freies Parken an den Straßen - Kann sich Osnabrück das erlauben?

Von Wilfried Hinrichs

Unterm Strich sind es 522 000 Euro oder 1, 02 Millionen Mark. Das ist die Summe, auf die die Stadt durch die Stilllegung der Parkuhren im vergangenen Jahr verzichtet hat.

Die Osnabrücker Parkstättengesellschaft (OPG) zog gestern auf Bitten der Neuen OZ Bilanz nach dem ersten Jahr ohne Parkuhren. 797 000 Euro (1, 55 Millionen Mark) hatte die OPG mit den Parkuhren im Jahr 2001 kassiert und an die Stadt weitergegeben. Die Einnahmen aus den Parkautomaten an den Straßen sanken im vergangenen Jahr auf 215 000 Euro. Berücksichtigt werden müssen etwa 60 000 Euro, die die OPG sparte, weil die Parkuhren nicht gewartet werden mussten. Macht netto einen Einnahmeverlustvon 522 000 Euro. Das ist etwas mehr, als die Finanzexperten vorausberechnet hatten. Die waren von einem Verlust von rund 500 000 Euro ausgegangen. Die Einnahmen stammen aus den Parkautomaten, die an der Großen Domsfreiheit, Stresemannplatz und an der Johanniskirche weiterhin in Betrieb sind.

Meiden Autofahrer verstärkt die Parkhäuser und suchen die kostenfreien Parkplätze? Die Jahresbilanz der OPG gebe dafür keinen Anhaltspunkt, sagte OPG-Geschäftsführer Dr. Siegfried Hoffmann. Die Zahl der Einfahrten sind im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent zurückgegangen. Der Rückgang könne seine Ursache in der allgemeinen Konjunkturlage haben, er könne auch auf die Parkscheibenregelung zurückgehen. " Das können Sie nur durch eine wissenschaftliche Untersuchung herausfinden." In 2002 erzielte die OPG einen Überschuss von 200 000 Euro, etwa 100 000 Euro weniger als vor einem Jahr.

Im Januar 2002 waren 284 Parkuhren und 104 Parkscheinautomaten unter den grauen Plastikhauben verschwunden. Sie markierten 1 332 Einstellplätze, die Autofahrer seitdem kostenfrei mit Parkscheibe nutzen können. CDU und FDP setzten damit eine zentrale Forderung ihres 100-Tage-Programms aus der Kommunalwahl um: Förderung des Einzelhandels. Der begrüßte denn auch die neue Parkfreiheit in den Straßen, während die rot-grüne Opposition, Umwelt- und Frauengruppen laut protestierten und den Einnahmeverlust für die Stadt beklagten. CDU und FDP halten sich ein Hintertürchen offen: Die Parkuhren wurden verhüllt - nicht demontiert - um sie eventuell wieder in Betrieb nehmen zu können.

Mützen ab - ja oder nein?

Ist das kostenlose Parken am Straßenrand eine sinnvolle Sache und den Verlust von 522 000 Euro wert? Oder sind Sie der Meinung, dass die Stadt angesichts der katastrophalen Haushaltslage auf keinen Fall auf diese Einnahmen verzichten kann? Mützen ab - ja oder nein? Sagen Sie uns und der Politik Ihre Meinung. Unser Lesertelefon (Rufnummer 325-280) ist heute von 9 bis 11 Uhr und 16 bis 17 Uhr für Sie geschaltet. Sie können uns Ihre Meinung per E-Mail (leserforum@ neue-oz.de), per Fax (0541/ 325-275) oder per Post (Neue Osnabrücker Zeitung, Lokalredaktion, Stichwort: Leserforum, Große Straße 17-19, 49074 Osnabrück) zuschicken. Im Leserforum von Neue OZ-online (www.neue-oz.de) können Sie ebenfalls freimütig Stellung beziehen. Wir werden in unserer rnorgigen Ausgabe über die ersten Leserreaktionen berichten.

Contra: Die Mützen müssen weg

Halbe Gebühren

Frauenbündnis für Kompromiss

" Wer es sich leisten kann, mit dem Auto für Besorgungen in die Stadt zu fahren, ist auch in der Lage, eine Parkgebühr zu zahlen. Diejenigen, die Finanziell nicht so gut gestellt sind, nutzen den Nahverkehr, gehen zu Fuß oder fahren mit dem Fahrrad, d. h., dass die Parkmützenregelung nur den Besserverdienenden zugute kommt. Auch umweltpolitisch ist diese Regelung nicht unbedingt zu befürworten. Es kann nicht nur darum gehen, dass der Einzelhandel gestärkt wird, sondern es geht auch um die Zufriedenheit der Bürgerinnen, die durch frauenspezifische soziale und kulturelle Angebote erreicht wird. Eine Stadt, die es sich leisten kann Geld zu verschenken, muss dieses auf der anderen Seite wieder hereinholen. Dieses ist zu Lasten der Frauen gegangen. Das Frauenbüchercafe muss Ende Januar schließen, in der Frauenberatungsstelle ist eine halbe Stelle weggefallen. Wir würden einen Kompromiss begrüßen: Die Parkgebühren auf den halben Gebührensatz wieder einsetzen und diese Einnahmen den Frauenprojekten zur Verfügung stellen. Damit wäre allen Seiten geholfen."

Doris Frye, Sprecherin des Osnabrücker Frauenbündnisses, das im vergangenen Jahr vergeblich gegen das freie Parken protestierte. Foto: Detlef Heese

Pro: Die Mützen müssen bleiben

Hürden abgebaut

Das sagt der Einzelhandel

" Einzelhandel ist fast zur Hälfte Psychologie", besagt eine alte Unternehmerweisheit. " Ein Jahr Parken ohne Parkuhren in Osnabrück ist prima", sagen die Kaufleute und Besucher der Osnabrücker City. Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Mit der Parkscheibenregelung wurde ein Negativimage der Stadt aufgehoben. " Parken in Osnabrück ist teuer" lautete es und baute vor dem Einkaufsbummel eine psychologische Hürde auf. Eigentlich vollkommen zu Unrecht, denn die Parkhäuser bieten günstige Preise. Aber vier Mark pro Stunde an den Parkuhren war manch einem einfach zu viel. Aus diesem Grund gehörte der Einzelhandel zu den stärksten Kritikern der Parkuhren. Heute wissen die Osnabrücker und Besucher aus dem Umland: In Osnabrück ist kostenfreies Kurzzeit-Parken möglich. Und der Einzelhandel begrüßt wieder seine Kunden, die gezielt " auf die Schnelle" in den Fachgeschäften einkaufen. Fazit: eine politische Entscheidung, mit welcher der Einzelhandel durchweg äußerst positive Erfahrungen gemacht hat.

Dirk Kolkmeyer, 1. Vorsitzender des Kreisverbandes Osnabrück-Stadt im Unternehmerverband Einzelhandel Osnabrück-Emsland. Foto: Klaus Lindemann

DAS ERSTE JAHR ohne Parkuhren ist um. Die Bilanz: Die Stadt verzichtete auf Einnahmen von 522000 Euro. Kann oder muss sich Osnabrück das erlauben? Sagen Sie uns Ihre Meinung. Foto: Gert Westdörp
Autor:
Wilfried Hinrichs


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