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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Unter dem Kesselhaus ein Kinderlabyrinth
Zwischenüberschrift:
Museum Industriekultur: Reste vom 130 Jahre alten Schlot am Haseschacht werden freigelegt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Unter dem Kesselhaus ein Kinderlabyrinth

Museum Industriekultur: Reste vom 130 Jahre alten Schlot am Haseschacht werden freigelegt

Wer einen Fabrikschlot betrachtet, der 40 oder 50 Meter in den Himmel ragt, ahnt nicht unbedingt, dass zu diesem Schornstein ein ganzes System von Kanälen gehört. Das Museum Industriekultur legt gerade die Gänge frei, die zum alten Schlot für den Haseschacht gehörten. Sie sind unterirdisch und zum Teil nur 1, 40 Meter hoch. Demnächst soll das Labyrinth für Kinderführungen geöffnet werden.

Der Haseschacht am Fürstenauer Weg ist das bekannteste Gebäude, das zum Museum Industriekultur gehört. Mehrere Dampfmaschinen waren notwendig, um die Steinkohlezeche von 1870 / 71 zu betreiben. Eine Zwillingsdampfmaschine trieb die Seiltrommel an, mit der die Förderkörbe auf und ab bewegt wurden. Aber auch der Kampf gegen das eindringende Grubenwasser kostete viel Kraft. 80 PS leistete die erste Dampfmaschine für die Wasserhaltung. Schon 1875 mussten größere Pumpen und Aggregate her, um die Zeche trocken zu halten.

Riesige Mengen Kohle waren notwendig, um die Maschinen zum Laufen zu bringen. " Die Technik war ja noch ziemlich uneffizient", sagt Museumsleiter Rolf Spilker, außerdem saß man direkt an der Quelle und konnte die Piesberger Kohle verheizen.

Wo viel Feuer ist, ist auch viel Rauch. Die Rauchgase wurden vom Kesselhaus durch unterirdische Gänge zum Schornstein geleitet. Bislang war nicht bekannt, dass sie noch existieren. Pläne gibt es nicht mehr, und über die Bedeutung der einzelnen Kanäle kann Rolf Spilker nur Mutmaßungen anstellen.

Als der Schornstein 1902 - vier Jahre nach Stilllegung der Zeche - abgebrochen wurde, schüttete man seine Fundamente zu. Was in der Erde schlummerte, geriet in Vergessenheit. Bis Museumsmitarbeiter vor einigen Jahren bei Bauarbeiten am Haseschacht auf einen der Kanäle stießen. Jetzt legen sie das ganze System frei - und wundern sich, wie weit es sich verzweigt.

Die Gänge sind aus massivem Ziegelstein gemauert. Dicke Rußablagerungen überziehen dieses Mauerwerk, allerdings nicht überall. Und von der Schwefelsäure im Rauchgas sind viele Steine regelrecht angefressen. Allerdings nur an der Oberfläche. Selbst wenn das mürbe Material abbröselt, bleibt noch genug stehen. Museumsmitarbeiter Ansgar Westermeyer hat bei seinen Probebohrungen festgestellt, dass die Mauern 60 bis 95 Zentimeter dick sind.

Das Fundament des Schornsteins hat einen Durchmesser von 7, 50 Metern. Aber wie hoch mag der Riese vom Piesberg gewesen sein? Immerhin überragt er auf alten Fotos deutlich das 22 Meter hohe Haseschachtgebäude. Ansgar Westermeyer schätzt, dass der Schlot zunächst 30 Meter hoch gemauert war und 1875 auf 45 Meter aufgestockt wurde.

Das Museum Industriekultur will das jetzt offene Schornsteinfundament mit einer Glashaube abdecken und die unterirdischen Kanäle sichern. Wegen ihrer teilweise geringen Höhe bieten sie sich für kleine Leute an. Wenn das Bauamt mitspielt, können Kinder ab Oktober, mit Helm und Grubenlampe ausgerüstet, die Geheimnisse der Unterwelt erkunden. (rll)

WEIT VERZWEIGT sind die Kanäle unter dem früheren Kesselhaus am Haseschacht. Zurzeit werden sie von Mitarbeitern des Museums Industriekultur freigelegt. Fotos: Detlef Heese

WIE HOCH mag der Schlot am Haseschacht gewesen sein? Dieses Foto zeigt ihn um 1873, noch vor der Erweiterung.

VORSICHT, LOCH! Durch diese Einstiegsöffnung haben sich die Museumsarbeiter in das System unterirdischer Kanäle gearbeitet. Das oben offene Schornsteinfundament wurde inzwischen mit Brettern und Planen abgedeckt.
Autor:
rll


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