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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Vor 100 Jahren: Das Museum kaufte Goldhauben und Anzüge
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im April 1903: Kälteeinbruch, Arbeitskämpfe und ein Freudenfest auf Gut Sutthausen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Museum kaufte Goldhauben und Anzüge

Osnabrück im April 1903: Kälteeinbruch, Arbeitskämpfe und ein Freudenfest auf Gut Sutthausen

Von Christiana Keller

Das Dauerthema Ladenöffnungszeiten erregte vor 100 Jahren ebenso wie heute die Gemüter. Und schon damals war kein Ende der Diskussion in Sicht: In der Karwoche waren die Geschäfte bis 22 Uhr geöffnet, jeweils vor Feier-und Festtagen sah die Gewerbeordnung Sonderöffnungszeiten vor. Öffentliche und private Tanzveranstaltungen hingegen durften nicht stattfinden, auch keine Theatervorstellungen oder andere öffentliche " Lustbarkeiten". Nur " ernste" Musikstücke wie Oratorien bildeten die Ausnahme von der Regel.

Am Ostersonntag durften Lehrlinge, Gehilfen und Arbeiter in der Industrie nicht beschäftigt werden. Von 5 Uhr bis 12 Uhr arbeiteten jedoch die Bäcker und Konditoren in Herstellung und Verkauf, auch alle Betriebe, die mit Milch, Fleisch und Wurst handelten. Blumen, Tabak, Bier und Wein konnten gekauft werden, natürlich nicht während der Hauptgottesdienste. Für den zweiten Feiertag galten normale Sonntagsbestimmungen.

Auf Gut Sutthausen herrschte Feierstimmung: Noch vor Ostern konnte die Familie von Korff umziehen: das Herrenhaus war von Grund auf neu errichtet worden, und das Gut erstrahlte in alter-neuer Pracht.

Ein Sonderabdruck in der Osnabrücker Zeitung berichtete über die Jahresversammlung des Museumsvereins. Wieder waren viele Ankäufe durch sammelfreudige Osnabrücker als Schenkungen an das Museum gelangt, durch alle Abteilungen erstreckten sich die freundlichen Stiftungen. Ein noch ungeklärter Sammlungsbereich, der dem Verein sehr am Herzen lag, bildeten die Trachten des Osnabrücker Landes. Zum einen fehlte es an Geldern für den Erwerb, zum anderen waren die Trachten mittlerweile rar. Das Sammeln war kaum noch möglich. Seit Jahren bestand aber Kontakt zu Professor Jostes in Münster, der seit langem Material für sein umfangreiches " Westfälisches Trachtenbuch" zusammengetragen hatte.

Jostes hatte viele Trachten und Trachtenteile angekauft, doch seine Arbeiten waren nun abgeschlossen. Gegen Unkostenerstattung zeigte er sich bereit, die Osnabrücker Sammelstücke dem hiesigen Museum zu übergeben. In diesem Jahr noch durfte sich das Museum über eine vollständige Sammlung der von Frauen getragenen Hauben, Kappen und Mützen nebst den dazugehörigen Bändern und Tüchern aus dem Osnabrücker Raum freuen. Außerdem sollten einige vollständige Frauen- und Männeranzüge erworben werden, um auch sie dem Publikum zu präsentieren.

Kleinlaut räumte die Osnabrücker Zeitung ein, dass die angekündigten " grünen Ostern" wohl doch nicht einzuhalten seien. Anfang April hatte ein empfindlicher Kälteeinbruch mit Schnee, Graupel und Hagel alle Freude über den frühen Lenz zunichte gemacht. Zwar war es Ostern grün, aber noch bitterkalt. Am zweiten Ostertag schneite es noch dazu. Da war es nur ein schwacher Trost zu vernehmen, dass sich in allen anderen Gegenden Deutschlands das Festtagswetter ebenso unfreundlich gezeigt hatte. Auch nach Ostern besserte sich das Wetter nicht, fingerdickes Eis auf den Pfützen zeigte den strengen Nachtfrost an, die erfrorenen Obstblüten lagen als dichter Teppich unter den Bäumen.

Die Zimmerleute der Stadt, insgesamt 80 bis 90 Mann, traten im April in den Ausstand. Von ihren Meistern verlangten sie mehr Lohn. Wenigstens 36 bis 42 Pfennige sollte ihnen eine Arbeitsstunde einbringen. Ihre Aussichten waren allerdings wohl eher gering. In einer Solidarversarnmlung verpflichteten sich jedoch auch die Bauarbeiter, zu der Forderung der Zimmermänner zu stehen und nicht als Streikbrecher tätig zu werden. Dem Streik schlossen sich nach wenigen Tagen alle Malergesellen an, die ebenfalls für höhere Löhne stritten.

" Die Zeiten ändern sich", war schon oft zu lesen. Nun also ein neues Beispiel: Die Parkanlagen am Gertrudenberg waren bislang von Aufsehern bewacht, Verbotsschilder standen an jeder Wegbiegung. Der Verschönerungsverein baute nun auf die Eigenverantwortung der Bürger und montierte die Schilder ab.

TRACHTEN DES OSNABRUCKER LANDES kamen vor 100 Jahren ins Museum. Hier ein Foto vom Artländer Trachtenfest 1905 (aus " Getreuer noch als wie der Spiegel...", Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Osnabrücker Landes, Band 5)
Autor:
Christiana Keller


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