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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Der Tunnel ist tot - es lebe der "Nasch-Markt"
 
"Es muss schnell etwas passieren"
 
Licht am Ende des Tunnels
 
Willibalds Euphorie
Zwischenüberschrift:
Wasser, Licht und Gutes Essen sollNeumakrt-Passage zum Treffpunkt machen - Kosten: fünf bis sechs Millionen Euro
 
Mieter vom Markt-Konzept überrascht - Wohin in der Bauphase?
Artikel:
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Originaltext:
Der Tunnel ist tot - es lebe der neue " Nasch-Markt"

Wasser, Licht und gutes Essen soll Neumarkt-Passage zum Treffpunkt machen

Von Wilfried Hinrichs (Text) und Michael Hehmann (Fotos)

Wir schreiben den 15. September 2004. Wir kommen gerade von der Einweihungsfeier der neuen Kamp-Promenade und schlendern durch die Große Straße in Richtung Neumarkt. Wo früher ein dunkler Schlund die Fußgänger in die Tiefe zu ziehen versuchte, empfängt uns ein beleuchteter Laufsteg, beschirmt von einem Glasdach. Wir lassen uns in die " Nasch-Passage" hinab gleiten und wählen unten im Keller ein nettes Plätzchen direkt am Wasser, um den Tag mit einem trockenen Rotwein zu beschließen.

Der Tunnel ist tot, es lebe die Passage. Der Neumarkt wird zum " Nasch-Markt", sagt Innenarchitektin Barbara Meyer-Kosfeld aus Königstein (Contura Planung & Design). Sie hat im Auftrage der Osnabrücker Parkstätten-Gesellschaft (OPG) ein Konzept für die Neumarkt-Unterwelt entwickelt - ein Konzept, von dem OPG-Prokurist

" Konzept überzeugt hundertprozentig"

Karl-Heinz Ellinghaus " zu hundert Prozent überzeugt" ist. Die Stadt ist Eigentümerin des Tunnels, die OPG verwaltet ihn.

Ellinghaus trug sein ehrgeiziges Ziel am Donnerstagabend dem Stadtentwicklungsausschusss vor: Wenn das Einkaufszentrum am Kamp im September 2004 eröffnet wird, sollte auch die neue Neumarkt-Passage ans Netz gehen. Das ist wohl nicht mehr zu schaffen, auch wenn - wie die OPG es plant - schon im Januar die Bauarbeiter beginnen sollten, den Tunnel zu entkernen.

Architekt Klaus Scholz verzichtet vor dem Ausschuss auf " sollte", " würde", " könnte". Er spricht konkret: Mehrere Zugänge werden geschlossen und durch Lichtschächte ersetzt. Reflektierendes Material lenkt das Tageslicht weit in den Tunnel. Tageslicht! Die Sonne wird, sagt der Architekt, in den Keller scheinen.

Licht begrüßt die Besucher schon an den fünf Eingängen, die übrig bleiben sollen. " Wir wollen die Leute hinein saugen", sagt Scholz. Die Passage soll nicht mehr vom Durchgangsverkehr leben, sondern aus eigener Kraft Menschen locken.

Die Lockstoffe heißen: gutes Essen, gemütliche Bistros, frische Ware. Die neue Neumarkt-Passage soll ein Marktplatz der Genüsse werden. Das Konzept erinnert an die Markthalle in der Großen Straße, wo sich mehrere kulinarische Angebote ergänzten. Ein erfolgreiches Konzept, das vor Jahren scheiterte, weil die Textilbranche höhere Mieten zahlt.

Jetzt also ein Frischemarkt im Tunnel. Links Obst und Gemüse, rechts italienische Pizza und Pasta, gegenüber Kaffee und Kuchen, um die Ecke das Eiscafe, drüben das Bistro. Man trifft sich in der

Tragende Säulen im Wasserbad

Mittagspause in der Passage, weil der Nudelliebhaber und der Hamburger-Freund sich in der Mitte am Stehtisch zusammenfinden können. Der Clou: Alles wird ums Wasser gruppiert. Die tragenden Säulen sollen zum Vorschein kommen und von einem Wasserlauf umspült werden.

Die Passage wird nach diesen Plänen nachts geschlossen sein. Fußgänger müssen dann die Ampel benutzen. Ein Durchgang bleibt vom Kollegienwall zur " Sportarena" offen.

Die spannendste Frage wurde öffentlich nicht diskutiert: die Kostenfrage. Von fünf bis sechs Millionen Euro ist die Rede, die über Mieteinnahmen refinanziert werden sollen. - Die Diskussion ist eröffnet.

WASSER und Tageslicht sollen dem Neumarkt-Tunnel eine ganz neue Atmosphäre geben. So stellen sich die Planer den zentralen Platz vor.

DIESELBE PERSPEKTIVE HEUTE: Der Tunnel soll nicht mehr nur vom Durchgangsverkehr leben, sondern aus eigener Kraft Gäste anlocken.

GESCHLOSSEN werden sollen die Rampe an der Großen Straße...

... die Treppen an den Bussteigen vor dem Landgerichtsgebäude und...

... die Rolltreppe an der Ecke Johannisstraße / Neumarkt (bei Moden Krüger).

DIE ZUKUNFT soll nach den Ideen der Planer so aussehen: Die Rampe von der Großen Straße führt um die Ecke, weil im Untergrund ein Kanalschacht den direkten Weg versperrt.

" Es muss schnell etwas passieren"

Mieter vom Markt-Konzept überrascht - Wohin während der Bauphase?

Das neue Passagen-Konzept kommt auch für manche Tunnel-Mieter überraschend Dennoch: Reinhard Coppenrath, Sprecher der Tunnel-Gemeinschaft, hofft, dass endlich etwas passiert. " So kann es nicht weitergehen", sagte er In unserem Interview.

Herr Coppenrath, was halten Sie von den Entwürfen?

Coppenrath: Ich bin etwas überrascht davon. Etwas wussten wir schon, aber nicht alles. Es muss etwas passieren. So wie es jetzt im Tunnel läuft, kann es nicht weitergehen.

Können Sie sich einen " Nasch-Markt" vorstellen? Coppenrath: Wenn das Ganze bezahlbar ist, ja, dann kann ich mir das vorstellen. Wir haben viele Mieter, die seit Jahrzehnten im Tunnel arbeiten. Darauf kann man aufbauen.

Die Bauarbeiten werden mindestens ein ganzes Jahr dauern. Was wird aus den Geschäften in der Übergangszeit?

Coppenrath: Die Mieter müssen eine Chance bekommen, ihre Stammkunden zu halten. Das heißt, sie brauchen oben auf dem Neumarkt irgendwo eine Ladenfläche für den Übergang. Der Verkauf muss weiter gehen, sonst haben die Mieter über Monate keine Einkünfte. Eine Kollegin hat vorgeschlagen, die Weihnachtsmarktbuden dafür zu benutzen. Das ist aber nicht für alle Mieter möglich. Wir brauchen für unsere Backwaren zum Beispiel eine Kühlung. Das ist alles nicht so einfach zu bewerkstelligen. Die Stammkundschaft dürfen die Tunnel-Mieter nicht auch noch verlieren verlieren, die Spontankunden haben wir durch die Fußgängerampel ja schon verloren.

Wie groß sind die Einbußen, seit es die Fußgängerampel gibt?

Coppenrath: Das bewegt sich zwischen 20 und 50 Prozent. Deshalb sage ich: Es muss schnell gehen.

SPRECHER der Tunnel-Mieter: Reinhard Coppenrath.

Das Passagen-Konzept

Licht am Ende des Tunnels

Von Wilfried Hinrichs

Es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. So könnte es mit der Passage wieder etwas werden, zumindest für die kommenden zehn Jahre.

Doch zwei Fragen sind noch nicht beantwortet: Erstens, werden durch den Umbau Fakten für den oberirdischen Teil des Neumarktes geschaffen, die dessen Gestaltung künftig einschränkt? Zweitens, kann die Stadt in dieser Phase fünf bis sechs Millionen investieren in der Hoffnung, das Geld über Mieten wieder einzunehmen?

Der Rat steht vor einer schweren Entscheidung, zumal auch andere - wie der Sport und die Kultur - finanzielle Ansprüche stellen. Aber, Hand aufs Herz, welche Alternative hat die Stadt? Sie muss jetzt handeln, sonst geht das Licht im Tunnel aus.

Willibalds Euphorie

Tills Vorgänger im Amte, ein gewisser Willibald, spazierte vor 39 Jahren das erste Mal durch den Neumarkt-Tunnel und sprach, als er wieder zu Tage trat, geradezu enthusiastisch den Osnabrückern seine ' Glückwünsche zum Bau der Passage aus. Unten rollt der Rubel, oben rollen die Reifen - das galt in den 60er Jahren in der Tat als stadtplanerische Glanzleistung. Die Bürger sahen das offenbar ähnlich. Denn in einer von Willibalds Zeitung initiierten Umfrage unter tausend Osnabrückern stimmten damals 881 für den Tunnelbau, 59 dagegen, 60 enthielten sich. Der Blick ins Archiv hat noch andere Zahlen ans Licht gebracht. Im März 1964 begannen die Arbeiten, die 110 Tage dauern sollten. Am Ende waren es 179 Tage. Till kratzt sich den Kopf, wenn er bedenkt, dass das Neugestalten des Tunnels mindestens ein Jahr dauern soll - also länger als der Neubau vor fast 40 Jahren. Bisübermorgen
Autor:
Wilfried Hinrichs, Till


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