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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Nicht mehr mit allen Wassern gewaschen
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Unter uns verändert sich die Welt: Die Stadt trennt die Kanäle für Regen- und Schmutzwasser
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Stadtteile: Redaktion Stadtteile: Telefon 0541/ 310-632 Fax 0541/ 310-640 E-Mail: stadt-osnabrueck@ neue-oz.de

EINE WELT FÜR SICH: Vier Meter breit und zwei Meter hoch ist der Regenwasserkanal unter der Hannoverschen Straße, den Rainer Delkeskamp hier inspiziert.

Nicht mehr mit allen Wassern gewaschen

Unter uns verändert sich die Welt: Die Stadt trennt die Kanäle für Regen- und Schmutzwasser

Osnabrück

Es ist eine Jahrhundertaufgabe: Schon 1909 sah der Generalentwässerungsplan den weiteren Ausbau der Osnabrücker Kanalisation mit einer Trennung von Regen-und Schmutzwasser vor. Mit Bauarbeiten wie derzeit an der Gustav-Tweer-Straße stellen die seit drei Jahren für den Klärwerks- und Kanalbetrieb zuständigen Stadtwerke das sonst verwendete Mischwassersystem um. Noch möglicherweise 15 Jahre wird es dauern, bis Osnabrück komplett von einem reinen Trennsystem durchzogen wird.

Nur noch sieben Prozent der gesamten Kanalisation funktionieren nach dem Mischsystem. Was sich nach überschaubaren Dimensionen anhört, sind tatsächlich immense Ausmaße: Die getrennten Regen- und Schmutzwasserkanäle messen jeweils knapp 500 Kilometer, somit bleiben im Stadtgebiet noch 35 Kilometer Kanalisation, bei denen die zwei Abwassersorten ungetrennt in das Klärwerk in Eversburg fließen. Dazu kommt, dass die Kanalbauer nicht immer so können wie sie möchten, etwa an der Meller Straße: " Da würden wir gerne weitermachen", sagt der Leiter der Kanalplanung, Dirk Wisniewski über die noch anstehenden Arbeiten an der Kreuzung zur Straße " Am Riedenbach". Aber wegen der Bauarbeiten an der Iburger Straße durfte die parallele Hauprverkehrsverbindung nicht unterbrochen werden.

In zwei weiteren Gutachten von 1964 und 1983 wurde der Entschluss bestätigt, das Kanalsystem umzustellen. Innerhalb des Wallrings wird das Wasser mittlerweile nur noch an der Möserstraße per Mischkanal abgeleitet, im kommenden Jahr soll auch diese Lücke geschlossen werden. Dies gilt auch für die Dr.-Eckener-Straße und die Lilienthalstraße, die im Anschluss an die Gustav-Tweer-Straße aufgerissen werden. Diesen einzelnen Flicken stehen größere Flächen am Westerberg und am Schölerberg entgegen.

Eindrucksvolle Ausmaße können Regenwasserrohre haben: " Hauptadern" wie an der Sandbachstraße messen rund sieben mal zwei Meter. An Stichstraßen wird nach Möglichkeit die " Sparversion" verwendet, die auch schon mal nur im Durchmesser 40 Zentimeter misst. Für die Aufnahme von hohen Niederschlagsmengen wurden über 90 Regenrückhaltebecken mit einem Volumen von 500 000 Kubikmetern angelegt. Mit der Wassermenge könnte das Becken des Osnabrücker Binnenhafens zweimal gefüllt werden. Die Regenrückhaltebecken sind so konstruiert, dass das Wasser bei extremen Regenfällen durch einen Notüberlauf direkt in die Gewässer fließt. Überschwemmungen sind dennoch in Osnabrück nicht auszuschließen, wie Wisniewski bestätigt: " Es kann schon passieren, dass Straßen unter Wasser stehen."

EINBLICK: Wolfgang Barkau (links) und Rudolf Spaida seilen Arbeitsmaterial in die Kanalisation unter der Peiner Straße ab. Foto: Uwe Lewandowski

Beim Schmutzwasser gibt es kein Ausweichen: Alles muss ins Klärwerk. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen sind die Rohre nicht überdimensioniert, aber die Kanalisation hat genug Reserven für Ausnahmesituationen, zum Beispiel: Die Spitzenlasten in der Pause eines Fußball-Finales bewältige das System ohne Probleme, sagt Stadtwerke-Sprecher Peter Horenburg.

Hier wird auch bald gebuddelt

Osnabrück

In diesem Jahr werden in folgenden Straßen die Bauarbeiteranrücken, um die Kanalisation auf das Trennsystem umzustellen: Bentheimer Straße, Schüttorfer Weg, Lindemannskamp (In der Barlage bis Ernst-Sievers-Straße), Corneliusweg, Loewestraße, Wetterskamp, Wörthstraße. 2005/ 2006 sollen folgen: Mendelssohnweg, Lönsweg, Möser-straße (Wittekindweg bis Goethering), Dr. Eckener-Straße, Lilienthalstraße, Edinghäuser Straße, Meller Straße. Die Liste sei noch mit der Stadtverwaltung abzustimmen, so die Stadtwerke. Änderungen seien möglich. Im Bau ist das Trennsystem zurzeit an der Gustav-Tweer-Straße, Lotter Straße, Liebigstraße und Bis-marckstraße (nördlich Böbenstraße).,

Zur Sache: Schmutzwasser und Regenwasser

In Schinkel wurden schon 1915 getrennte Kanäle eingebaut

In Osnabrück fallen täglich rund 45000 Kubikmeter Abwasser an durch Haushalte, Gewerbebetriebe und Niederschläge. Im Mischwasserkanal wird das Wasser ungetrennt in die Klärwerke geleitet, während im Trennsystem das Regenwasser in die nächstgelegenen Flüsse oder Bäche geführt wird. Vorteil:

Die Klärwerke müssen weniger leisten, und die täglich anfallende Menge lässt sich genauer abschätzen. Zudem hat das Mischsystem einen weiteren Nachteil: Bei Überschwemmungen könnte auch Schmutzwasser in die Gewässer laufen. In Osnabrück begann 1876 der Bau einer Mischwasserkanalisation, allerdings gingen die Abwässer noch ungeklärt in die Hase. Mit dem Bau der Kanalisation in neuen Stadtteilen setzten die Planer immer stärker auf das Trennsystem. Als Schinkel um 1915 Kanäle bekam, wurde bereits das Trennsystem verwendet. Drei Jahre zuvor hatte die Stadt mit einer Siebtrommclanlage den Grundstein für das Klärwerk in Evers-. bürg gelegt, das immer wie- der nach dem neuesten Stand der Technik aufgerüstet wurde. Seit Mitte der sechziger Jahre ist zudem die Kläranlage in Hellern in Betrieb. Eine gewisse Reinigung findet auch beim Regenwasser durch Rückhalte- und Klärbecken statt. Nach der vollständigen Umstellung auf ein Trennsystem sollen die dann nicht mehr verwendeten Mischwassersammler als Regenklärsammler zur verbesserten Säuberung des Regenwassers verwendet werden.
Autor:
Henning Müller-Detert


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