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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Rotdrossel: nordisch, scheu und fremd
Zwischenüberschrift:
Für die gefiederten Gäste ist Deutschland im Winter ein warmes Ziel - Beeren als Hauptnahrung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Globalisierung ist heute in aller Munde. Doch bei den Vögeln hat es nie etwas anderes gegeben. Für sie spielen Grenzen keine Rolle. Zurzeit überwintern in und um Osnabrück zahlreiche gefiederte Gäste aus dem hohen Norden. Deutschland ist für sie in der kalten Jahreszeit ein begehrtes, warmes Ziel. Außer Erlenzeisigen und den exotisch bunten Seidenschwänzen sind es auch Wacholder- und Rotdrosseln.

Da sitzen neben dem Biologiegebäude am Westerberg in einem Sanddornstrauch, der mit goldgelben Beeren übersät ist, drei drosselgroße Vögel. Sie wirken scheu, misstrauisch und nervös, während sie hastig eine Beere nach der anderen verputzen. Die helle Brust ist dunkel gepunktet und gefleckt wie bei vielen Drosselarten. Am Kopf jedoch ist ein heller Streifen über den Augen deutlicher zu erkennen und die Flanken leuchten rostrot. Die Vögel fliegen auf. Nun zeigen sich auch noch die markanten rostroten Unterflügeldecken. Nun ist es endgültig klar: Es sind Rotdrosseln.

Diese Art ist den meisten Menschen weitgehend fremd. Sie verweilen nur im Winterhalbjahr bei uns. Ihre Brutgebiete liegen weit im Norden Europas. Als sehr häufige Durchzügler erscheinen sie ständig im Herbst und Frühjahr in kleinen Trupps, besonders in den Monaten Oktober und November sowie März und April, oft in Gesellschaft von Wacholderdrosseln.

Die wenigsten Tiere überwintern im Stadtgebiet von Osnabrück. In größerer Zahl geschieht dies in der Regel nur in strengen Wintern, wie 1995/ 96. Meist rasten sie nur einige Tage, ausnahmsweise wenige Wochen. Viele innerstädtische Grünanlagen haben daher eine wichtige Funktion als Nahrungs- und Rasträume. Es sind grüne Inseln und Trittsteine für die Zugvögel im Häusermeer einer Großstadt.

Gegenwärtig halten sich die Rotdrosseln dort auf, wo beerentragende Gehölze wachsen. Sie fressen gemeinsam mit anderen Vogelarten die Sträucher und Bäume unserer Grünanlagen und Gärten kahl und ziehen weiter. Auch an den Straßenbäumen entlang der Friedrichstraße wurden sie tagelang beobachtet, wie sie die roten Mehlbeeren genüsslich pickten. Nun sind die Beeren weg und auch die Vögel. Zahlreiche Rotdrosseln wurden überdies wochenlang in den hohen Weißdornsträuchern um das Schulzentrum in der Wüste beobachtet.

Vogelfreunde wissen, wie bedeutsam einheimische Beeren tragende Sträucher für fruchtfressende Vögel (Frugivore) sind. Früchte und Beeren wie Vogelbeere, Holunder, Traubenkirsche, Sanddorn, Hartriegel, Berberitze, Weißdorn, Weintrauben, Fallobst und anderes spielen als Herbst- und Winternahrung eine wichtige Rolle. Wer einen Beitrag zum Schutz der Vögel leisten möchte, sollte dies bei seiner Gartenplanung bedenken und weitgehend auf Koniferen verzichten. Nicht zu reden von den vielen eingeführten Lebensbäumen und Scheinzypressen.
Autor:
Gerhard Kooiker


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