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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Mit leichter Lektüre zum dringenden Geschäft
Zwischenüberschrift:
Heute ist Welttoilettentag - 40 Prozent der Weltbevölkerung leben ohne sanitäre Einrichtungen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Heute ist es wieder so weit - es ist Welttoilettentag. Nicht so wichtig? Mag sein, hängt aber von der Betrachtungsweise ab. Denn seien wir mal ehrlich: Was würden wir wohl ohne die Toilette machen. " Dasselbe wie sonst auch", sagen Sie? Sicher. Aber wo? Zeit also, sich einmal Gedanken zu machen über das " stille Örtchen", die " keramische Abteilung", den " Ort, wo auch der Kaiser zu Fuß hingeht" oder wie die Umschreibungen für das Klo und seine nähere Umgebung sonst noch lauten mögen.

Gedanken gemacht hat sich zumindest die World Toilet Organisation (WTO). Der Verband mit Aktionsschwerpunkt im asiatischen Raum hat sich die Verbreitung sanitärer Einrichtungen auf die Fahnen geschrieben. Nicht ohne Grund, denn - so rechnet die Organisation mit der herzförmigen Klobrille im Logo vor - derzeit müssen etwa 40 Prozent der Menschheit ohne eine adäquate sanitäre Ausstattung leben. Gemeinsam mit den Vereinten Nationen hat es sich die WTO zur Aufgabe gemacht, diese Zahl bis zum Jahr 2015 zu halbieren.

Einem Großteil der Weltbevölkerung steht also der Luxus einer hygienischen Verrichtung der Notdurft nicht zur Verfügung. Dahingegen schwelgen die Industrienationen zum Teil in einem wahren Toilettenluxus. Dabei sind goldbelegte und beheizte Toilettenbrillen nur ein Aspekt moderner Sanitärtechnologie. Während zum Beispiel in Italien ein Gebläse übel riechende Flatulenzen sozusagen vom Winde verwehen lässt, haben die Japaner die Toilette zu einem Medizinlabor weiterentwickelt. Nicht nur, dass im Land der aufgehenden Sonne parallel zur Verrichtung des Unumgänglichen Blutdruck und Zellstruktur gemessen und analysiert werden. Ein kleiner, ausfahrbarer Arm hält auf Wunsch ein kleines Becherchen an die passende Stelle, um Urin für eine Zuckeranalyse aufzunehmen. Nach kurzer Untersuchung liefert das Wunderklo auch gleich das Ergebnis. Unglaublich, aber wahr. Ebenso wahr und sicherlich auch leichter zu galuben: Eine Vielzahl wissenschaftlicher Publikationen hat sich dem Thema Toilette schon aus den verschiedensten Blickwinkeln genähert. Insbesondere der soziologische Aspekt der Notdurft und der sie umgebenden Begleitumstände stößt immer wieder auf das Interesse der Forschung. So belegen Untersuchungen, dass Männer den Abort als Lesezimmer schätzen und lieben. Warum? Die Gründe sind typabhängig. Zum einen gibt es den einsamem Kämpfer. Er fühlt sich auf dem Klo unbeobachtet, frei und ungezwungen. Ein Gefühl, dass sich durch die Lieblingslektüre noch verstärken lässt. Der gehetzte Typ, zum Beispiel der junge Vater, erschöpft durch die Ansprüche der Nachkommen und der Partnerin, findet in der Toilette eine Fluchtmöglichkeit. Hier ist möglich, was ihm ansonsten verwehrt wird: Einmal ungestört für sich sein, und zwar ohne Vorwürfe, denn das, was an diesem Ort üblicherweise passiert, muss sein und steht nun mal jedem Menschen zu.

Und noch etwas trägt zur Entspannung bei: die freie Wahl der Lektüre. Im " Privat Room", wie der Angelsachse nicht ohne Grund die Toilette zu nennen pflegt, also im ganz privaten Raum darf es auch gerne mal etwas leichteres sein, abseits aller Büroakten, berufsbedingter wissenschaftlicher Literatur und ähnlich schwerem Stoff.

Zwar ist das japanische Medizinklo derzeit in Osnabrück noch nicht käuflich zu erwerben, gleichwohl findet, wer sich denn sanitärtechnisch neu einrichten möchte, ein großes Angebot. Von der reinen Keramik bis hin zum Zubehör gibt es auf der nach oben offenen Preisskala kein Halten. Ob der Klodeckel mit eingelassenem Formel-1-Modell für den Motorsportbegeisterten oder die Plastikfische in Acryl für den passionierten Angler - wer suchet, der findet. Spülkästen sind schon lange out, die Technik ist " unter Putz" verschwunden. Urinale zieren mittlerweile Einsätze, die die Treffergenauigkeit erhöhen. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2006 derzeit besonders beliebt: das kleine Fußballtor.

Alles gut und schön. Erinnern wir uns aber auch daran, dass weit über zwei Milliarden Menschen ohne diese für uns selbstverständliche Hygiene auskommen müssen. Krankheiten bis hin zu Epidemien sind die Folge. Vielleicht macht der Welttoilettentag unter diesem Aspekt doch einen Sinn - als Erinnerung an den Wohlstand, in dem wir so selbstverständlich leben.
Autor:
Dietmar Kröger


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