User Online: 1 | Timeout: 22:56Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Stöwers Visionen und "Klage-Gelassenheit"
Zwischenüberschrift:
Im Gespräch mit dem Chef des Flughafens Münster/Osnabrück - 2015 rechnet der FMO mit vier Millionen Fluggästen
 
Der beabsichtigte Ausbau der Start- und Landebahn und die Folgen - Hotel und Autobahnzubringer bald perfekt?
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück/ Münster

Tausende sichere Arbeitsplätze schaffen, den Flughafen Münster / Osnabrück (FMO) weiter zu einem Motor der wirtschaftlichen Region ausbauen - zwei Visionen, die Geschäftsführer Gerd Stöwer hat. Visionen, die natürlich eng mit dem beabsichtigten Ausbau des Airports zusammenhängen. Über das Ausbauprojekt, die Klagen gegen dieses Projekt, ein mögliches Flughafen-Hotel, über den laut Stöwer " sicher kommenden" Autobahnzubringer Süd und viele weitere Flughafenaspekte äußert sich der FMO-Chef im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Stöwer, wann rechnen Sie mit dem ersten Spatenstich für den Ausbau des Flughafens?

Stöwer: Wenn unsere Gesellschafter einen Bau- und Finanzierungsbeschluss gefasst haben, brauchen wir etwa ein Jahr für die Detailplanung und weitere eineinhalb bis zwei Jahre für die Baumaßnahme. Also: Ab dem Tag der erwähnten Entscheidung könnte die neue Startbahn nach etwa zweieinhalb Jahren in Betrieb gehen.

Wer sagt denn, dass eine Verlängerung der Startbahn überhaupt notwendig ist? Mit anderen Worten: Mit welchen Fluggastzahlen rechnen Sie denn nach einer Erweiterung?

Stöwer: Wir haben natürlich nicht nur in die blaue Kugel geschaut, sondern wir haben wissenschaftliche Prognosen vorliegen, die von der Universität Münster im Jahre 1994 gemacht wurden und im Jahre 2001 und vor einigen Wochen noch einmal aktualisiert wurden. Darüber hinaus gibt es eine zweite Prognose von der Technischen Universität Aachen. Diese Prognosen zusammen zeigen uns, dass wir im Jahr 2015 bis zu vier Millionen Fluggäste erwarten können. Davon entfallen dann etwa eine Million auf den Mittelstrecken- und Langstreckenverkehr - und dafür brauchen wir die längere Startbahn.

Die Sie aber zunächst nur um 800 auf 3000 Meter ausbauen wollen, obwohl ein Planfeststellungsbeschluss für 3600 Meter vorliegt...

Stöwer: Eine Startbahnverlängerung auf 3600 Meter bleibt natürlich weiterhin das Endziel. Wir haben aber immer gesagt, dass wir uns vorstellen können, uns diesem Endziel in mehreren Schritten zu nähern. Die Technik der Flugzeuge hat sich in den zurückliegenden Jahren deutlich verbessert, so dass man mit 3000 Metern schon sehr viele Ziele erreichen kann, die bei uns laut Prognose auch anfallen werden. Der zweite Schritt - 3600 Meter- kann ja jederzeit folgen.

3000 Meter - von welchen Zielen sprechen Sie?

Stöwer: Wir erreichen mit einer Verlängerung auf 3000 Meter alle touristischen Ziele, die für den FMO in der ersten Phase wichtig wären, wie die Dominikanische Republik, wie die Malediven. Wir erreichen dann aber auch schon Nordamerika.

Sind denn heute schon Verträge mit Airlines unter Dach und Fach, mit denen Sie nach dem fertigen Ausbau zusammenarbeiten?

Stöwer: Also, so wie sich das mancher vorstellt, geht das leider nicht. Das Motto " Macht mal die Verträge, dann bauen wir die Startbahn" zieht nicht. In der Luftfahrt ist es so, dass Fluggesellschaften nicht bereit sind, über einen Zeitraum von zwei Jahren hinaus irgendwelche Zusagen zu machen. Das heißt: Wir können nur schauen, ob wir die Potenziale haben. Die kann man wissenschaftlich durch Prognosen nachweisen. Wenn man diese Potenziale hat, muss man in Vorleistung gehen, muss die Infrastruktur hinstellen und dann mit dieser neuen Infrastruktur an den Markt gehen.

Aber Sie sind doch nicht so blauäugig, dass Sie diese Infrastruktur hinstellen und dann mal schauen...

Stöwer: Wir haben ja die Prognosen. Und wir wissen, dass wir die Potenziale haben. Und wir führen natürlich auch Gespräche mit Fluggesellschaften. Aber man bekommt zum jetzigen Zeitpunkt eben keine verbindlichen Zusagen. Wir bekommen schon allgemeine qualitative Zusagen - dass uns die Branche zum Beispiel sagt, dass unser Vorgehen gut ist. Ich darf daran erinnern, dass die Air Berlin - die größte Fluggesellschaft bei uns am Flughafen - vor einigen Wochen sich positiv zur Startbahnverlängerung geäußert hat. Auch die LTU hat sich vor einigen Wochen geäußert, dass sie sich gut vorstellen könne, vom FMO aus zu fliegen.

Inwieweit können denn Klagen - wie jetzt die des Naturschutzbundes Nordrhein-Westfalen - Ihr Vorhaben noch stoppen?

Stöwer: Vorweg: Dass es Klagen gibt, ist völlig normal. Ich glaube, es gibt in Deutschland keinen Planfeststellungsbeschluss, der nicht massiv beklagt wurde. In unserem Fall sind wir der Auffassung, dass der Planfeststellungsbeschluss fachlich und juristisch fundiert ist. Insofern sehen wir den Prozessen sehr gelassen entgegen.

Aber können die Klagen denn den geplanten Ausbau auf unbestimmte Zeit hinauszögern?

Stöwer: Theoretisch ist natürlich alles möglich. Aber zum Glück wurde das Luftverkehrsgesetz in den letzten Jahren dahingehend verändert, dass eine Anfechtungsklage zunächst keine aufschiebende Wirkung hat. Das heißt, die Klage alleine würde nicht zu einem Baustopp führen.

Zur Finanzierung der Verlängerung: Die Stadt Osnabrück als Gesellschafter hat sich vor wenigen Tagen klar zu einer Beteiligung bekannt. Wie sieht es mit den anderen Gesellschaftern aus?

Stöwer: Es findet zurzeit bei allen Gesellschaftern der Willensbildungsprozess statt. Von den großen Gesellschaftern in Nordrhein-Westfalen - also die Stadt Münster und der Kreis Steinfurt - gab es auch schon sehr positive Aussagen.

Und was passiert in der Sondersitzung des FMO-Aufsichtsrates am 1. September?

Stöwer: Ich bin mir sicher, dass an dem lag eine sehr positive Richtungsentscheidung gefällt wird.

Wie sieht denn der konkrete Finanzierungsplan aus. Der erste Ausbauschritt wird rund 60 Millionen Euro kosten...

Stöwer: Unser Vorschlag wird sein, dass wir eine entsprechende Kapitalerhöhung durchführen. Wir brauchen für diese Maßnahme die finanzielle Unterstützung der Gesellschafter.

Was wird vom Land Nordrhein-Westfalen zu erwarten sein?

Stöwer: Ich habe sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass die neue NRW-Regierung auch dem FMO finanziell helfen will. Man hat angedeutet, dass sich diese Beteiligung auf die ökologischen Sonderauflagen beziehen soll.

Von welcher Summe reden Sie?

Stöwer: Die ökologischen Maßnahmen gehen bis zu einem Wert von 15 bis 20 Millionen Euro. Wobei ich damit nicht sagen will, dass das Land 15 bis 20 Millionen zugesagt hat.

Wie viele Arbeitsplätze sind beim FMO eigentlich aktuell angesiedelt?

Stöwer: In der gesamten FMO-Gruppe, also inklusive Tochter- und Beteiligungsgesellschaften, etwa 550 Arbeitsplätze. Wenn man den gesamten Standort zusammenfasst - also mit allen anderen Unternehmen am FMO - kommen wir auf etwa 1800 Arbeitsplätze.

Wie wird sich diese Zahl nach einem möglichen Ausbau der Start- und Landebahn entwickeln?

Stöwer: Es gibt die Formel, die besagt, dass auf eine Million Fluggäste etwa 1000 Arbeitsplätze kommen. Wenn man diese Formel auf die Prognosen anwendet - also vier Millionen Fluggäste im Jahre 2015 - dann bedeutet das bei 2, 5 Millionen Fluggästen mehr als heute noch ein Potenzial von über 2000 Arbeitsplätzen mehr, die direkt am FMO-Standort entstehen können. Darüber hinaus noch viele mehr in der gesamten Region.

Gut, wenn man über Flughafenausbau spricht, dann gehören auch weitere Aspekte dazu - wie der gewünschte Autobahnzubringer Süd. Aber mal ehrlich, ist der FMO verkehrlich nicht schon gut angeschlossen?

Stöwer: Nun, das ist immer eine Frage, aus welcher Himmelsrichtung man kommt. Für Osnabrück und das Osnabrücker Land haben wir schon eine optimale Auto-bahnanbindung. Aber: 60 Prozent unserer Fluggäste kommen aus dem südlichen Bereich. Die fahren heute an der Anschlussstelle Greven ab und fahren dann über die Dörfer zum Flughafen. Deswegen ist ein direkter Autobahnzubringer zwischen Greven und Ladbergen unheimlich wichtig für den Flughafen.

Sachstand?

Stöwer: Der Kreis Steinfurt führt dazu ein Planfeststellungsverfahren durch. Ich gehe davon aus, dass das Verfahren 2006 beendet werden kann. Und so könnte man Ende 2006 / Anfang 200" mit dem Bau beginnen.

Stichwort Flughafen-Hotel?

Stichwort Flughafen-Hotel...

Stöwer: Naturlich auch ein Thema. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Gespräche mit Investoren und Betreibern geführt. Diese Gespräche gewinnen derzeit wieder an Dynamik, so dass ich optimistisch bin, hier in den nächsten Monaten etwas verkünden zu können.

Von welcher Hotelgröße gehen Sie denn aus?

Stöwer: Wir sprechen von einem Haus mit bis zu 140 Betten.

Sachstand FMO-Airport-park?

Der Airportpark ist ja kein Projekt, an dem der FMO direkt beteiligt ist. Dennoch befürworten wir naturlich dieses Projekt, weil es auch den Flughafen beleben wird. Hier haben sich die Stadt Münster, die Stadt Greven und der Kreis Steinfurt zusammengetan - entwickeln dieses Gewerbegebiet und sorgen dafür, dass sie dort auch Planungs- und Baurecht bekommen. Der erste Unternehmer hat sich ja schon angesiedelt.

Zur FMO-Verkehrsstrategie. Wenn Sie verstärkt auf die Karte Billigflieger setzen würden, hätten Sie schnell höhere Fluggastzahlen...

Stöwer: In der Tat. Wir konnten, wenn wir es wollten, in diesem Jahr ein Wachstum von 50 bis 60 Prozent verzeichnen, wenn wir Verträge mit den richtigen Billigfliegern gemacht hätten - also mit Gesellschaften wie Ryan Air und Easy Jet. Wir haben das aber bewusst nicht gemacht. Wir wollen in diesem Bereich zwar mitmischen, aber auch nur Vertrage mit Gesellschaften abschließen, die unter dem Strich auch wirtschaftlich für uns sind. Und wir haben bewiesen, dass wir mit Air Berlin und dba Gesellschaften gewinnen konnten, die in der Lage sind, die " normalen" Flughafengebühren zu zahlen. Sehen Sie als Gegenbeispiel den Flughafen Dortmund, der sich einen englischen Billigflieger eingekauft hat. Mit der Konsequenz, dass Dortmund in der Tat ein hohes Wachstum an Fluggästen hat. Zurzeit aber auch jährlich 30 Millionen Euro Verlust macht - Verlust, den die Gesellschafter tragen müssen. Ich habe keine Gesellschafter, die bereit sind, jedes Jahr 30 Millionen Euro in den Flughafen zu zahlen.

Ihre künftige Strategie?

Stöwer: Wir wollen weiter drei Säulen erhalten. Die erste Säule ist der klassische Linienverkehr. In der zweiten Säule wollen wir mit Touristikverkehr stark sein. Diese beiden Säulen weiden ergänzt durch den Low-Cost-Städtetourismus. Dieser Bereich aber, wie gesagt, mit Gesellschaften, die in der Lage sind, vernünftige Entgelte und Gebühren zu bezahlen.

Als Flughafen-Ceschaftsführer hat man ja sicher Visionen. Wie sehen Ihre aus?

Stöwer: Meine Vision ist, dass sich der Flughafen in den nächsten zehn bis 15 Jahren von einem heutigen Kontinentalflughafen zu einem Flughafen der Mittel- und Langstrecke entwickelt. Darüber hinaus ist meine Vision, noch viele tausende sichere Arbeitsplätze am Standort zu schaffen. Der Flughafen ist ein Motor der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region und wird es in Zukunft noch mehr sein. Bildunterschriften:

NUR EINE KLEINE PAUSE, kein Grund zum Zurücklehnen. Der FMO-Chef hat noch viel vor.

AUF DEM ROLLFELD: Mit Air Berlin (links) und der Lufthansa (rechts) will der FMO auch weiterhin eng kooperieren.
Autor:
Stefan Alberti


Anfang der Liste Ende der Liste