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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Beton blieb standhaft: Garage wurde kürzer gebaut
Zwischenüberschrift:
Bunker-Geschichten aus Osnabrück:
 
Monika Dellbrügge musste als Kind oft Kartoffeln aus dem Bunker holen - Wohnhaus wurde im Krieg zerstört
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Etwas schräg neigt sich die niedrige, schmale Tür in den Raum hinein. Schon dieser Anblick lässt vermuten, dass sich kein normaler Raum dahinter verbirgt. Auf der anderen Seite der Tür geht es drei Stufen abwärts, dann fällt ein Schacht vier Meter in die Tiefe, in diesem Bunker haben im Zweiten Weltkrieg sechs Familien Schutz gesucht.

Als der Bunker im Hinterhof ihres Hauses entstand, war Monika Dellbrügge noch gar nicht geboren. 1942 oder 1943 hat ihr Vater den Schacht bei einem Unternehmen in Auftrag gegeben. " Mein Vater war immer sehr auf Sicherheit bedacht", erklärt sie, warum der Scnuhmachermeister einen eigenen Bunker gebaut hat, statt den öffentlichen Schutzraum am Westerberg zu nutzen.

Alle Mieter aus dem Haus ihres Vaters durften sich bei Fliegeralarm in den Bunker im Hinterhof retten. Damit alle Platz in der Enge fanden, stand unten im Schacht eine runde Bank, erinnert sich Monika Dellbrügge. Immerhin sechs Familien haben in dem Haus gelebt - aber Monika Dellbrügge weist darauf hin, dass nicht alle Familienmitglieder während des Krieges in dem Haus anwesend waren. Ihre Mutter etwa hat mit ihren beiden Schwestern ab 1943 bei der Großmutter in Oesede gelebt, Monika Dellbrügge ist erst 1944 zur Welt gekommen.

Die Mieter, die sich in den Bunker flüchteten, haben erlebt, wie am 6. Dezember 1944 ihr eigenes Haus von einer Bombe zerstört wurde. " So haben wir den Nikolaus nicht erwartet", meinten ihre Eltern später über diesen Tag, wie Monika Dellbrügge berichtet.

Zahlreiche Häuser wurden an diesem Abend im mittleren Abschnitt der Natruper Straße - im Bereich zwischen der Wachsbleiche und Danziger Straße - komplett zerstört. Nach dem Krieg wurde der Bunker umfunktioniert: Die Familie nutzte ihn zur Aufbewahrung von Gemüse- und Kartoffeln, und daran kann sich Monika Dellbrügge noch sehr gut erinnern. Denn sie oder ihre Schwestern mussten oft in den tiefen und vor allem dunklen Schacht hinuntersteigen, um Kartoffeln zu holen.

" Wir drei Mädels fanden das gar nicht so witzig", erzählt sie. Geekelt hat sie sich etwa, wenn ihr im Dunklen eine matschige Kartoffel in die Hand geriet.

Heute wird der Schacht gar nicht mehr genutzt. Vor 50 Jahren hat Monika Dellbrügges Familie einmal versucht, den Bunker zu entfernen. An seiner Stelle sollte eine Autogarage entstehen. Aber gegen die Konstruktion aus Eisen und Beton kam damals kein Presslufthammer an. " Jetzt ist die Garage eben 70 Zentimeter kürzer, das ist ja auch egal", resümiert Monika Dellbrügge.

Bildunterschrift:
MONSTRUM AUS BETON UND STAHL: Der Bunker von Monika Dellbrügge ließ sich nicht entfernen. Der Eingang befindet sich in der Garage. Fotos: Klaus Lindemann
Autor:
rei


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