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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das Wasser lief die Wände runter
Zwischenüberschrift:
Bunker-Geschichten aus Osnabrück:
 
Hasestollen diente als Luftschutzkeller
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Pye (rei)

Bis 1897 haben Bergleute im Hasestollen Kohle abgebaut. 45 jähre später bekam er eine neue, lebenswichtige Funktion: Bewohner aus Pye und Haste nutzten den Schacht unter dem Piesberg im Zweiten Weltkrieg als Schutzbunker bei den Angriffen der Flieger. Ingrid Wiemeyer war damals ein Kind, aber sie kann sich noch an den Schacht erinnern. " Das sind Sachen, die vergisst man nie", sagt die heute 68-Jährige. Mit ihrer Mutter und " auf Vaters Fahrrad" ist die kleine Ingrid von Haste den Fürstenauer Weg hinauf bis zum Haseschacht gefahren. Ihre Mutter hatte immer durch das britische Radio erfahren, wann die Flieger kamen. Offiziell war es damals verboten, diesen Sender zu hören. Manchmal seien sie unterwegs von Soldaten angehalten worden. Die hätten sie gewarnt, dass die Flieger schon unterwegs seien. Aber ihre " energische" Mutter habe sich immer gegen die Männer durchgesetzt.

" Primitiv ausgebaut" sei der Schacht gewesen, bemerkt Ingrid Wiemeyer. Auf dem Boden hätten Bohlen gelegen, und der Stollen sei nur mit Schiffsarmaturen ausgeleuchtet worden. Feucht war es auch. " Das Wasser lief an den Wänden runter", beschreibt Wiemeyer den ungemütlichen Ort. Deshalb mochte sich auch niemand an die Wände lehnen.

Seit September 2000 ist der Stollen offen

Auch heute tropft Wasser aus den Wänden des Haseschachtes, aber auf dem Boden liegen keine Bohlen mehr. Und die Eisenstangen, auf denen Schlafliegen aus Holz befestigt waren, haben die Mitarbeiter des Museums Industriekultur aus den Mauern gerissen. Museumsdirektor Rolf Spilker weist auf die Löcher, die die Eisenstangen in den Wänden hinterlassen haben. Sie und die Berichte von Zeitzeugen aus den Lautsprechern, die Museumsbesucher hier hören können, weisen auf die Vergangenheit des Ortes hin.

Erst seit September 2000 ist der Stollen für die Öffentlichkeit zugänglich. In der Ausstellung des Industriemuseums hängt ein Schild aus dem Zweiten Weltkrieg, das auf den " Luftschutzkeller" verweist.

Als der Schacht Ende der 90er Jahre entschlammt wurde, haben die Mitarbeiter des Museums noch ein weiteres Relikt aus dieser Zeit gefunden: eine inzwischen komplett verrostete Haspelanlage.
Der Korb aus Metall, in den gerade mal ein Mensch passt, steht inzwischen in den Werkstätten am Piesberg. Spilker vermutet, dass die Anlage eigens für die Schutzbedürftigen in den Stollen eingebaut wurde - für den Fall, dass der Haupteingang - das " Mundloch" - bei einem Angriff verschüttet worden wäre. An diese Haspelanlage kann sich Ingrid Wiemeyer noch erinnern. Die Kinder seien immer nach hinten an den Füllort gelaufen, berichtet sie. Und da sei der " Dom" gewesen, wie sie damals den Rettungskorb nannte.

NUR EINE PERSON passte in den Förderkorb, mit dem die Schutzbedürftigen im Notfall aus dem Hasestollen wieder ans Tageslicht gekommen wären. Museumsleiter Rolf Spilker zeigt hier die Haspelanlage, mit deren Hiife der Korb nach oben gezogen werden konnte. Foto: T. Osterfeld
Autor:
rei


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