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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Niemals nebeneinander auf dem Bürgersteig!
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im Januar 1905: Die "Strassenordnung"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Pünktlich in der Silvesternacht fiel vor 100 Jahren die Temperatur auf minus 8 Grad, und am Morgen glitzerte Eis auf Flüssen und Seen - leider auch auf Straßen und Wegen. Stolz eröffnete der Eislaufverein am Neujahrstag seine überschwemmten Wiesen hinter dem Schlachthof von 10 bis 17 Uhr und lud zum Eislauf-Vergnügen ein.
Das neue Jahr wurde erst seit der Jahrhundertwende durch die Glocken sämtlicher Osnabrücker Kirchen gemeinsam eingeläutet. Leider waren nur die Glocken auf Harmonie gestimmt - die Konfessionen waren es damals nicht. Daher wünschte sich der Reporter des Osnabrücker Tageblattes für 1905, dass im neuen Jahr nicht nur von den Türmen, sondern auch in den Herzen ein harmonischer Gleichklang ertönen möge!
Eine Neuerung in der Stadt hatte in diesen Tagen den großen Auftritt: Die " Osnabrücker Trottoir- und Stras-sen-Reinigungs-Anstalt" reinigte, streute und entfernte Eis und Schnee streng nach polizeilichen Vorschriften. Gleichzeitig herrschte an den Küsten der Notstand. Die Tageszeitungen berichteten von Überflutungen und Seenot an Nord- und Ostsee und in allen Häfen.
Seit dem Jahreswechsel konnte man eine neue topografische Karte von Osnabrück und Umgebung erwerben, die als " klar und erfreulich" gelobt wurde. Mehrere Messtischblätter waren aneinander gearbeitet worden und boten so eine bisher nicht da geweseneÜbersicht. Den 6. Januar begingen die Osnabrück noch vor 100 Jahren höchst uneinheitlich. Da Dreikönig kein gesetzlicher Feiertag mehr war, durfte, musste aber nicht gearbeitet werden. Viele Gewerbebetriebe ließen die Arbeit ruhen, andere produzierten und verkauften weiter. Das Militär hatte Dienst, der Magistrat arbeitete, die Post und Reichsbank waren jedoch geschlossen, und in der Nähe von Kirchen durfte kein Lärm gemacht werden. Die Handelskammer hoffte darauf, dass " die alten Zöpfe" bald abgeschnitten würden und der Feiertag ganz wegfallen möge.
Nur vom 16. bis 21. Januar 1905 konnten Eltern das Schulgeld für Januar bis März im Rathaus entrichten. Wer nicht zahlen konnte oder wollte, musste mit einem Mahnverfahren rechnen. Die Zahlstelle zog das Geld für das Rathsgymnasium, die höhere Mädchenschule und die Bürger- und Gewerblichen Fortbildungsschulen ein. Die Zeltungen druckten erneut die " Osnabrücker Strassenordnung" ab: So durften Personen auf dem Bürgersteig nicht zu mehreren zusammenstehen und Kinderwagen niemals nebeneinander fahren, denn die Fußwege waren eng und schmal. Obstschalen wegzuwerfen und das beliebte " Polterabendwerfen" waren ebenfalls streng verboten. Alle Fahrer hatten Ihre Gespanne zu überwachen und durften nicht mit der Peitsche knallen, vielmehr mussten sie die Passanten durch Zuruf warnen. Die Wagen hatten abends beleuchtet zu sein, und Lastwagen, besondersjauche- und Düngerfuhren, mussten so dicht sein, dass nichts auf die Wege " durchfallen" konnte.
In den Straßen durfte nur in kurzem Trab gefahren werden, beim Ab- oder Einbiegen und in der Nähe von Kirchen war Schritt-Tempo vorgegeben. Besonders Radfahrer und Kraftfahrer waren aufgefordert, die Bestimmungen zum Schutz von Mensch und Tier einzuhalten und die Ordnung nicht " durch wüstes und rücksichtsloses Verhalten" zu beeinträchtigen.
An zwei Sonntagen gab es Benefiz-Veranstaltungen im Piesberger Gesellschaftshaus zu Gunsten des Kirchenbaues in Eversburg. Die Reichsbahn richtete dafür einen unentgeltlichen Pendelverkehr zwischen Osnabrück und Eversburg ein, um dem Publikum aus der Stadt die Teilnahme zu ermöglichen.

Bildunterschrift:
DER IMMER ZAHLREICHER WERDENDE STRASSENVERKEHR verlangte nach strengen Regeln, die in der " Osnabrücker Straßenordnung " festgehalten waren. Hier die Schlagvorder Straße, 1909.
Autor:
Christiana Keller


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