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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ohne die Durchsagen fehlt ihm was
Zwischenüberschrift:
Busfahrer Martin Tschöke erfüllt sich mit seinem Job einen Kindheitstraum
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück

9.57 Uhr Neumarkt, Bussteig A, Wagen 160, Linie 52 / 62. " Moin" grüßt Busfahrer Martin Tschöke die neuen Fahrgäste. Nicht alle grüßen zurück.

Von 5.03 Uhr bis 12.12 Uhr dauert heute seine Schicht. Gerade ist er aus der Dodesheide gekommen und steuert jetzt die Berningshöhe an. " Nächste Haltestelle Universität / Stadthalle" ertönt es aus dem Lautsprecher. Nimmt er das eigentlich noch wahr? Martin Tschöke überlegt kurz. " Doch, zumindest wenn sie ausfällt, fehlt mir was."

Die bekannte Stimme vom Band wird seit geraumer Zeit von einer anderen ergänzt, die die neuen Haltestellen spricht. " Achten Sie mal darauf", rät der Busfahrer: " Die ist etwas sonorer, ein wenig erotischer." Wenig später die Ansage, und Martin Tschöke stellt fest: " Die alte Stimme gefällt mir trotzdem besser."

" Hat schon jemand gemeldet, dass an der Uhlhornstraße/ Magdalenenstraße die Ampel ausgefallen ist?", fragt er über Funk. Defekte Ampeln oder kurzfristige Verkehrsstörungen werden von den Busfahrern sofort an die Zentrale weitergeleitet.

Die fünfminütige Pause an der Endstation Berningshöhe wird durch die Sperrung der Uhlandstraße derzeit auf eine Minute reduziert. Martin Tschöke geht einmal durch den Bus, um nachzuschauen, ob einer der Gäste etwas vergessen hat. " Es ist unglaublich, was man finden kann", erzählt er. Schirme natürlich, Handtaschen, Einkäufe, Handys, Umweltabos und einmal sogar einen Kinderwagen, " aber ohne Kind".

Wer sich nach einem Verlust schnell meldet, kann ebenso schnell das Verlorene wiederbekommen - vorausgesetzt, der Busfahrer findet es oder der Finder gibt es bei ihm ab. Wie zur Bestätigung kommt per Funk eine Nachfrage an den Kollegen auf der Linie 8, ob dort ein Umweltabo gefunden wurde.

Elf Minuten Pause am Neumarkt. Zeit für einen ausgiebigeren Plausch. Seit acht Jahren fährt der gelernte Kfz-Mechaniker mit Schwerpunkt Nutzfahrzeuge für die Stadtwerke Bus. " Damit habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt", lacht der 34-Jährige. Der Voxtruper Junge besuchte die Thomas-Morus-Schule und durfte einmal quer durch die Stadt. Aber auch am Nachmittag war er mit seiner Netzkarte ständig unterwegs.

Inzwischen sind wir auf dem Weg in die Wüste. An der Endstation ist es 10.57 Uhr. Eigentlich ist die Zeit abgelaufen, aber jetzt kommt noch die spannende Geschichte von der jungen Frau, die ihm ins Gesicht geschlagen hat, weil er von ihrem Begleiter den (nicht vorhandenen) Fahrschein sehen wollte. Mit einem Dritten randalierte das angetrunkene Pärchen im Bus zwischen anderen Gästen. Da hat Martin Tschöke die Polizei gerufen, die innerhalb von zwei Minuten da war. Denn, so erfuhr er anschließend von den Beamten, " wenn Taxi- oder Busfahrer die Polizei rufen, dann ist es wirklich ernst".

I

Am Ziegenbrink steigt ein kleines Mädchen mit einer noch kleineren Schwester ein und möchte eine Kinderkarte (die jüngere unter sechs Jahren fährt umsonst). 70 Cent legt die Größere auf den Zahlteller, 80 müssten es sein. Eine Dame, die am Hauswörmannsweg eingestiegen ist, kommt nach vorne und zückt ihr Portemonnaie. " Lassen sie mal stecken", sagt Martin Tschöke: " Ein Kind würd ich wegen zehn Cent doch nicht stehen lassen."

" Provokante Schwarzfahrer" erkennt er nach eigenen Aussagen sofort: Hinten einsteigen und in Türnähe sitzen. Die bittet er dann nach vorne und fragt nach dem Fahrschein: " Meist steigen sie kommentarlos wieder aus." Wenn Martin Tschöke als Kontrolleur eingesetzt wird, hört er immer wieder mehr oder weniger fantasievolle Ausreden, warum jemand keinen Fahrschein hat. Vergessen, " meine Frau hat mich verlassen und das Abo mitgenommen", oder der Aussiedler, der nach einem Jahr in Deutschland angeblich nicht wusste, dass Busfahren hier Geld kostet.
Bildunterschrift:
MARTIN TSCHÖKE begrüßt seine Fahrgäste mit " Moin" und freut sich, wenn sie zurückgrüßen.
Foto: Jörn Martens
Autor:
Ulrike Schmidt


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