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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Klirrren wie in der Arktis
Zwischenüberschrift:
Seidenschwänze: Seltene Wintergäste
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Gerhard Kooiker

Wüste

Acht lange Jahre mussten Osnabrücker warten, um hier Seidenschwänze zu sehen. Unerwartet und plötzlich sind sie wieder da. Rund 250 der starengroße Vögel wurden am Mittwoch und gestern um das Schulzentrum Wüste beobachtet. Droht uns ein kalter Winter oder die Hungersnot, der Krieg oder die Pestilenz?

Das dachten zumindest Menschen im Mittelalter, wenn die Vögel durch ihre unerwartete Invasion Argwohn und Erstaunen hervorriefen. Seit dem Spätmittelalter sind daher ihre Masseneinfälle in Europa bekannt und dokumentiert. Sie führten früher beiängstlichen Zeitgenossen zu Spekulationen, was der Art auch den Namen Kriegs- und Pestvogel eintrug. In Holland heißt er noch heute Pestvogel. Die letzten Großinvasionen wurden in den Wintern 1965/ 66 und 1995/ 96 registriert. Ganz wenige Seidenschwänze tauchten auch im Winter 2001 auf.

Die Wissenschaft hält dagegen: Seidenschwänze brüten in der Taigazone von Skandinavien bis Sibirien. Gibt es wenig Beeren (vor allem Vogelbeeren) oder zu viele Vögel, müssen sie bald abziehen. Dann kommen sie im Winter, unregelmäßig und nicht vorhersehbar, bis nach Mitteleuropa. Man spricht dann von " Irrgästen" oder " Invasionsvögeln". Ob auch harte Winter ein Wanderungsgrund sind, ist noch umstritten. Auch, ob die Vögel einen harten Winter anzeigen. Die Seidenschwänze kehren meist Ende März in ihre Brutgebiete zurück.

Ein Trupp von 250 Seidenschwänzen ist für unsere Region beachtenswert. So viele wurden noch nie registriert. Die Vögel sitzen auf den hohen Pappeln am OSC-Sport-zentrum, putzen sich und fliegen von dort nach unten in die Weißdorn-Bäume, die zurzeit mit roten Beeren übersät sind. Besonders in den Bäumen und hohen Sträuchern neben der Erich-Maria-Remarque-Realschule turnen zahlreiche Vögel im Geäst herum. Die ganze Luft ist erfüllt von ihren Rufen, einem silberhellen, kalten Sirren und Klirren, als ob zahlreiche Menschen ihre Schlüsselbunde bewegten.

Die Seidenschwänze ernähren sich im Winterhalbjahr fast ausschließlich von Beeren und Knospen und verzehren alles davon, was andere Vogelarten übrig gelassen haben. Hart gefrorene und verrottende Äpfel, auch am Boden, werden nicht verschmäht. Sogar Kartoffeln knabbern sie. Auf pflanzliche Nahrung spezialisiert, sind sie mit einem langen Darm ausgerüstet und verwerten diese Kost ausgezeichnet. Die attraktiven Seidenschwänze werden nicht lange bei uns bleiben und in wenigen Tagen weiterziehen.

Weitere Seidenschwanzbeobachtungen werden unter der Telefon 05 41 / 43 40 64 erbeten. Die Daten sollen zentral ausgewertet werden, um über den Einflug 2004 eine Aussage zu machen.
Autor:
Gerhard Kooiker


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