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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Auf dem Gipfel kam die Erkenntnis
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Von 1940 bis 1945 arbeitete Mieczyslaw Weglewski als Zwangsarbeiter in Pye
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Auf dem Gipfel kam die Erkenntnis

Von 1940 bis 1945 arbeitete Mieczyslaw Weglewski als Zwangsarbeiter in Pye

Von Thomas Wübker

Osnabrück

Mit 17 fängt das Leben erst an, sang einst Udo Jürgens. Mit 17 wurde Mieczyslaw Weglewski aus seiner Heimatstadt Lodz nach Osnabrück verschleppt, um im Piesberger Steinbruch zu arbeiten. Auf Einladung der Initiative Augustaschacht Ohrbeck e. V. und der Stadt Osnabrück kehrte er jetzt mit vier anderen ehemaligen polnischen Zwangsarbeitern nach Osnabrück zurück.

Im Mai 1940, acht Monate nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen, ist Mieczyslaw Weglewski als einer der ersten Zwangsarbeiter nach Osnabrück gekommen. Er wurde im Piesberger Steinbruch eingesetzt, um deutsche Arbeiter zu ersetzen, die zur Armee eingezogen wurden. Die Klöckner-Werke, die den Steinbruch betrieben, waren eins der ersten Unternehmen, die Fremdarbeiter in Eigeninitiative anforderten, erläutert Michael Gander, Vorsitzender der Initiative Augustaschacht Ohrbeck e.V.

In Lodz, wo Mieczyslaw Weglewski im Straßenbau arbeitete, bekam er die Aufforderung, sich am Bahnhof zu melden. Als er fragte, wo er hingebracht werden würde, bekam er als Antwort: " Das erfährst du im Zug." Endstation war für den damals 17-Jährigen Osnabrück, wo er zunächst im Steinbruch arbeitete und dann, wahrscheinlich auf Grund seines Alters, in die Ziegelei versetzt wurde.

In den fünf Jahren, in denen er am Piesberg arbeitete, lebte er zusammen mit 60 anderen Zwangsarbeitern in dem Haus Pye 63. Über Sehnsüchte wie Heimweh wurde aber untereinander nicht geredet, obwohl Mieczyslaw Weglewski einschränkt: " An die Mutter denkt jeder." Der Gedanke, ob sie jemals wieder nach Polen zurückkehren würden, wurde verdrängt.

Die Verpflegung, erzählt Mieczyslaw Weglewski, sei in Ordnung gewesen; erst nach dem Russland-Feldzug wurde sie zunehmend schlechter. Ganz anders ging es den sowjetischen Kriegsgefangenen, die ebenfalls im Steinbruch als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Für sie haben die Polen manchmal Brote hinterlegt, obwohl es verboten war. Mieczyslaw Weglewski hat gesehen, wie Leichen der russischen Arbeiter abtransportiert wurden. Sie haben sich regelrecht zu Tode geschuftet.

Die polnischen Zwangsarbeiter wurden besser behandelt als die russischen und wurden sogar entlohnt. Mieczyslaw Weglewski erhielt 200 Reichsmark im Monat. Er arbeitete an sechs Tagen in der Woche, jeweils neun Stunden lang. Urlaub gab es nicht.

Trotzdem nahm sich Mieczyslaw Weglewski zwei Tage frei, um seinen Vater zu besuchen, der in Hannover als Zwangsarbeiter lebte. Bei der Gestapo gab es deswegen eine Kartei über ihn. Er wurde zu einer Geldstrafe von zehn Reichsmark verdonnert, die er aber nicht zahlte. " Ich bin doch nur zu meinem Vater gefahren", sagt er und lächelt verschmitzt.

Am Dienstag besuchte Mieczyslaw Weglewski die Stätten, wo er fünf Jahre seines Lebens verbracht hat. An viel kann er sich zunächst nicht erinnern. Je mehr er aber die Hügel des Piesbergs erklimmt, desto mehr Erinnerungen steigen in ihm hoch. Als er auf dem Gipfel eines Hügels steht und über Osnabrück schauen kann, kommt ihm die Erkenntnis: " Ich war lange hier. Es ist ein Stück meiner Jugend", sagt er. Lange Zeit dachte er, er würde diese Orte nie Wiedersehen. Lange Zeit wollte er es auch nicht. Als sein Blick in den Steinbruch und über Osnabrück schweift, kommt doch so etwas wie eine stille Freude auf.

Die Initiative Ausgustaschacht Ohrbeck e.V. sucht Zeitzeugen, die etwas über das Schicksal der Zwangsarbeiter sagen können. Hinweise unter der Nummer 05401/ 832783.

IM PIESBERGER STEINBRUCH kennt sich Mieczyslaw Weglewski immer noch gut aus, obwohl er ihn 1945 zum letzten Mal gesehen hat. Foto: Uwe Lewandowski
Autor:
Thomas Wübker


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