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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Salzmarkthalle zum Ersten, zum Zweiten und ...
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Geboten sind nur 450 000 Euro
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Salzmarkthalle zum Ersten, zum Zweiten und...

Geboten sind nur 450 000 Euro

Von Wilfried Hinrichs

Osnabrück

" Den Personalausweis raus, eine Zahl nennen - so einfach geht das." Rechtspflegerin Monika Neumann ermuntert die 15 Zuhörer in Saal 208 des Amtsgerichts, sich das seltene Angebot nicht entgehen zu lassen. Das Angebot soll immerhin eine Million Euro kosten: Die Salzmarkthalle ist aufgerufen zur Versteigerung.

Als Erster zückt Wolfgang Ziemen seinen Personalausweis: " 450 000 Euro, für mich persönlich." Ist das ernst gemeint? Ziemen ist der Vertreter der Gläubigerbank, der HypoVereinsbank, die die ehemalige Fabrikhalle so teuer wie möglich an den Mann bringen will. Der Verkehrswert wurde vom Gericht auf eine Million Euro festgesetzt. Das bedeutet: Bei diesem ersten Versteigerungstermin darf der Zuschlag nicht erfolgen, wenn das höchste Gebot unter der Hälfte des Verkehrswertes liegt. Das schreibt das Gesetz so vor. 500 000 Euro müssen es also schon sein.

Um Punkt 11.07 Uhr eröffnet Monika Neumann die Bieterstunde, die tatsächlich eine halbe Stunde dauert. " Ich finde, das ist eine gute Chance hier heute." Sie blickt in die 15 Gesichter im Zuschauerraum, doch keiner muckt sich. Einige tuscheln, tauschen Bücke aus. Modellbahnhändler Peter Schwenderling, von dem man weiß, dass er brennendes Interesse an der Halle hat, geht mit seinem Anwalt nach draußen, offenbar um sich zu beraten. Eine zweite Gruppe folgt. Im Saal bleibt Schweigen zurück.

Wer jetzt zuschlägt, spart die Notariatskosten, die beim Grundstückskauf normalerweise anfallen. Er muss aber auch zehn Prozent des Kaufpreises in bar oder als Scheck auf den Tisch legen. Weiterer Vorteil: Die Halle geht sofort auf den Käufer

Sie können heute den Schlüssel holen

über. " Sie können sich gleich erkundigen, wo der Schlüssel hängt, und von mir aus heute Abend noch eine Party feiern darin, eine Zuschlagsparty vielleicht", schlägt Rechtspfleger Neumann vor. " Da würde ich sogar kommen."

Die Beratungsgrüppchen kehren in den Saal zurück. Die Uhr zeigt 11.28 Uhr. Die Bieter( halbe) stunde dauert noch neun Minuten. Wolfgang Ziemen unterbricht mit seinem Gebot das Schweigen.

11.37 Uhr. Monika Neumann versucht es ein letztes Mal: Die zweite Versteigerungsrunde werde frühestens am Ende des Jahres stattfinden. Also, jetzt sei noch Gelegenheit...

450 000 zum Ersten..., zum Zweiten..., zum Dritten. Das Höchstgebot bleibt unter der Marke von fünf Zehntel des Verkehrswertes, also darf sie den Zuschlag nicht erteilen, die Versteigerung ist gescheitert. Der Protokollführer hält das Ergebnis in seinem Computer fest, der Saal leert sich Bieter und Bankvertreter Wolfgang Ziemen nimmt das Ergebnis gelassen. Die Zwangsversteigerung der Immobilie aus der Konkursmasse des Osnabrücker Architekturbüros Hülsmeier wird von der Bank offenbar nur halbherzig betrieben.

Zehn Interessenten auf der Liste

" Wir werden den außerprozessualen Weg weiterverfolgen", sagt der Objektmanager. Er sei zuversichtlich, auf dem normalen Weg per Kaufvertrag das 1 726 Quadratmeter große Grundstück mit unterkellerter Fabrikhalle und Anbauten veräußern zu können. Zehn Interessenten gebe es. Deren Angebote habe die Bank aber zunächst nicht weiterverfolgt, weil die erste Priorität dem Wunsch der Stadt galt, dort das emma-theater unterzubringen. " Das war unser Ziel", sagt Ziemen. Vor drei Wochen hat die Stadt aus finanziellen Gründen einen Rückzieher gemacht - sehr zum Unwillen der Gläubigerbank, wie Ziemen durchblicken lässt.

Bekannt ist das Interesse von Peter Schwenderling, in der sanierten Salzmarkthalle eine Modellbahn-Welt aufzubauen. In der ehemaligen SaIzbar will er seinen Laden einrichten. Auch er wartet ab in der Hoffnung, dass der Pieis sinkt.

Objektmanager Ziemen macht ihm da keine Hoffnung: " Der Preis wird ziemlich dicht am Verkehrswert liegen, da bin ich mir sehr sicher."

WAS WIRD AUS DER SALZMARKTHALLE? Beim ersten Versteigerungstermin gestern im Amtsgericht lag das Höchstgebot bei 450 000 Euro. Foto: Jörn Martens
Autor:
Wilfried Hinrichs


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