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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Johannisfriedhof könnte Friedpark werden
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Unterschiedliche Ansichten bei Denkmalpflege und fachbereich Grün: Kompromiss in Sicht
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Unterschiedliche Ansichten bei Denkmalpflege und Fachbereich Grün: Kompromiss in Sicht

Schölerberg (uls) Der städtische Denkmalschutz und der Fachdienst Friedhöfe haben unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft des Johannisfriedhofs. Der Kompromissvorschlag: ein " Fried-Park".

Auf dem Johannisfriedhof finden seit 1995 keine Bestattungen mehr statt. Nach der Ruhefrist von 20 Jahren steht 2015 die endgültige Entwidmung an. Der städtische Denkmalschutz möchte am liebsten einen " Kulturpfad" anlegen.

Der Johannisfriedhof ist ein Stück beredte Stadtgeschichte. Hier trug man die Neustädter zu Grabe. Ebenso wie der größere Hasefriedhof wurde er aufgrund eines napoleonischen Erlasses 1809 außerhalb der zu eng gewordenen Stadtmauern angelegt. Hygienische Missstände veranlassten die französischen Besatzer dazu.

Am Hauswörmannsweg liegen namhafte Osnabrücker wie der Fliegerpionier Gustav Tweer und der Schauspieler Mathias Wiemann in heimatlicher Erde. An der Grenze der Stadtteile Schölerberg und Kalkhügel, räumlich durchtrennt durch die Magdalenenstraße, finden Besucher auf 6, 5 Hektar zwischen uralten Bäumen, steinernen Kreuzen, Bauten, Bänken und Brunnen die ganze Bandbreite der bürgerlichen Begräbniskultur aus zwei vergangenen Jahrhunderten: von schlichten Gräbern von Gefallenen bis zu aufwändig verstuckten Familiengräbern der Gründerzeit, umfasst von kunstvollen Schmiedegittern. Das gartenartige Familiengrab der Neustädter Textilfabrikantendynastie Hammersen ist typisch für die damalige Zeit.

" Wir wollen die tradierten Inhalte der Friedhofskultur bewahren", sagt der städtisehe Denkmalschützer Bruno Switala. Ihm schwebt eine Art " Kulturpfad" nach der Umwidmung zur öffentlichen Grünanlage vor. Beispielhaft für diese Idee stehen die Friedhofsführungen der Firma " Zeitseeing".

Erst 1977 begann man, die interessantesten Gräber vor dem endgültigen Verfall zu retten. Switala: " Wir möchten den Osnabrückern ihre Bestattungskultur vor Augen führen und schutzwürdige Objekte durch intensivere Maßnahmen erhalten." Dass eine parkähnlich genutzte Friedhofsfläche auch viel Geld kostet, ist ihm klar.

Einen Vorgeschmack gab jüngst die notwendig gewordene Renovierung der Johanniskapelle nahe der Iburger Straße, wobei man der Christengemeinschaft als Nutzer des neugotischen Gebäudes finanziell unter die Arme griff.

" Das alles kostet Millionen, die wir nicht haben", so die ernüchternde Einschätzung von Wolfgang Pfeiffer, Leiter des städtischen Fachdienstes Friedhöfe. Die Stadt habe die hohen Folgekosten noch gar nicht nachgerechnet. Der Fachbereich Grün und Umwelt habe immerhin bis jetzt 35 Arbeitskräfte verloren. Für die Pflege der verbleibenden elf städtischen Friedhöfe stehen laut Pfeiffer ganze 100 000 Euro pro Jahr zur Verfügung.

Die Erhaltung von Bestattungskultur sei nur eine der möglichen Lösungen. Vogelfreunde, Bauwillige und Freizeitfreunde hätten schon ihre Interessen angemeldet. Pfeiffer: " Die Vorstellungen liegen meilenweit auseinander." Im Stadtrat habe es sogar Gelächter gegeben, als jemand nach einer Wohnbebauung des Hasefriedhofs gefragt habe. " Fried-Park" lautet sein Kompromissvorschlag.

So könnten der historische Erhalt und der Freizeitaspekt eines öffentlichen Parkes kostendämpfend und gleichrangig zur Wirkung kommen. Immerhin hätten junge Leute an Wochenenden schon zwischen alten Gräbern gezeltet.

Ewiges Ruherecht

In direkter Nachbarschaft zum Johannisfriedhof liegt an der Magdalenenstraße der jüdische Friedhof. Er und sein Vorgänger haben eine weit zurückreichende Vergangenheit. Die erste Beisetzung fand hier am 16. November 1876 statt.

Im Mittelalter lag der jüdische Friedhof auf dem Westerberg an der Bergstraße. Für achtzig Goldgulden kaufte die jüdische Gemeinde am 16. August 1386 das Grundstück. Nachdem seit Mitte des 15. Jahrhunderts keine Juden mehr in Osnabrück lebten, hielt sich Ende des 18. Jahrhunderts die Stadt wortgetreu an den Kaufvertrag und setzte die erneut wachsende jüdische Gemeinde wieder in ihre Eigentumsrechte ein. Als die Bebauung des Westerbergs immer deutlichere Formen annahm, wurde der alte Gottesacker aufgegeben und die Gebeine in die Südstadt umgebettet. Noch viele Jahre später wurden bei Straßenbauarbeiten an der Bergstraße Knochen Verstorbener gefunden und zur Magdalenenstraße überführt. Der heutige jüdische Friedhof wird nach Schätzung der jüdischen Gemeinde in drei bis vier Jahren ausgelastet sein. Auf 2 500 Quadratmetern werden dann rund 500 Verstorbene hier ewiges Ruherecht haben. Es wird also keine spätere Entwidmung wie im Falle des Johannis- und Hasefriedhofs geben.

Ein neuer, dritter Friedhof für die jüdischen Einwohner Osnabrücks ist am Hegerfriedhof auf dem Gelände einer früheren Baumschule geplant.

ERHOLUNG UND ERINNERUNG könnten auf dem Johannisfriedhof in Einklang gebracht werden. Ein " Fried-Park" wäre möglicherweise die Lösung. Foto: Jörn Martens
Autor:
uls


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