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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Aus gutem Wein wird guter Essig
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Senf, Essig, saure Gurken: Osnabrücker Traditionsbetreib schließt seine Pforten
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Aus gutem Wein wird guter Essig

Senf, Essig, saure Gurken: Osnabrücker Traditionsbetrieb schließt seine Pforten

Von Frank Henrichvark

Osnabrück

Essig ist ein Grundnahrungsmittel: ohne Essig kein Salat, keine Gewürzgurke und keine Mayonnaise. Mehr als 70 Jahre ist in Osnabrück an der Bohmter Straße Essig hergestellt worden. Diese Tradition geht nun zu Ende: Die Firma Carl Kühne stellt ihre Produktion in Osnabrück zur Mitte des Jahres ein.

Wer einmal eine Flasche Wein zu lange offen stehen ließ, der weiß: Essig entsteht aus Alkohol. Die Essigsäurebakterien spalten durch Gärung den Alkohol auf, und es bleibt eine leichte Säure übrig. Dieser Prozess kann in der Weinflasche ablaufen - oder eben in riesigen Behältern,

" In den besten Jahren haben wir hier in Osnabrück bis zu zehn Millionen Liter Essig hergestellt", so berichtete der Geschäftsführer Josef Steutermann jetzt, " aber nachdem die Firma Kühne eine weitere Essigfabrik in Harnm hinzugekauft hat, war es mit dem Standort Osnabrück vorbei."

Steutermann, der seit nunmehr 50 Jahren in dem Betrieb an der Bohmter Straße das Geschäft von der Pike auf betrieben hat, kann sich an die besten Zeiten noch gut erinnern: " Damals waren hier in der Saison bis zu 200 Personen beschäftigt, wir machten Essig, Senf, Sauerkraut, legten Gurken ein."

Das ist mittlerweile alles vorbei. Noch steht das riesige Holzfass vor dem Betrieb, in dem der angelieferte hochprozentige Alkohol mit Essig und Wasser vermischt - " de-naturiert" - und untrinkbar gemacht wurde. Wenn eine solche Lieferung kam, waren sogar Zollbeamte dabei und prüften die Plomben - rieselten doch ganze Tankwagenladungen von 96-prozentigem Alkohol in den Bottich. Die Nährflüssigkeit, Maische genannt wie beim Bierbrauen oder Mostvergären, tropfte dann tagelang in ebenso großen offenen Behältern über grobe Buchenholzspäne. " Nach sechs bis sieben Tagen ist der Alkohol zu Essig geworden", so Rainer Fiening, " dann beginnt das Spiel von neuem."

Das Spaltprodukt der Essigbakterien wird gefiltert, es kommt als reiner Weinessig in den Handel: " Reiner Weinessig hat ein mildes Bukett, und man schmeckt die arteigenen Aromastoffe", so Fiening, der sich in langen Jahren bei Kühne die Berufsbezeichnung Essigmeister erworben hat.

Steutermann und Fiening werden in den nächsten Monaten den Betrieb an der Bohmter Straße abwickeln und die Hallen entkernen. Die Firma Carl Kühne, übrigens ein Nahrungsmittelkonzern mit 1400 Mitarbeitern und einem Umsatz von 350 Millionen Euro, der jährlich neben anderen Produkten 180 000 Tonnen Essig und 50 000 Tonnen Senf produziert, schließt zum Jahresende seine Osnabrücker Filiale.

Die beiden letzten von der Bohmter Straße sehen es mit Wehmut. Immerhin war der hier produzierte Essig dank der Gärung in reinen Holztanks so geschätzt, dass die Nahrungsmittelwerke im Südkreis der Zentrale in Hamburg noch eine halbjährige Verlängerung abhandeln konnten. Aber auch damit ist bald Schluss. Dann kommt der Abrissbager. Im nächsten Jahr sollen auf dem Gelände Wohnhäuser entstehen.

IN RIESIGEN FÄSSERN wird Alkohol zu Essig: Rainer Fiening in der Halle an der Bohmter Straße.Foto: Thomas Osterfeld
Autor:
Frank Henrichvark


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