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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Benzin gab es nur in der Apotheke
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im Jahre 1904: Das Automobil gilt als Ausnahmeerscheinung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Benzin gab es nur in der Apotheke

Osnabrück im Juni 1904: Das Automobil gilt als Ausnahmeerscheinung

Von Christiana Keller

Osnabrück

Der Fortschritt ging voran: Vom 1. Juni 1904 an dampfte eine neue Kleinbahnlinie vom Piesberg über Eversburg, Westerkappeln und Mettingen bis zum Kanalhafen Rheine. Nicht nur für Geschäftsreisende schien die neue Strecke interessant, sondern auch für Tagesausflügler.

Besonders Mettingen, damals ein Solebad, warb um Gäste, die dort " gute und billige Verpflegung" erwarten durften. Vom Dortmund-Ems-Kanal aus, die Station hieß Zumwalde, waren zwei große Moorgebiete erreichbar. Das Uffeler-Moor und das Heilige Meer lockten die Städter mit " seltenen Narureindrücken".

Im Anzeigenteil der Osnabrücker Zeitung wurden diverse Fortbewegungsmittel angeboten. Es gab Lokomobile für den industriellen und landwirtschaftlichen Einsatz, Kutschen, Fahrräder und Pferdedroschken, doch nur vereinzelt Annoncen für Automobile. Das nötige Benzin dafür, Gewichtsklasse 680, konnten die Besitzer in Fässern oder abgewogen in gut sortierten Drogerien kaufen.

Die " Erste Osnabrücker Automobilgesellschaft" warb mit dem folgenden Text: " Anerkannt gediegenste Wagen. Vor Kauf eines Wagens verlangen Sie bitte unseren Katalog. Preiswerte Unterkunft gekaufter Wagen in unserer Garage."

Immerhin 14 Motorwagen und 33 Krafträder waren 1904 im Juni gemeldet. Die Polizeidirektion warnte bei der Veröffentlichung dieser Zahlen abermals vor " übermäßig schnellem Fahren".

Das große Fest des Gymnasium Carolinum im September warf weiter seine Schatten voraus. Fieberhaft wurde auch über Zeitungsaufrufe nach Adressen ehemaliger Schüler gesucht. Einladungen waren schon verschickt, und nummerierte Festkarten konnten bereits erworben werden. Die Schüler bekamen wegen der Vorbereitungen in diesem Sommer nur drei Wochen Ferien, konnten sich aber dafür nach dem Fest auf vierwöchige Herbstferien freuen.

Zum zweiten Male veranstaltete der Provinzialgartenbauverein einen Vorgarten- und Balkon-Wettbewerb. Alle Besitzer von Vorgärten bis zu 5 Meter Tiefe und aller Balkone, die von der Straße aus sichtbar waren, durften daran teilnehmen. Der Wettbewerb diente somit der Verschönerung des Straßenbildes.

Als die Akazien in voller Pracht blühten, klärte ein Fachmann in der Presse darüber auf, dass es sich dabei um Robinienbäume handele, die auch Scheinakazie genannt werden. Richtige Akazien gäbe es in Osnabrück nicht.

Auffallend wenig Schwalben fanden ihren Weg zur Brutzeit nach Osnabrück. Fachleute vermuteten den Grund in dem großflächigen Vogelfang an den spanischen und italienischen Küsten, dort galten die Schwalben nach wie vor als kulinarische Delikatesse.

Nach einigem Hin und Her bestätigte die Stadt erneut, dass der Durchbruch Große Straße-Georgstraße zustande kommen würde. Mittlerweile waren einige Anlieger mit den Forderungen für ihre Gebäude heruntergegangen, und der Magistrat plante die Kosten für die Fahrbrücke über die Hase selbst zu tragen.

Für die Rackhorst' sche Buchhandlung hatte Bauunternehmer Thor ein neues Haus zu bauen, und bis zu dessen Vollendung konnte das beliebte Geschäft in seinen Räumen bleiben. Ab März 1905 waren die drei abzubrechenden Häuser an der Großen Straße dann ohne Mieter, erst danach sollte der Abbruch beginnen.

Über den Schulschluss an heißen Tagen befand ein neues Rundschreiben der Schulbehörde. Der Unterricht durfte keinesfalls über vier Stunden dauern, wenn das Thermometer morgens um 10 Uhr schon 25 Grad im Schatten anzeigte. Das Messgerät musste aber an einer wind- und zugfreien Stelle montiert sein. Hitzeferien gab es besonders für kleine, niedrige Schulräume und überfüllte Klassen, hier genügten schon 20 Grad im Schatten. Kinder die einen weiten, schattenlosen Weg zur Schule hatten, sollten vom Nachmittagsunterricht befreit sein.

Auf Langeoog befand sich ein Erholungsheim, das besonders den Osnabrücker Beamten in der Osnabrücker Zeitung empfohlen wurde, immerhin standen die Sommerferien bevor. Eine Woche Vollpension kostete 25 Mark pro Person, das kleinere Mansardenzimmer war schon für 4 Mark in der Woche erhältlich. Für die erholungsbedürftigen Staatsdiener bestand eine gute Verkehrsverbindung. Der Weg führte über Rheine - Emden - Morden - Esens mit dem Zug, weiter mit dem Bus und zuletzt mit der Fähre.

An Frauen und Mädchen richtete sich dagegen die Anzeige einer neu gegründeten Lungenheilanstalt im Harz. Ab 3.40 Mark pro Tag erhielten die Kranken dort Unterkunft, Verpflegung und Bäder.

DAS ECKHAUS der Rackhost' schen Buchhandlung noch vor dem Durchbruch, aufgenommen von Rudolf Lichtenberg im jahr 1904, als das Nebenhaus bereits geräumt war.
Autor:
Christiana Keller


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