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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Inhalt:
Überschrift:
Wie eine Chipfabrik im 19. Jahrhundert
 
Den Sonntag zum Erlebnis für die Familie machen
 
"Maifire" zum Geburtstag
 
So entsteht ein Museum
Zwischenüberschrift:
Zehn Jahre Museum Industriekultur: Im Haseschacht werden Fortschritt und Rückschritt lebendig
 
Angebote rund um den Haseschacht
Artikel:
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Originaltext:
Von Rainer Lahmann-Lammert

Osnabrück

Jahrzehntelang kannten ihn die Osnabrücker nur als Ruine. Ohne Fenster, ohne Dach, mit zerbröselnden Mauern, aus denen schon die Birken wuchsen. Aber selbst in diesem erbarmungswürdigen Zustand beherrschte er noch souverän die Silhouette des Piesbergs. Für den Haseschacht, 1871 als Kohlezeche errichtet, begann vor zehn Jahren ein neues Leben. Er wurde zum Inbegriff des Museums Industriekultur.

Schon vor 40 Jahren spukte die Idee durch die Köpfe einiger Osnabrücker. Hans Wolfgang Kindervater, damals Redakteur beim Osnabrücker Tageblatt, warb in Industriellenkreisen für ein " Wirtschafts- und Gewerbemuseum". Schon bald war vom " Industrie-Museum" die Rede. Ausgestellt werden sollten " Gegenstände, die vor ein oder zwei Generationen allgemein im Gebrauch waren", der " Jugend von heute" aber nichts mehr sagten. Also, wie es in einem Aktenvermerk von 1967 hieß, " alte Gasuhren, Telefonapparate, Autokarosserien, Webstühle, alte Büroeinrichtungen (Comptoir) u. dergl.".

Es blieb still um das Industriemuseum, bis die Kulturverwaltung Anfang der 80er Jahre die Kohlezeche am Fürstenauer Weg ins Gespräch brachte.

Ganz allmählich wurde die Sache zum Selbstläufer. Mit dem Haseschacht bekam die Idee ein Gesicht, schon bald auch eine neue Wendung. Rolf Spilker, ein gelernter Installateur, der es auf dem zweiten Bildungsweg zum Sozialhistoriker gebracht hatte, begann Mitte der 80er Jahre als ABM-Kraft mit dem Aufbau des Museums. Der heutige Leiter streifte damals selbst den Blaumann über, um die Goslingsche Dampfmaschine zu zerlegen, die damals vor der Schlikkerschen Villa am Heger-Tor-Wall vor sich hinrostete.

Ohne sich vorher abzusichern, kündigte Spilker schon bald die Abkehr von der reinen Maschinenschau an. Stattdessen sollte sich nun alles um die Industriekultur drehen. Besonders um die Frage, wie die Industrialisierung das Leben der Menschen in Osnabrück und Umgebung verändert hat. Warum sich das Rad des Fortschritts nicht schneller oder langsamer gedreht hat als zum Beispiel im Ruhrgebiet.

Dieses Programm war maßgeschneidert für den Haseschacht, der seit 1986 keine Ruine mehr ist. Mit Landesmitteln wurden die Mauern gesichert, aus deren Fugen sich noch kurze Zeit vorher Dutzende von Birken mit Nährstoffen versorgt hatten. Die alte Zeche von 1871 bekam ein neues Dach, bald auch neue Fenster.

In der Zeit der Industrialisierung galt eine Kohlezeche als ähnlich hoffnungsvolles Unterfangen wie heute eine Chipfabrik. Es war die Stadt Osnabrück, die in den Bergbau investierte, weil sie ihren Haushalt aufbessern wollte. Sogar die Planung der Eisenbahn wurde davon beeinflusst. Sie wurde ganz nah an den Piesberg gelegt.

Aber die Zeche brachte der Stadt kein Glück, weil die Piesberger Kohle gegenüber der Ruhrgebietskonle nicht konkurrenzfähig war. Immer größere Pumpen und immer größere Dampfmaschinen mussten angeschafft werden, um das Grubenwasser aus dem Schacht zu pumpen. 1889 verkaufte die Stadt den Betrieb an den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, neun Jahre später kam das Ende der Osnabrücker Kohlezeche.

Die Geschichte von Fortschritt und Rückschritt, von Enttäuschung und Hoffnung zieht sich wie ein roter Faden durch das Museum und seine Ausstellungen. Industriekultur, das heißt auch, einen Eindruck von den Arbeitsbedingungen zu vermitteln, vom Lärm an der Schmiedepresse und von der Enge unter Tage. Der 1999 wieder freigelegte Hasestollen ist der Clou des Museums. Mit einem gläsernen Fahrstuhl geht es 30 Meter in die Tiefe. Eine verrückte Idee, die Wirklichkeit geworden ist.

30 METER TIEF, 262 METER LANG: Der Hasestollen unterhalb der alten Kohlezeche. Hier mit einer Installation aus der Ausstellung " Unbedingt modern sein" von 2001.

AUFERSTANDEN AUS RUINEN: Der Haseschacht um 1985, kurze Zeit vor der Restaurierung.

Den Sonntag zum Erlebnis für die Familie machen

Angebote rund um den Haseschacht

Osnabrück (swa) Pyes Ortsbürgermeister Josef Thöle spricht gern von der Industriekulturlandschaft Piesberg. Tatsachlich haben sich das Museum Industriekultur und sein Umfeld inzwischen zum Freizeittipp entwickelt. Rund um das Haseschachtgebäude am Fürstenauer Weg kann ein Sonntagnachmittag problemlos zum Erlebnis für die ganze Familie gestaltet werden.

Neben den Standard-Öffnungszeiten des Museums mittwochs bis sonntags, 10 bis 18 Uhr, können Besucher sonntags um 14.30 Uhr an einer kostenlosen Führung teilnehmen. Höhepunkt sind ein Gang durch den Hasestollen und die Inbetriebnahme der großen Dampfmaschinen. Wer Lust hat, kann in der mechanischen Werkstatt sehen, wie sich die von Riemen angetriebenen Maschinen bewegen.

Wer nach dem Rundgang frische Luft braucht, kann sich am Wochenende auf eigene Faust samstags ab 14 Uhr und sonntags auf den etwa 5, 5 Kilometer langen Rundwanderweg um den Piesberg machen. Vom Haseschacht gelangt man über den Fürstenauer Weg und die Lechtinger Straße zum Stüveschacht, einer Industrieruine im Dornröschenschlaf. Von hier aus geht es weiter Richtung Wasserhochbehälter. Nach etwa der Hälfte des Rundkurses erreicht der Wanderer die Aussichtsplattform, von der aus er einen Blick auf die atemberaubende Kulisse des Steinbruchs werfen kann. Für den Museumspädagogen Dr. Ulrich Winzer ein " faszinierender Blick in 300 Millionen Jahre Erdgeschichte".

Die Führungen " Unbekannter Piesberg - auf dem Weg zur Buga" werden an jedem zweiten Sonntag ab 10 Uhr angeboten. Nächster Termin: 18. April. Ein Schmankerl bei der etwa vierstündigen Wanderung ist der Aufstieg zum Fuße der Windräder. Bei guter Sicht ein Erlebnis.

Im Museum können Kinder ihren Geburtstag feiern oder in der historischen Druck- und Papierwerkstatt arbeiten. Rege Nachfrage erzeugt das Angebot " Kinder sprechen mit Experten"; hier öffnet das Museum Fabriktore in der Region. Infos dazu und zu frei vereinbarten Gruppenführungen unter Tel. 9 12 78 46.

Museumsdirektor Rolf Spilker führt am Ostersonntag durch den Piesberg und informiert dabei über das Museum. Treffpunkt: 10 Uhr vor dem Haseschachtgebäude.

BLICK IN DEN PIESBERG: Von der Aussichtsplattform im Nordosten des Tagebaus bietet sich ein faszinierender Einblick in 300 Millionen Jahre Erdgeschichte.

" Maifire" zum Geburtstag

Osnabrück

Das Museum Industriekultur Osnabrück feiert seinen zehnjährigen Geburtstag. Aus diesem Grund gehen wir mit unserem Thema der Woche auf die Entstehung und Weiterentwicklung des Museums am Piesberg ein. Am 1. Mai findet zum Jubiläum eine " Maifire" von 10 bis 22 Uhr rund um den Haseschacht am Fürstenauer Weg statt. Zum Programm unter dem Motto " Auf dem weg zur Buga 2015" gehören das 2. Osnabrücker Baggerballett, ein Licht- und Feuerspektakel, Kinderspaß mit Volker Rosin, historische Eisenbahnfahrten, Puppentheater, Musi-Comedy und Fahrten mit der dampfgetriebenen Kindereisenbahn.

Zeitschiene

So entsteht ein Museum

1966: Erste Überlegungen, in Osnabrück ein " Wirtschafts- und Gewerbemuseum" zu gründen.

1981: Kultusdezernent Siegfried Hummel will ein Industriemuseum im Haseschacht einrichten.

1985 / 86: Sanierung der Haseschacht-Ruine mit einem Landeszuschuss über 800 000 DM.

1988: Das Deutsche Museum in München zählt den Haseschacht in einem Gutachten zu den fünf wertvollsten Industriedenkmalen in Niedersachsen.

1990: Im Rathaus wird ein Förderverein für das Museum Industriekultur gegründet.

1994: Helga Schuchardt, Ministerin für Wissenschaft und Kunst, eröffnet das Museum Industriekultur am 30. September.

1996: Das Magazingebäude wird fertig gestellt.

2000: Der Haseschacht erhält einen gläsernen Fahrstuhl. Im Rahmen eines Expo-Projekts wird der Hasestollen für Besucher geöffnet.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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