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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Ich dachte, da wären vielleicht noch Knochen
Zwischenüberschrift:
Schüler erforschen alten Bunker
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
, Ich dachte, da wären vielleicht noch Knochen"

Schüler erforschen alten Bunker

Schölerberg (tw) Die Kinder der 3a der Jellinghausschule kennen den Bunker am Schölerberg schon lange, weil sie dort im Wald gespielt haben. " Wir dachten, es wäre ein altes Steinhaus", sagt der neunjährige Robin. Jetzt hat die Klasse von Hermann Rölker nachgeforscht und erfahren, welche Geschichte wirklich hinter dem Bunker steckt.

" Das war ein Raum, wo man vor Bomben geschützt sein sollte", weiß der zehnjährige Sven jetzt. Die Schüler fanden außerdem heraus: Als der Bunker noch benutzt wurde, herrschte Krieg in Deutschland. In Osnabrück starben 1314 Menschen, 68 Prozent des Stadtgebiets wurden zerstört. Um diese Informationen zu bekommen, haben die Kinder Bücher gelesen, im Internet recherchiert und alte Leute befragt, die am Schölerberg wohnen und den Krieg zum Teil miterlebt haben.

" Das war böse, dass die den Krieg angefangen haben", findet die achtjährige Dorina. Und die gleichaltrige Melanie ergänzt: " Hitler war so bescheuert." Wer genau Hitler war, wissen die Grundschüler aber nicht. Ein Politiker oder Präsident, vermuten sie. " Den haben alle gewählt, weil sie dachten, er bringt sie aus der Krise", glaubt der neunjährige Jakob.

Nach und nach fanden die Kinder immer mehr über den Zweiten Weltkrieg heraus, über Adolf Hitler, den Nationalsozialismus und den Judenmord. Dabei gingen sie auch dem Gerücht auf den Grund, dass im Bunker zwei Jungen eingesperrt worden seien. " Ich dachte, da wären vielleicht noch Knochen", erklärt die neunjährige Büsra. Sie hatte sich ein wenig gefürchtet, bevor sie zusammen mit den anderen den Bunker besichtigte. Aber die Geschichte haben wohl nur besorgte Eltern erfunden, damit ihre Kinder nicht dort spielen.

Viel beeindruckender finden die Kinder die Erzählungen, die sie zum Beispiel von der Oma einer Mitschülerin hörten, die als Zehnjährige im Bunker Schutz suchte. " Da fühlt man sich allein und es brummelt so", erzählt die achtjährige Julia. " Da hat man Schiss", verrät Melanie.

Im Bunker sei es dunkel, feucht und dreckig gewesen. Der Sauerstoff sei nach einer gewissen Zeit knapp geworden, erzählen die Kinder. " Man musste sich auch angezogen ins Bett legen, damit man schnell in den Bunker gehen kann", berichtet Lennart. " Und wenn in der Nähe eine Bombe explodiert ist, sind die Lungen der Leute wegen dem Luftdruck geplatzt", sagt der neunjährige Lars geschockt. Neben diesen Geschichten um den Bunker und den Krieg haben die Schüler der 3a auch etwas über ihren Lehrer erfahren. Als er im April 1945 auf die Welt kam, verhängten die britischen Besatzer eine Ausgangssperre, und niemand durfte nachts auf die Straße. " Die Eltern von Herrn Rölker mussten sich durch das Moor schleichen, als er geboren wurde", wissen die Kinder.

ZUM AUFREGENDEN ABENTEUER wurde die Zeitreise am Schölerberg. Die Klasse 3a der Jellinghausschule versuchte mehr über die Geschichte des alten Bunkers zu erfahren.
Foto: Jörn Martens

Der Bunker

Auch der Osnabrücker Maler Franz Hecker suchte in einem Bunker Schutz, verlor darin am 21. November 1944 aber sein Leben. Er flüchtete an diesem Tag in einen Schutzstollen am Schölerberg vor den Bomben, die alliierte Flugzeuge über Osnabrück abwarfen. Zusammen mit seiner Schwester, seiner Haushälterin und 51 Kindern aus dem Kinderheim an der Iburger Straße fand Hecker in dem Bunker den Tod. Eine Bombe fiel in den Eingang und explodierte. Der Bunker, der in der Nähe des Kinderhospitals zu finden war, ist heute nicht mehr zu sehen. Über ihn ist Gras gewachsen. Die Gedenktafel, die einst an Hecker erinnerte, ist ebenfalls verschwunden.
Autor:
tw


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