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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
"Der Bus nach Bohmte?" Spurensuche am Bahnhof
 
"Jede Nacht rollen Chemie-Züge durch die Stadt"
 
Um 18.34 Uhr stand die Lok auf den Rädern
Zwischenüberschrift:
Bahnmitarbeiter geben pausenlos Infos an die Reisenden
 
Nach der Beinahe-Katastrophe auf der Bremer Brücke: Unglücksort gleicht einer Großbaustelle - Im Ersatzbus nach Bohmte
 
Feuerwehrchef Jürgen Knabenschuh schließt weitere Unfälle nicht aus - Hat die Bahn an der Sicherheit gespart?
 
Unglücksort ist eine Großbaustelle
Artikel:
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Originaltext:
Nach der Beinahe-Katastrophe auf der Bremer Brücke: Unglücksort gleicht einer Großbaustelle - Im Ersatzbus nach Bohmte

" Jede Nacht rollen Chemie-Züge durch die Stadt"

Feuerwehrchef Jürgen Knabenschuh schließt weitere Unfälle nicht aus - Hat die Bahn an der Sicherheit gespart?

Osnabrück (d.) " Nacht für Nacht rollt ein großer Chemie-Shuttle durch Osnabrück. Waggon an Waggon, gefüllt mit giftigen, entzündlichen, ätzenden Stoffen. Natürlich machen wir uns Sorgen um die Sicherheit", sagt Feuerwehrchef Jürgen Knabenschuh.

Bahnmitarbeiter bestätigen, dass durch den Bahn-Knotenpunkt Osnabrück vor allem nachts viele Gefahrstoffe transportiert werden. Geschwindigkeitsbegrenzungen gebe es für Züge nur dort, wo viele Weichen sind. " Durch den Bahnhof, Gleis 1 und 2, dürfen die mit Tempo 100 rauschen." Jeder Lokführer erhalte einen Plan, auf welcher Strecke er wie schnell fahren darf.

Der Feuerwehrchef weiß, dass Unfälle mit Güterzügen relativ selten sind. " Doch wenn es rummst, dann richtig." Ohne den Ermittlungsergebnissen des Eisenbahnbundesamtes über die Ursache vorgreifen zu wollen, fragt sich der Brandexperte, ob die Bahn vielleicht in einigen Bereichen zu viel Personal und damit Sicherheitskontrollen abgebaut habe. Dass in der Nacht die Zusammenarbeit mit der Bahn geklappt habe, habe auch an den Anstrengungen der Katastrophenschützer in der Region gelegen. Schon Vorjahren haben sich die Kräfte an der Bahnstrecke zwischen Münster und Osnabrück zur " Bahn Regio" zusammengeschlossen. Großübungen hätten auf Fälle wie am Mittwoch vorbereitet und Kontakte hergestellt. " Ein Anruf, und die Flughafenfeuerwehr Münster kommt oder der Gefahrstoff-Messtrupp des Landkreises."

" Das alles war unsere Eigeninitiative, die einmalig in Deutschland ist. Doch die Bahnstrecken hören nicht hinter Münster oder Osnabrück auf." Jemand müsste den Startschuss geben, damit auch anderswo Zusammenarbeit aufgebaut werde. " Nach dem 11. September 2002 wurde viel versprochen für den Katastrophenschutz.

Doch umgesetzt worden ist noch nicht sehr viel."

Ein Gefahrgutunfall auf der Autobahn passiere zwar häufiger, erreiche aber nie die Dimensionen wie ein Zugunglück. Die Feuerwehren, Sondereinsatzgruppen Rettung und das Technische Hilfswerk der Region hatten deshalb schon vor Mittwochabend für dieses Jahr eine weitere Bahnübung geplant: Ein Zugunglück in Sutthausen soll angenommen werden an einer Stelle, die nur schwer zu erreichen ist.

Als Konsequenz aus dem jüngsten Bahnunfall wird Knabenschuh den Ratsgremien vorschlagen, die Haushaltsmittel für die Feuerwehr umzuschichten. " Wir brauchen ein Großtanklöschfahrzeug mit einem über Funk fernsteuerbaren Wasserwerfer, den wir aus der Deckung heraus einsetzen können."

Zwei Bahnunglücke in zwei Jahren in Osnabrück. Für die Zukunft bleibt Knabenschuh pessimistisch. Es könne sich jeden Tag eine weitere Katastrophe ereignen.

Um 18.34 Uhr stand die Lok auf den Rädern

Unglücksort ist eine Großbaustelle

Osnabrück (d.) Gestern Abend wurde es noch einmal kritisch, Explosionsgefahr. Es war der Augenblick, als große Kräne von KVN den ausgebrannten Kesselwagen anhoben. Um eine erneute Entzündung der Propangasreste zu verhindern, wurde die Umgebung von der Feuerwehr mit Löschschaum eingesprüht. Vorher, um 18.34 Uhr, war schon die Lok wieder auf die Räder gestellt worden.

Den ganzen Tag über war die Unglücksstelle an der Bremer Brücke eine große Baustelle. Chemie-Brandexperten von BASF und Bayer hatten, unterstützt von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW), das Propangas aus drei nicht leckgeschlagenen Kesselwagen abgepumpt und die Restgase abfackeln lassen. Mit 20 Mann waren die Mitarbeiter von TUIS, dem Transport- und Informationssystem der Chemischen Industrie, im Einsatz.

An anderen Stellen betätigten sich knapp 30 Freiwillige vom THW aus Osnabrück, Lohne und Bad Essen als Straßenbauer: Sie verlegten Schwellen und Schotter für die Kranwagen, die ab dem Abend die verunglückten Waggons zumindest von den Hauptgleisen bergen sollten. Dem schweren Gerät musste der Weg über die Schienen geebnet werden.

Unterwegs auch noch immer die Ermittler des Eisenbahnbundesamtes und des Bundesgrenzschutzes. Die Unglücksursache ist noch nicht vollständig geklärt, ebenso wenig die Frage, wie viele Millionen der Schaden beträgt. Die Kosten für den Großeinsatz wird die Bahn tragen müssen. Insider rechnen damit, dass es Jahre dauern wird, herauszufinden, welche Bahntochter welche Kosten bezahlen muss.

Auch wenn gestern begonnen wurde, ausgebrannte Lok und vier der verunglückten Kesselwagen von den Schienen zu heben, um - vielleicht heute - die Bahnstrecke nach Bremen wieder freigeben zu können: Die Aufräumarbeiten auf den anderen Gleisen und die Wiederherstellung der zerstörten Schienen, Signale und Hochspannungsleitungen wird noch Wochen dauern.

Die beiden Supermärkte Comet und Aldi und die Posten-

Containerstadt für die Helfer

börse direkt an der kleinen Stichstraße waren auch weiterhin geschlossen - wegen der Nähe zur Unglücksstelle und weil sich ihre Parkplätze in ein Baulager mit Schwerlastverkehr verwandelt hatten.

Auch eine kleine Zelt- und Containerstadt ist aufgebaut: Damit sich die Einsatzkräfte zwischendurch ausruhen und - nachdem der Regen einsetzte - trocknen konnten. Sogar eine Chemie-Toilette ist aufgebaut.

Das DRK sorgte, wie schon am Donnerstag, für Kaffee, Würstchen, Brötchen und heiße Suppe. Und auch andere dachten an die Helfer: Am Mittag kamen Marianne Friederich, Gerda Nahrstedt und Hannelore Gottwald von der Osnabrücker Tafel und brachten mehrere Paletten mit Sahnetörtchen, die ihnen gespendet worden waren.

AM SIGNAL 112 (links auf den Gleisen) direkt neben der Gartlage, wo gerade das Jahrmarkt-Riesenrad aufgebaut wird, hätte der Zug halten müssen. Die Bremsen versagten, nach 500 Metern, hinter der Bremer Brücke, sprang der Zug aus den Schienen.

BIS IN DIENACHT pumpten Feuerwehrleute das Propangas aus den verunglückten Waggons. Auch bei diesen Arbeiten bestand weiter Explosionsgefahr.

SAHNETÖRTCHEN für die Helfer von der Osnabrücker Tafel übergaben Feuerwehrchef Jürgen Knabenschuh (von links) Hannelore Gottwald, Gerda Nahrstedt und Marianne Friederich.

" Der Bus nach Bohmte?" Spurensuche am Bahnhof

Bahnmitarbeiter gaben pausenlos Infos an die Reisenden

Osnabrück (kw) " Wo geht es hier denn Richtung Bohmte?" - Das war gestern die am meisten gestellte Frage am Osnabrücker Hauptbahnhof. Viele Bahngäste wussten aber inzwischen Bescheid: Zwischen Osnabrück und Bremen gab es nur noch einen " Schienenersatzverkehr". In den Zügen wurde darauf hingewiesen, und auch im Bahnhofgebäude rieselten Fahrgastinfos auf die Menschen gerab.

Wer allerdings verwirrte Menschen und hektische Unruhe erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Schon vor dem Hauptbahnhof warteten mit Ann-Kristin Grier-son und Sabine Bruß zwei hilfsbereite Service-Mitarbei-terinnen in knallroten Westen auf die Fahrgäste. " Die Leute sind auf die Busse eingestellt und eigentlich nicht genervt", so der Eindruck bei Ann-Kristin Grierson.

Horst Braun aus Wuppertal wusste noch nicht, wohin er sollte. " Etwas mehr Informationen wären nicht schlecht", machte er seinem Unmut Luft und stellte sich in der Warteschlange vor dem Infoschalter an. Die vier Frauen um Claudia Eickhoff aus Soest dagegen ließen sich

Neugierige Blicke auf die Unfallstelle

nicht aus der Ruhe bringen. " Wir haben Kurzurlaub, ob die Fahrt nun zwei Stunden länger dauert, ist uns heute egal", erklärten sie fröhlich.

Im Zug-Ersatz-Bus nach Bohmte zeigte sich Michael Mohr aus Twistringen erleichtert darüber, dass keine Menschen bei dem Unglück zu Schaden gekommen sind: " Da nimmt man solche Verspätungen gern hin", sagte er und schaute interessiert aus dem Fenster. Der Bus fuhr direkt an der Unfallstelle vorbei, alle Fahrgäste blickten neugierig in Richtung Bahnschienen.

" Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus", so das Motto von Ersatz-Busfahrer Johannes Vogelpohl. Von Nörglern und schlecht gelaunten Mitmenschen ließ er sich in den letzten Tagen nicht aus der Fassung bringen.

Nantke Krips sah am Freitagmorgen von ihrem Zug in Bohmte nur noch die Rücklichter. Aber bei ihr war der Ärger vom Morgen auf der Rückfahrt längst verflogen, " Die Organisation fehlte, aber man kann es ja nicht ändern", zeigte sie Verständnis. Am zweiten lag nach der Beinahe-Katastrophe waren die Zuggäste auf das Abenteuer Busreise eher mit guter Laune und sehr viel Geduld eingestellt.

FÜR DIE KRÄNE, die die verunglückten Waggons bergen sollten, bauten die Mitarbeiter des Techni-Hilfswerks Schotterpisten über die Gleise.Fotos: Michael Hehmann

Kleinstadt in den USA verschwand

Osnabrück (d.)

" Wenn die mit Propangas gefüllten Kesselwagen explodiert wären, stünde im Umkreis von 500 bis 1 00 Metern kein Haus mehr", hatte Feuerwehrmann Jan Südmersen am Donnerstag erklärt. Dieses Horrorszenario ist keine bloße Ahnung von einer möglicherweise halb zerstörten Stadt Osnabrück und tausenden Toten. In den USA hat es vor einigen Jahren eine solche Explosion gegeben und eine Kleinstadt ausradiert. Videos dieser Zerstörung gehören zum Lehrmaterial in allen Feuerwehrschulen. " In einem umgekippten Kesselwagen mit Propan, der durch Feuer erhitzt wird, bilden sich über dem verflüssigten Stoff wieder Gase. Der Druck im Innern steigt immer weiter, und wenn keine Kühlung kommt, explodiert der Kessel. Alles ringsum wird zerstört", berichtet Südmersen.

Werden heute die Züge wieder fahren?

Osnabrück (d.)

" Die durch die Güterzugentgleisung gesperrte Strecke Osnabrück-Diepholz-Bremen ist wieder frei. Der fahrplanmäßige Zugverkehr auf dem betroffenen Abschnitt wird Freitagabend ab 20 Uhr wieder aufgenommen." Das meldete gestern Nachmittag viel zu früh die Bahn-Pressestelle, als die verunglückten Kesselwagen noch gar nicht geborgen waren. So lange noch Propangasreste in den Waggons an der Unglücksstelle sind, darf kein normaler Zug den Ort passieren. Arn Abend um 20 Uhr jedenfalls fuhren noch keine Züge. Reisenden kann man nur raten, sich auch heute zu erkundigen, ob und wann die Züge fahren. Vorbereitet auf weiteren Schienenersatzverkehr ist Weser-Ems-Bus. Schon in der Unglücksnacht war der Notdienst dieser Bahn-Tochter alarmiert worden. " Wir haben bei privaten Busunternehmen Fahrzeuge gechartert, die den Schienenersatzverkehr von und nach Bohmte fahren", berichtet Ralf Wekenborg. Je Richtung wurden zwei, zu Stoßzeiten sogar drei Busse eingesetzt. " Wir müssen flexibel reagieren: morgens auf die Schüler und Pendler, später auf normale Bahnreisende. Und am Freitag darauf, dass die Leute früher Feierabend machen."

" Mit diesem Pfund können wir wuchern"

Osnabrück (d.) Mit großem Lob und Anerkennung für alle Helfer reagierten die Ratsfraktionen von CDU und FDP gestern auf das Bahnunglück. Sie hoben die gute Zusammenarbeit unter den Feuerwehren, gleich ob freiwillige oder Berufsfeuerwehr, und den anderen Helfern, z. B. von der Polizei, des Bundesgrenzschutzes oder des Technischen Hilfswerkes, hervor. Aber nicht nur aus dem Landkreis sei Hilfe gekommen, auch vom Flughafen Münster / Osnabrück sowie von den Werkfeuerwehren BASF und Bayer Dormagen. Dieses Geflecht aus funktionierenden Kooperationen sei ein enormes Pfund, mit dem man in Osnabrück wuchern könne und müsse. Die Politiker mahnten jedoch, dass man sich keine falschen Vorstellungen auf Grund dieses verhältnismäßig glimpflich verlaufenen Unfalls machen dürfe. Man habe durchaus großes Glück im Unglück gehabt. " Wären die entgleisten Waggons mit Propan oder Propylen explodiert, so wäre der Schaden erheblich gewesen. Daher gebührt allen Beteiligten für die Arbeit am Unfallort sowie zuvor in der präventiven Tätigkeit ein großes Lob", so Björn Meyer, Vorsitzender des Feuerwehrausschusses.
Autor:
kw, d.


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