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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Seelöwen und die kleinsten Pferde der Welt
Zwischenüberschrift:
März 1904: Beim Kram- und Jahrmarkt gab es massive Beschwerden über die laute Musik
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Seelöwen und die kleinsten Pferde der Welt

März 1904: Beim Kram- und Jahrmarkt gab es massive Beschwerden über die laute Musik

Von Christiana Keller

Osnabrück
Die Stadtschlüssel aus Silber, groß wie Torschlüssel, kamen vor 100 Jahren ins Museum. In historischer Zeit hatte man mit der Übergabe der Stadtschlüssel die Übergabe der Stadt selbst gemeint, so zum Beispiel in Kriegszeiten oder zum Zeichen der Huldigung, wenn ein Herrscher die Stadt betrat. Stets wurden die Schlüssel vom Bürgermeister selbst überreicht. Zum Beispiel in der Franzosenzeit, als König Jerôme, der Bruder Napoleons, 1803 die Stadt besuchte.

Der Kram- und Jahrmarkt war vor 100 Jahren die Hoffnung der kleinen Existenzen. Die Fahrgeschäfte kamen auf ihre Kosten, zumal der traditionelle Regen in diesem Jahr ausblieb. So konnte jeder beliebig lange bummeln. Auf dem kommerziellen Markt bahnte sich der Frühling an: Statt wollener gab es nur noch baumwollene Strümpfe, keine dicken Halstücher mehr, sondern bunte Krawatten und zarte Spitzenkragen, Strohhüte und Sonnenschirme.

Als Publikumsmagneten erwiesen sich wieder die Sehenswürdigkeiten: Es gab dressierte Seelöwen zu bewundern, die kleinsten Pferde der Welt, eine elektrische Hinrichtung und vieles mehr. Zusammen mit den zahlreichen Karussells machte das Ganze solchen Lärm, dass die Besitzer der umliegenden Häuser sich wieder und wieder beschwerten. Aber ohne Musik ging eben nichts.

Im Theater Mehlich erfreute ein " Riesen-Kinematograph", er brachte das Neueste aus aller Welt in herrlichen Bildern vor das staunende Publikum. Schon das Äußere des Theaters machte einen eleganten Eindruck. Sondervorstellungen gab es auch im großen Zirkussaal des Osnabrücker Vereinshauses.

Durchgerechnet und diskutiert wurde im März vor 100 Jahren erneut der Plan, die Georgstraße mit der Großen Straße zu verbinden " das Durchbruchsprojekt" war umstritten. Die Rackhorst' sche Buchhandlung und zwei Nebenhäuser mussten dafür weichen, und eine Brücke sollte über die Hase geschlagen werden, auf der auch Fuhrwerke Platz hätten.

Architekt Thor trieb das Projekt ehrgeizig voran. Er hatte die Pläne fertig gestellt und die Kosten kalkuliert. Das umfangreiche Vertragswerk wurde in der Zeitung abgedruckt. Thor musste die 21 m lange Brücke über die Hase auf eigene Kosten errichten lassen, bekam dafür aber die Ausführung aller Neubauten zugesprochen, die an der neuen verbreiterten Georgstraße lagen. Er zahlte dafür keine Abgaben und keine Steuern. Das ganze Projekt versprach für die Planer ein einträgliches Geschäft zu werden.

Endlich durfte auch das Grundstück am Schlosspark, Ecke Klubstraße, mit dem neuen Rathsgymnasium bebaut werden. Das genehmigte das Ministerium in den letzten Märztagen. Nun hoffte man, dass die Bauarbeiten möglichst rasch vorankommen würden, das Gymnasium am alten Standort Domhof platzte aus allen Nähten.

Am Karfreitag kamen endlich die Störche. Bäche, Wiesen, Gräben und Lachen " knurrten" bereits, denn die Frösche waren aus dem Winterschlaf erwacht, und damit war der Tisch für die Störche gedeckt. Das Erscheinen der Störche galt als sicheres Zeichen für den beginnenden Frühling.

NUR EIN SCHMALER STEG: Das war die Brücke an der Georgstraße vor 100 Jahren. Kurze Zeit später wurde sie ausgebaut. Das Foto aus dem Jahr 1904 haben wir dem Buch " Lichtenberg - Bilder einer Stadt" entnommen, erschienen im Rasch Verlag Bramsche.
Autor:
Christiana Keller


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