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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Leben im Schatten von Faulturm und Schrotthaufen
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Wohnbebauung nur an den Rändern des riesigen Industriegebietes - Güterumschlag mit positiver Entwicklung
Artikel:
Kleinbild
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Aus der Nähe betrachtet: Der Stadtteil Hafen

Leben im Schatten von Faulturm und Schrotthaufen

Wohnbebauung nur an den Rändern des riesigen Industriegebietes - Güterumschlag mit positiver Entwicklung

Von Holger Jansing

Hafen

Mittendrin und doch außen vor: Der Hafen als Stadtteil hat sich ins Bewusstsein der Osnabrücker noch nicht eingeprägt. Es ist ja auch verwirrend, dass ausgrechnet hier die Eversburger Straße verläuft und die Schleuse nach dem angrenzenden Haste benannt ist.

Nur anderthalb Kilometer vom Rathaus entfernt dominiert fast flächendeckend der Kanalhafen mit seinen weitläufigen Industrieanlagen den Stadtteil, den darüber hinaus vierspurige Ausfallstraßen, große Verbrauchermärkte und die Bahnlinie prägen. Wohnbebauung gibt es nur an den Rändern. Die Hafenrundfahrt beginnt.

Mutterseelenallein liegt an diesem eisigen Nachmittag die " Friedberg" an der Kaimauer. Ein Kran entlädt Alteisen aus dem Schiffsbauch und türmt es auf den riesigen Schrotthaufen, während auf dem Wasser Dutzende von Stockenten unbeeindruckt ihre Runden ziehen.

642 Motorschiffe haben im vorigen Jahr im Osnabrücker Hafen angelegt - mit insgesamt 514 500 Tonnen Gütern an Bord. Mehr als die Hälfte davon war Schrott - insbesondere für das Stahlwerk in Georgsmarienhütte. Im April 1916 waren Zweigkanal und Stadthafen nach vierjähriger Bauzeit eröffnet worden.

Schon lange ist der Güterverkehr auf der Schiene der bedeutendere Wirtschaftsfaktor. Von der Hafenbahn wurden 2003 rund 614 500 Tonnen umgeschlagen und damit 15 Prozent mehr als im Vorjahr. " Das ist eine gute Entwicklung", freut sich Peter Horenburg, Sprecher der Stadtwerke, mit Blick auf den starken Einbruch in den achtziger und neunziger Jahren.

Ein Großteil der Hafenflächen zwischen Wachsbleiche und Piesberg gehören den Stadtwerken, die diese selbst bewirtschaften oder verpachtet haben.

Parallel zum Zweigkanal plätschert die Hase durchs Gewerbegebiet. Genau in der Mitte des Stadtteils Hafen trifft sie auf das Osnabrücker Klärwerk. Die Stadt hatte es 1992 bis 1994 für rund 30 Millionen Euro auf den neusten Stand der Technik gebracht. Seitdem sorgen riesige Reinigungsstraße dafür, dass nur noch geringe Mengen Phosphat über Hase und Eins in die Nordsee gelangen. Theoretisch kann die Anlage das Abwasser von 250 000 Einwohnern klären.

Nur einen Steinwurf von Becken, Teichen und Faultürmen entfernt liegt zwischen Klöckner- und Piesberger Straße die einzige Siedlung im Viertel mit Einfamilienhäusern aus den fünfziger und sechziger Jahren. Die Bewohner wollen eigentlich nicht wahrhaben, dass sie nach dem Willen der Verwaltung zum Stadtteil Hafen gehören. Die meisten von ihnen fühlen sich als Eversburger.

Stadteinwärts auf der Pagenstecherstraße rollt der Euro. Die Parkplätze der Schnellrestaurants, Autohäuser und Verbrauchermärkte sind voll. Die Werbung hat mit Sonderangeboten gelockt, und die Kunden sind gekommen. In der Innenstadt sehen es die Händler mit Sorge.

Zurück im Hafen - die kleine Rundfahrt ist zu Ende. Von der Römereschbrücke bietet sich ein schöner Blick auf Fabriken, Kräne, Lagerhallen, Öltanks und die imposanten Gebäude der britischen Winkelhausen-Kaserne. Für sie gilt das Gleiche wie für den Industriehafen: für Unbefugte Betreten verboten. Wie gesagt: Mitten in Osnabrück bleibt der Stadtteil Hafen irgendwie außen vor.

Stadtteil-lnfo

Mit 407, 2 Hektar ist der Stadtteil Hafen kleiner als Haste (788, 8 Hektar), aber größer als Eversburg (295, 8 Hektar). Die Einwohnerzahl ist wegen der vielen Industrieflächen relativ niedrig. 2003 lebten zwischen Wachsbleiche, Hansastraße, Fürstenauer Weg, Glückaufstraße, Bahnlinie und Natruper Straße 2 481 Osnabrücker (Haste: 6 734, Eversburg: 7 833). Nach einer zwei Jahre alten Studie sind allein vom Hafen 2 200 Arbeitsplätze abhängig. Im Stadtteil gibt es eine Kindertagesstätte, aber keine Schule.

Was ist das Besondere am Hafen? v

Ein Nadelöhr mit pulsierendem Leben

Gerhard Baumann kennt den Hafen wie seine Westentasche. Der Betriebsleiter der Hafenbahn ist seit 1986 zuständig für die Verkehrswege auf dem rund 3, 5 Kilometer langen und 250 Hektar großen Gelände zwischen Wachsbleiche und Piesberg. Ganz gleich, ob irgendwo auf dem Stadtwerke-Areal ein Loch in einer der Straßen ist oder jemand das Wasser verunreinigt hat: Der " Hafenmeister" muss kommen und für Abhilfe sorgen. Doch immer wieder kehrt er gerne in das rote Verwaltungsgebäude an der Hafenstraße zurück. Von hier aus hat er das Nadelöhr am Kopf des Flafens im Blick - der interessanteste Punkt des ganzen Industriegebietes, wie er findet. " Hier pulsiert das Leben", schwärmt Gerhard Baumann. Ein Lkw nach dem anderen rauscht über die Straßen, die mehrfach die Bahnschienen kreuzen. Züge rollen an, Lastwagen müssen stoppen, der Rangierbetrieb läuft reibungslos. Mit Frau und Tochter wohnt der 50-Jährige in Bad Essen-Wehrendorf - nur 500 Meter vom Mittellandkanal entfernt. Er könnte mit dem Schiff zur Arbeit fahren, doch das würde gut und gerne fünf Stunden und länger dauern.

FÜR UNBEFUGTE BETRETEN VERBOTEN: Nur ein Teil der Osnabrücker Hafenanlage ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Von der Römereschbrücke bietet sich ein schöner Blick auf das Betriebsgelände der Firma Hellmann, rechts das Rohstoffrecycling der Georgsmarienhütte Holding.Foto: Michael Hehmann

REGER SCHIFFSVERKEHR herrschte in den Anfangsjahren des Hafens (hier ein Bild von 1931). Heute legen im Schnitt zwei Kanalschiffe pro Tag an. Archiv-Foto: Rudolf Lichtenberg

GERHARD BAUMANN ist im Hafen " Mädchen für alles". Foto: Hermann Pentermann
Autor:
Holger Jansing


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