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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Osnabrück, die Blitzer und das Imageproblem
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Von der Unfallhauptstadt zur autofeindlichsten Stadt Deutschlands - OB Fip schreibt an Sat.1-Chef
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Originaltext:
Osnabrück, die Blitzer und das Imageproblem

Von der Unfallhauptstadt zur autofeindlichsten Stadt Deutschlands - OB Fip schreibt an Sat.1-Chef

Von Dietmar Kröger

Da hat die Stadt Jahrzehnte gekämpft, um ihr Image als Unfallhauptstadt Deutschlands loszuwerden und nun das: Die Zuschauer des Sat.1 Goodyear Automagazins kürten Osnabrück zur autofeindlichsten Stadt Deutschlands. Die Geschwindigkeits- und Rotlichtblitzer schmerzten des Autofahrers Seele so sehr, dass etwa 60 Prozent der Sat.1-Zuschauer meinten, der Stadt des Westfälischen Friedens diesen Negativ-Preis geben zu müssen.

Dass dieses Urteil nicht gerade Freude ausgelöst hat, ist verständlich. Vergessen ist scheinbar die Auszeichnung der Niedersachsischen Verkehrswacht im November 2000. Osnabrück erntete viel Lob als die Stadt, die die Zahl der Verkehrsunfälle am stärksten senken konnte - nämlich um mehr als 15 Prozent.

" Ist das alles nichts?", fragen sich jetzt die Verantwortlichen

Mit Blitzanlagen Unfallzahlen gesenkt

und gehen gleichzeitig hart mit dem Privatsender ins Gericht. Fehlende objektive Kriterien und ungenaue Recherche - so lassen sich die Statements aus dem Rathaus zusammenfassen.

OB Hans-Jürgen Fip reagierte gestern mit einem Brief an Sat.1-Chefredakteur Howe auf die Entscheidung. Osnabrück verfolge mit seinen verkehrspolitischen Instrumenten das Ziel, die Unfallzahlen weiter zu reduzieren und möglichst optimale Bedingungen für alle Verkehrsteilnehmer zu schaffen. " Sind diese Ziele wirklich autofeindlich?", fragt Fip. Gleichzeitig lädt er den Sat.1-Chef ein, sich vor Ort ein Bild von der " autofreundlichen Stadt" zu machen.

" Das schadet der Stadt", machte gestern auch Pressesprecher Dr. Sven Jürgensen seinem Unmut gegenüber unserer Zeitung Luft. Er weist darauf hin, dass sowohl die Radaranlagen als auch die Rotlichtüberprüfungsanlagen im Wechsel besetzt werden. Soll heißen: Zwar stehen an vielen Straßen die grauen Starenkästen, aber nur die wenigsten davon sind gleichzeitig in Betrieb. Hinzu kommen drei mobile Anlagen, die nach Absprache mit der Polizei an Unfallschwerpunkten aufgestellt würden, " vor allem vor Schulen und Kindergärten".

Auch den Vorwurf der " legalen Wegelagerei" mag er nicht gelten lassen. Zwar könne man die Einnahmen aus den Blitzanlagen nicht aus den Gesamteinnahmen durch Verkehrskontrollen herausfiltern, aber: " Unseren Haushalt können wir damit sicherlich nicht sanieren." Oliver Mix von der Osnabrück Marketing und Tourismus rauft sich ebenfalls die Haare: " Das ist kontraproduktiv für unsere Arbeit." Er sieht einen nachhaltigen Imageschaden für die Stadt, zu Stande gekommen seiner Meinung nach durch schlechte Recherche. " Da wurden zum Beispiel die Ampelanlage Wall / Martinistraße als Geschwindigkeitskontrolle bezeichnet", nennt er ein Beispiel.

Sat.1 äußerte sich In Person des für die Sendung verantwortlichen Chefs vom Dienst, Ralf Streber: " Wir haben aus über 100 000 Einsendungen die Kriterien ausgesucht, die uns für die Autofahrer am interessantesten erschienen." So war zum Beispiel ein Kriterium der schlechte Straßenzustand (Beispiel Berlin), ein anderes die Verkehrsführung (Celle). " Geschwindigkeitskontrollen sind gut, aber warum denn gleich so viele", fragt Streber mit Blick auf Osnabrück. Wenn eine Kamera nicht helfe, warum dann zwei bis fünf, meint er weiter. Die Antwort gibt Fip: " Im Übrigen dienen sämtliche Messungen dem Ziel, Unfälle zu reduzieren. Hier zeigt sich, dass Osnabrück angemessen und erfolgreich arbeitet."

Zur Sache

Insgesamt verfügt die Stadt über fünf fest installierte Starenkästen (zwei an der Bramscher Straße, stadteinwärts, sowie jeweils einen an der Hansastraße, stadtauswärts; Mindener Straße, stadteinwärts, und Hannoversche Straße, stadtauswärts) zur Geschwindigkeitskontrolle, die im Wechsel mit drei Blitzanlagen bestückt werden. Hinzu kommen drei mobile Einheiten. Die 12 Gehäuse für die Ampelüberwachung werden wechselnd mit vier Kameras bestückt. Die Anlagen stehen an folgenden Kreuzungen: Wall / Martinistraße, August-Bebel-Platz; Johannisstraße / Wall, Iburger Straße / Ansgarstraße, Wersener Straße / Schwenkestraße.

BLITZANLAGEN so weit das Auge reicht? Geht es nach der Sat.1-Umfrage, hat sich Osnabrück in den Rang der autofeindlichsten Stadt Deutschlands geblitzt. Fotomontage: Jörn Martens

" IM VERGLEICH zu Hannover ist Osnabrück nicht autofeindlich. Jedoch kenne ich nicht andere Städte. Ich fahre nicht oft in der Stadt Auto, aber es sind doch recht viele Blitzer in Osnabrück", findet Steffen Lürmann.

" ICH KENNE ANDERE STÄDTE nicht. Obwohl es viele Blitzer in der Stadt gibt, bin ich noch nicht geblitzt worden. Selber fahre ich in Osnabrück aber selten Auto, weil ich nicht hier wohne", sagt Susanne Dudas.

" ICH KOMME AUS VECHTA und kann nicht sagen, ob Osnabrück autofeindlich ist. Die Parksituation ist aber schlecht. Es könnten meiner meinung nach noch mehr Blitzer aufgestellt werden", meint Martin Schlömer.

" IN OSNABRÜCK fahre ich selten mit dem Auto und bin hier auch noch nicht geblitzt worden. Wenn man aber einen großen Wagen hat, findet man schlecht einen Parkplatz", berichtet Beate Oevermann.

" DAS PARKLEITSYSTEM ist sehr gut, und auch sonst ist Osnabrück nicht autofeindlich. Die Radaranlagen sind etwas übertrieben. Mobile Anlagen wären effektiver und besser", meint Heike Peiffer.

" OSNABRÜCK HAT DEN TlTEL nicht verdient. Ich bin jeden Tag mit dem Auto in der Stadt unterwegs, und es gibt nicht zu viele Blitzer. Ich selber bin ein Mal geblitzt worden", berichtet Martin Elgert.

" DAS URTEIL HAT MICH doch sehr überrascht, und ich kanbn es nicht nachvollziehen. Ich fahre nicht oft in Osnabrück mit dem Auto und bin auch noch nicht geblitzt worden", sagt Elmar Kos. Fotos: Jörn Martens
Autor:
Dietmar Kröger


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