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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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"Tausende eilten hinaus aus den dumpfen Mauern der Stadt"
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Juni 1903: Zum Pfingstfest waren die Bier- und Kaffeegärten übervoll
Artikel:
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Originaltext:
" Tausende eilten hinaus aus den dumpfen Mauern der Stadt"

Juni 1903: Zum Pfingstfest waren die Bier- und Kaffeegärten übervoll

Von Christiana Keller

Das Pfingstfest im Juni 1903 entschädigte die Osnabrücker für alle Witterungsunbilden der vergangenen Wochen, es war herrlich, sonnig und heiter. " Tausende eilten hinaus aus den dumpfen Mauern der Stadt" schwärmte poetisch der Lokalreporter der Osnabrücker Zeitung. Alle Bier-und Kaffeegärten waren übervoll, allein der Germania-Garten verzeichnete an beiden Feiertagen über 2 000 Besucher. Auch auf dem Hauptbahnhof ging es hoch her. Alle Züge hatten Verspätung und barsten aus den Nähten, diesmal hatte die Bahn rechtzeitig genügend Wagen angehängt und die Reisenden waren zufrieden.

Sieben Wochen streikten die Malergesellen schon, und eine Lösung des Konflikts war nicht in Sicht. Am Ende hatten sie ihre Interessen nicht durchsetzten können, mit nur geringer Lohnzulage begannen die ersten Maler wieder zu arbeiten.

Das Kaufhaus Wertheim am Nikolaiort 7 lockte mit " Ausnahmepreisen bei allen Emaillewaren". Weil ein fremdes Wanderlager mit Dumpingpreisen den Markt der ansässigen Geschäfte zu unterhöhlen drohte, durften diese " ausnahmsweise" selbst die Preise herabsetzen. Eine emaillierte Waschschüssel von 28 cm kostete nur noch 33 Pfennig, ein Durchschlag 40 Pfennig.

Schon seit über 100 Jahren bestand die Schulpflicht, aber immer wieder schwänzten Schüler und mussten daraufhin nach dem Gesetz bestraft werden. Nicht die Lehrer waren verantwortlich, meldete der Magistrat, sondern die Eltern. Aufgabe der Lehrer war es, die Fehltage zu verzeichnen und die Delinquenten in Zusammenarbeit mit der Polizei zu bestrafen.

Anfang Juni wurde die Natur in Osnabrück von einer zentimeterdicken Staubschicht befreit, denn es hatte wochenlang nicht geregnet. Ein milder Landregen brachte den Gärten, Feldern und Wiesen die ersehnte Erquickung. Des ei-

Kinderarbeit wurde gänzlich verboten

nen Freud, des anderen Leid: Zum Bedauern der Katholiken verregnete der Fronleichnamstag vollständig.

Ganze 14 Tage stellte der Dürerbund im Oberlichtsaal des Museums seine alljährliche Bilderausstellung dem Publikum vor. 3 000 Besucher, darunter viele Vereine mit Freikarten, sahen die Gemälde und bewunderten besonders die umfangreiche Sammlung von Gemälden des beliebten Malers Hecker.

Vor dem Johannistor begannen im Juni umfangreiche Vermessungsarbeiten. So erfuhren die Osnabrücker, dass beabsichtigt wurde, den Bahndamm höher zu legen.

In Höhe der Wittkopstraße verunglückte ein Bauer. von der Moorlandstraße, als seine Pferde durch das Hupen eines Automobils scheuten und durchgingen. Der Landmann stürzte und wurde von seinem Fuhrwerk überfahren und mitgeschleift. Ein herbeigeholter Arzt ließ den Verwundeten in seine Wohnung schaffen.

Ferienzeit, Zeit der Sonderzüge in alle Himmelsrichtungen: Allein reisende Kinder, so erinnerte die Eisenbahnverwaltung, müssten den Schaffnern in Obhut gegeben werden, sie dürften nicht unbekannten Reisenden anvertraut werden und man möge am Zielort für die Abholung der jungen Schienenkunden sorgen.

Nicht alle Kinder waren so privilegiert, reisen zu können. Das wurde aus einer Verordnung ersichtlich, die in diesem Monat in allen Tageszeitungen im Reich veröffentlicht wurde. Die Kinderarbeit wurde nun für Kinder unter 13 Jahren in Fabriken gänzlich verboten und für 14-Jährige nur sechs Stunden erlaubt. Das Schutzgesetz war gerade erweitert worden: Kinder durften in Ziegeleibetrieben ihren EItern nicht mehr zur Hand gehen, auch und erst recht nicht während der Schulferien.

RAUS AUS DER STADT, hinein in die Gartenlokale, so lautete die Botschaft im Juni 1903. Hier das Kaffeehaus Mehring am Harderberg. Die Ansichtskarte stammt aus der Sammlung von Dieter Mehring aus Moers.
Autor:
Christiana Keller


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