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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Mit dem Trecker über den Neumarkt aufs Feld
 
Landwirtschaft in Zahlen
 
Von der Neckerei zur "Muesenburg"
Zwischenüberschrift:
Für den Städter zum Greifen nah: Zwischen Villen und Uni ist Landwirt Kemna mit Vieh und Misthaufen zu Hause
 
Der Ursprung des Hofes geht auf den Besitzer Carl Friedrich Mues zurück
Artikel:
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Originaltext:
Mit dem Trecker über den Neumarkt aufs Feld

Für den Städter zum Greifen nah: Zwischen Villen und Uni ist Landwirt Kemna mit Vieh und Misthaufen zu Hause

Texte: Meike Hohenbrink Fotos: Uwe Lewandowski

Es herrscht reger Verkehr auf dem Westerberg. An die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde hält sich kaum einer. Die Menschen haben es offensichtlich eilig. Stadtalltag. Inmitten von vornehmen Villen, Studentenwohnheim und Botanischem Garten ist die Familie Kemna zu Hause. Ein Schritt durch den Torbogen zu ihrem Hof an der Caprivistraße und schon befindet man sich in einer anderen Welt. Ein Bauer mitten in der Stadt. Die " Muesenburg" macht' s möglich.

Das alte Gemäuer ist beim schnellen Vorbeifahren leicht zu übersehen. Ein Hinweisschild auf frische Eier und Kartoffeln lässt nur erahnen, was sich hinter der Hofeinfahrt und dem runden Torbogen verbirgt. Aber einmal durchquert, liegt die Stadt scheinbar weit hinter einem. Ein Städter auf dem Land oder aber ein " Landei" in der Stadt? Die Grenzen sind hier fließend.

Der große Misthaufen fällt dem Besucher zuerst ins Auge. Mitten auf dem Hof türmt er sich auf. Scheune, Bullen-

Ein Bauernhof zum anfassen

Stall und Wohnhaus sind rundherum angeordnet. Josef Kemna bewirtschaftet das denkmalgeschützte Anwesen seit 1970. Sein Vater hatte den Hof bereits 1958 von der Stadt gepachtet und auch heute noch ist die so genannte " Muesenburg" Eigentum der Stadt.

Besonders viele Mütter kommen mit ihren Kindern zu Hanna Kemnas kleinem Verkaufsstand, an dem sie Eier, Kartoffeln, Gemüse und frische Blumen anbietet. Mit großen Augen erkunden die Kleinen dann den Hof, der für sie eine Kulisse bildet, die sie häufig nur aus Büchern kennen. Eine Mutter habe sogar einmal zögerlich gefragt, ob ihr Kind den Trecker berühren dürfe, berichtet Hanna Kemna schmunzelnd. " Das ist oft der Grund, warum sie überhaupt kommen", weiß sie. Das macht den Eheleuten aber nichts aus. Sie helfen gerne.

60 Bullen und 1 400 Hühner versorgt Josef Kemna täglich. Außerdem sind 100 Hektar Acker auf dem Westerberg, in Eversburg, Haste und Hellern zu bewirtschaften. Bis zu vier Kilometer weit muss er mit seinem Traktor fahren - teilweise mitten durch die Pkw-Schlangen der Stadt. Gekracht hat es bislang nur einmal. Kemna baut nahezu alle Getreidesorten und auch Raps an. Die gelben Blüten sorgen in voller Pracht für eine traumhafte Augenweide auf dem Westerberg. In weleher Stadt gibt es das schon? Theater und Stadion, Supermarkt, Kino und Boutiquen liegen direkt vor der Tür. " Ich fahre immer mit dem Rad in die Stadt", sagt Hanna Kemna. Welcher Landwirt kann das schon? " Ich möchte nicht mit dem Kollegen tauschen, der zum Beispiel im tiefen Emsland wohnt", erklärt Jo-

Was wird aus der Muesenburg?

sef Kemna. " Da würde ich mich einsam fühlen."

In der Früh um sechs beginnt für den Landwirt der Arbeitstag. Die Tiere müssen versorgt, der Acker gepflügt und die Felder bestellt werden. Die Bullen werden in den Ställen gemästet. Namen gibt ihnen Josef Kemna nicht. Eine Nummer muss reichen; aber er kennt sein Vieh. " Der hier lässt sich besonders gern streicheln", meint er und krault einem braun-weißen Tier den Kopf. Andere seien eher störrisch. Da kann es schon mal zu brenzligen Situationen kommen.

Beim Verladen der Tiere auf den Transporter ist vor fünf Jahren ein Bulle auf ihn losgegangen. Das Vieh sollte zum Schlachter. " Das Tier hat wohl geahnt, wohin es geht", erzählt er heute schmunzelnd. Seine Frau hat großen Respekt vor den Bullen und träumt sogar manchmal nachts von ihnen. " Ich habe immer den Albtraum, dass sich das Vieh im Garten austobt", erzählt sie und lacht.

Wenn es Ärger mit den Maschinen gibt, ist Sohn Thomas schnell zur Stelle. Der gelernte Werkzeugmacher kennt sich aus und repariert die Teile im Nu. Auch bei der Ernte packen Kemnas Söhne mit an. Doch eine landwirtschaftliche Ausbildung hat keiner von den Dreien. Was wird also aus dem Betrieb, wenn Josef Kemna in Rente geht? Hinter dieser Frage steht für das Ehepaar noch ein großes Fragezeichen. Die beiden Töchter hat es in die weite Welt gezogen. Die drei Söhne wohnen zwar zu Hause, haben aber andere Berufe. " Das wird auf Dauer kein Vollerwerbsbetrieb sein", vermutet Kemna. Aber ein bisschen Hoffnung, dass vielleicht doch noch jemand den Hof übernimmt, schwingt mit. Es komme außerdem darauf an, was die Stadt als Eigentümerin möchte, geben die Eheleute zu bedenken. Solange es geht, will das Ehepaar bleiben: " Wir fühlen uns ganz wohl hier."

Zur Sache

Landwirtschaft in Zahlen

Das niedersächsische Landesamt für Statistik führt die Anzahl und Produktionsstärke der landwirtschaftlichen Betriebe in Stadt und Landkreis Osnabrück auf. Demnach gibt es in der Stadt 149 voll- und teilerwerbstätige landwirtschaftliche Betriebe (Stand 2001). Insgesamt werden 3 729 Hektar bestellt. Im Landkreis gibt es 4 314 Betriebe mit einer Gesamtfläche von 122 648 Hektar, die bewirtschaftet werden. Im Vergleich zu ihren Kollegen aus dem Landkreis sehen sich die Landwirte in Osnabrück aufgrund der Stadtnähe und Zentralität engeren Immissions- und Bebauungsbestimmungen ausgesetzt, teilte die Landwirtschaftskammer Weser-Ems mit. Grundsätzlich gebe es jedoch keine Unterschiede.

ALLE HÄNDE VOLL zu tun hat Landwirt Josef Kemma auf seinem Bauernhof, der Denkmalgeschützen Muesenburg am Westerberg. Um sechs in der Füh beginnt sein Arbeitstag.

QUER DURCH DIE STADT muss Josef Kemna aus Osnabrück mit seinem Traktor, um zu seinen Feldern zu gelangen.

BALD ZUM SCHLACHTER? - Die Bullen werden gut gemästet.

Von der Neckerei zur " Muesenburg"

Der Ursprung des Hofes geht auf den Besitzer Carl Friedrich Mues zurück

Woher kommt der Name " Muesenburg"? Die Bezeichnung geht auf den Namenspaten Carl Friedrich Mues zurück, der das Gebäude bereits 1836 erwarb.

Damals hatte Osnabrück noch ein ganz anderes Gesicht. Auf dem Westerberg standen zu Anfang des 19. Jahrhunderts nur einige Kalköfen, in denen Branntkalk für die Bauleute erzeugt wurde. Außerdem prägten zwei große Holländerwindmühlen das Bild. Die südlich gelegene Graupenmühle an der Bergstraße (Hausnummer 36) wurde von dem Ökonom Carl Friedrich Mues gekauft. Er begann mit einer Landwirtschaft, die schon bald florierte. 1887 standen in den neu erbauten Ställen 57 Kühe und 8 Pferde. Von Freunden der Familie wurde die Hofanlage " Muesenburg" geneckt. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde der Westerberg zur bevorzugten Wohngegend der vermögenden Osnabrücker Familien. Dampfende Misthaufen in der Nachbarschaft vertrugen sich nicht mit den neuen Nachbarn. Der Hoferbe Carl Mues (1874 - 1937) verlegte den Betrieb weiter nach Westen. Der Architekt Nlemeyer entwarf an dem neuen Standort eine geschlossene Hofanlage mit türmchengekröntem Verwalterhaus, in dem später Albert Kemna lebte. 1958 wurde die Muesenburg an die Stadt verkauft. Heute sind Josef Kemna, der Sohn des einstigen Verwalters, und seine Frau Hanna an der Caprivistraße 81 Zuhause. Gemeinsam bewirtschaften sie rund 100 Hektar Land.

Die Zukunft der Muesenburg steht noch in den Sternen. Zurzeit wird der Pachtvertrag mit der Stadt in regelmäßigem Abstand verlängert. Joachim Götz vom Fachbereich Immobilien und Hochbau der Stadt teilte mit, dass es keine konkreten Zukunftspläne für die denkmalgeschützte Hofanlage gebe. " Soweit Herr Kemna willens ist, das zu bewirtschaften, wird sich nichts ändern", versicherte Götz.

DAMALS WIE HEUTE gehört das Korn zum Alltag des Landwirts.
Autor:
Meike Hohenbrink


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