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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Dosensammeln lohnt - noch - nicht: Verpackungen bekommen Siegel
 
Pfand auf...
Zwischenüberschrift:
Pfand kommt zum 1. Januar - Kleine Kioskbesitzer bangen um ihre Existenz
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Originaltext:
Dosensammeln lohnt - noch - nicht: Verpackungen bekommen Siegel

Pfand kommt zum 1. Januar - Kleine Kioskbesitzer bangen um ihre Existenz

" Schrecklich" ist das erste Wort, das Sonja Schmidt beim Stichwort Dosenpfand entschlüpft. " Die spinnen doch, die sich das ausgedacht haben", schimpft die Inhaberin des kleinen Süßigkeitenladens in der Neumarktpassage. Um Dosen und Kunststoffflaschen, die sie ab 1. Januar zurücknehmen muss, zu lagern, fehle ihr in dem Mini Geschäft schlicht der Platz.

Nachdem am Donnerstag das Oberverwaltungsgericht Münster eine Entscheidung zum Thema Pfand für Getränke in Einwegverpackungen gefällt hat, wird die Bundesregierung die Verordnung zum 1. Januar in Kraft setzen. Eine endgültige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes, das zahlreiche Einzelhändler, darunter auch die Osnabrückerin Mechthild Möllenkamp, angerufen haben, steht allerdings noch aus und wird im Frühjahr erwartet.

" Dosenpfand ist das falsche Wort. Es ist ein Zwangpfand, nicht nur auf Dosen", sagt Insa Westenhoff vom Unternehmerverband Einzelhandel, der sich seit Monaten vehement gegen die Einführung ausspricht. " Es betrifft doch nicht nur Dosen, sondern auch die PET-Elaschen (Kunststoff), Tetra-Packs, Gläser und Schlauchbeutel. Der Handel ist auch nicht dafür, dass Dosen die Umwelt verschmutzen, aber diese Verordnung bringt vor allem viele Probleme für die kleinen Händler."

Einer von ihnen ist Jochen Heidenreich, der einen kleinen Tabak- und Zeitschriftenladen in der Johannisstraße betreibt. Der Getränkeverkauf ist für ihn " ein unverzichtbarer Bestandteil seiner Existenz". Er weiß nicht, wo er die zurückgegebenen Dosen hygienisch lagern oder wo er einen Rücknahmeautomaten aufstellen sollte. Und bei einem Pfand von 25 Cent pro Dose befürchtet er, zu dem viele Schulkinder kommen, auch einen Umsatzrückgang. " Vielleicht muss ich auf den Getränkeverkauf ganz verzichten. Und wenn dann noch ab Januar die Tabaksteuererhöhung kommt, steht die Existenz solch kleiner Geschäfte wie meinem auf dem Spiel."

Einige Meter weiter in der Ihr-Platz-Filiale weiß Marktleiterin Ulrike Reents noch nicht, wie es ab Januar laufen soll. " Wir sind direkt an der Bushaltestelle und verkaufen im Sommer viele Getränke. Die zurückzunehmen, erfordert Mehrarbeit."

Kauffrau Mechthild Möllenkamp hat gerade in Berlin an einem Seminar teilgenommen. " Es sind so viele Sachen unklar, es kann gar nicht am 1. Januar losgehen", ist ihr Eazit. Zumal unter anderem noch eine Clearingstelle fehle. " Jemand kauft woanders und ich muss ihm das Pfand zahlen - woher bekomme ich das Geld zurück?", fragt sie. Nach ihrer Meinung stützt die neue Verordnung nicht das Mehrwegsystem und außerdem müssten die kleinen Supermärkte und Kioske das Verhalten der großen Discounter ausbaden: " Die führen keine Mehrwegverpackungen, verkaufen aber 80 Prozent aller Einwegverpackungen."

Viele Einzelhändler, die Getränke verkaufen, hatten gestern noch keine Ahnung, wie sie das Pfand ab 1. Januar bewältigen sollen. " Keine Panikmache", sagt hingegen Klaus Rudolph, der in Westerkappeln Rücknahmeautomaten herstellt und sein Personal von jetzt 30 Mitarbeitern " erheblich aufstocken" wird.

Er spricht von " Übergangszeiten", in denen den Geschäften Sammelsäcke zur Verfügung gestellt würden. Außerdem bekämen die Geschäftsleute vier bis fünf Cent Dienstleistungsvergütung für jede zurückgenommene Getränke-

Rücknahme am Automaten

Verpackung. Davon könnten zum Beispiel die Rücknahmeautomaten bezahlt werden, oder die vollen Säcke würden zu einer Annahmestelle gebracht. Ein Rücknahmeautomat sei auch nicht groß: 645 mm hoch, 245 nun breit und 645 mm tief, wiege 15 Kilo und koste etwa 3 000 Euro. Aber auch er kritisiert, dass die Standards für die Rücknahme bislang nicht klar definiert seien.

Wer jetzt allerdings meint, er könne aus allen Mülleimern Cola- und Bierdosen einsammeln und sie im neuen Jahr gegen 25 Cent Pfand abgeben, der irrt gewaltig. " Es werden Pfandaufkleber kommen und nur derart gekennzeichnete Verpackungen werden zurückgenommen bzw. von den Automaten erkannt." Allerdings sind nach seiner Kenntnis diese Siegel noch gar nicht gedruckt. Nach dem 1. Januar dürfte es sich aber lohnen, mit offenen Augen durch die Straßen zu geben und achtlos weggeworfene Dosen aufzuheben. (d.)

DOSENPFAND wird ab 1. Januar erhoben. Doch noch wissen viele Osnabrücker Einzelhändler nicht, wie sie diese Regelung umsetzen sollen.Foto: ddp

Pfand auf ...

Das Pfand auf Einwegverpackungen betrifft Getränke wie Bier, Mineralwasser und Limonade. Nicht betroffen sind vorerst Einwegflaschen mit Wein, Sekt oder Spirituosen sowie Fruchtsäfte und Milch. Bis 1, 5 Liter Verpackungsgröße soll das Pfand 25 Cent betragen, darüber 50 Cent. Mit dem Pfand will die Regierung den Abwärtstrend bei Mehrwegverpackungen stoppen.
Autor:
d.


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