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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Sportsmäßig" Zugaben vom Klavierspieler gefordert
Zwischenüberschrift:
November 1902: Stüves Geburtshaus musste einem Neubau weichen - Stuckdecke sollte gerettet werden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Wieder ein Waarenhaus in Sicht", hieß es im November 1902 in der Osnabrücker Zeitung, das Meyersche Haus, Große Straße Nr. 34, war an die Firma Aisberg verkauft worden, die in anderen deutschen Städten schon große Warenhäuser besaß. Das alte Gebäude sollte abgebrochen werden und statt dessen ein Neubau entstehen.

Ein Unfall, zum Glück ohne große Folgen, erregte vor 100 Jahren die Gemüter. Immer wieder gab es Nachrichten, dass Pferde oder Gespanne aus irgendwelchen Gründen durchgingen. Im November waren es die Tiere eines Viehhändlers, die schon am Martinitor zu rennen begannen und bis zur Höhe der Uhlandstraße rasten, hier gelangten die Wagenräder auf den Bürgersteig und die Deichsel durchstieß das Schaufenster einer Bäckerei. Glücklicherweise spielten die vielen Kinder, die sonst die Martinistraße belebten, wie durch ein Wunder woanders.

Die Handwerkskammer beschloss, das ehemalige Hotel Germania zu erwerben, um dort eine ständige Dauerausstellung von landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen zu präsentieren, einige Mitglieder waren gegen einen solch aufwendigen Ankauf, besonders die Handwerker in Belm, die sich keinerlei Vorteil versprachen. Aber die Vorstände der Innungen machten noch vor Jahresende den Kauf perfekt.

Der Verein zur Verschönerung der Stadt zählte im November 1902 über 1 300 Mitglieder, kümmerte sich um Wege und Stege, bezahlte u. a. den Korbmacher Brandt für die Überwinterung der Hase-Schwäne, betreute den Gertrudenberg und beschloss in diesem Jahr, dem Teutoburger Gebirgsverband beizutreten, " um weitere Kreise auf die

Fröhliches Getümmel auf der Eisbahn

Schönheiten der Stadt aufmerksam zu machen". Ein " Auskunftsbüro für Fremde" am Bahnhof wurde eingerichtet und allseitig als längst erforderlich hochgelobt.

Das Geburtshaus von Osnabrücks großem Mitbürger Johann Carl Bertram Stüve an der Krahnstraße 25 sollte einem Neubau weichen. Im Vorjahr hatte man gerade eine teure Gedenktafel anbringen lassen, diese sollte nun übernommen werden. Als wünschenswert erhofften sich die Kenner die Rettung der Stuckdecke im Saal der 1. Etage. Hier prangten Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Glaube und Liebe als Allegorien im Rokokostil in den Raumesecken.

Ein Klavierkonzert bot Anlass für eine sonderbare Schelte. Kaum waren die letzten Töne verhallt, da applaudierte das spärlich anwesende Publikum dem Pianisten, der sich auf Tournee in Osnabrück befand. So lange klatschten die Gäste, bis der Künstler nicht umhin konnte, drei weitere Zugaben zu präsentieren. Nichts Ungewöhnliches? Anderer Meinung war da der Musikkritiker der Osnabrücker Zeitung, der tags drauf eine Schimpftirade über das Publikum goss: Er wetterte auf die Unsitte, die in Osnabrück eingerissen war, Zugaben geradezu " sportsmäßig" einzufordern. Das fortgesetzte Klatschen führe zu einer Erweiterung des Konzerts, obwohl der Pianist weder die Kosten des Abends noch die Reisespesen ersetzt bekommen hatte, denn das Konzert war mangelhaft besucht. Besonders schmeichelhaft sei daher sein Eindruck vom Osnabrücker Publikum nicht gewesen. Man möge diese eingewurzelte Unsitte doch besser unterlassen.

Im November sank die Temperatur innerhalb von wenigen Tagen von 8 bis 10 Grad auf ebensolche Minusgrade. Die Eisbahn des Osnabrücker Eislaufvereins war schon eröffnet. Kalte Nächte hatten die Bahn gefrieren lassen, ab 22 Uhr wurde sie erleuchtet. Viele hundert Menschen lenkten ihre Wege zur Bahn, und bald konnten die Betreiber 3 000 Tageskarten als verkauft melden. Es herrschte fröhliches Getümmel. Die spitz zulaufenden Holländer-Schlittschuhe sorgten für manchen Sturz und zerschnittene Kleidung, aber die Kufen mit den gefährlichen Haken waren preiswert und sehr beliebt.

Ein Radfahrer aus Lotte erlitt einen Kettenbruch und stürzte so unglücklich, dass er sich stark verletzte. Die Osnabrücker Zeitung berichtete " auch seine Garderobe war in Folge des Unfalls arg zerschlissen, in einem nahen Geschäft konnte er sich nothdürftig restaurieren, bevor er mit der Eisenbahn in die Heimath fuhr".

DIE KRAHNSTRASSE vor 100 Jahren: Das vorletzte Haus auf der rechten Seite, die Nummer 25, war das Geburtshaus von Johann Carl Bertram Stüve. Es musste einem Neubau weichen.
Autor:
Christiana Keller


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