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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Holiday-Inn-Hotel am Bahnhof?
 
Ein Argument zeiht
Zwischenüberschrift:
Bauvoranfrage gestellt - Alteingesessene Hoteliers dagegen - Kauft Scholle?
 
Holiday Inn will nach Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Holiday-Inn-Hotel am Bahnhof?

Bauvoranfrage gestellt - Alteingesessene Hoteliers dagegen - Kauft Scholle?

Die international agierende Hotelkette Holiday Inn will auf einer Fläche vor dem ehemaligen Sunburst Gebäude neben dem Bahnhofsparkhaus ein 120 Betten Hotel bauen. Die Hoteliers der Stadt lehnten dieses Vorhaben gestern während eines Gesprächs bei Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip geschlossen ab: Sie befürchten im Zusammenhang mit dem ebenfalls geplanten Dorinth-Hotel (140 Betten) am Standort des Gewerschaftsgebäudes an der Stadhalle eine Betten-Überkapazität und einen dadurch bedingten ruinösen Preiskampf.

Bauunternehmer Fritz Scholle als Investor des Advena Hohenzollern Hotels am Bahnhofsvorplatz will das Holiday Inn in unmittelbare Nähe auf jeden Fall verhindern. Er machte gestern deutlich, dass er das Grundstück von der Privateigentümerin kaufen wolle, wenn die Stadt auf ihr dort bestehendes Vorkaufsrecht verzichte. " Darüber kann nur der Rat entscheiden", stellte Fip klar. Mit einem solchen Kauf sei das Thema dann im Übrigen nicht vom Tisch, weil Holiday Inn dann in einen anderen Standort in der Stadt investiere.

Fip verhehlte aus Sicht der Stadt auch nicht gewisse Sympathien für den zusätzlichen Hotelstandort am Bahnhof. Stadtemwicklungspolitisch mache der Sinn, und auch die stadteigene Osnabrücker Parkstätten Betriebsgesellschaft OPG profitiere von der Auslastung durch das Hotel.

Die Befürchtungen der Hoteliers, die Hotelkette werde ein Billighotel errichten, ließ Fip nicht gelten: In einem Vorgespräch sei ein 4-Sterne-Hotel zugesichert worden. " Das würde vertraglich und juristisch wasserdicht vereinbart", versicherte der OB den nach wie vor skeptischen Branchenvertretern.

Deren Sprecher Andreas Bernard, Dieter Westerkamp, Hans Klute und Fritz Scholle verwiesen nämlich auf sinkende Übernachtungszahlen in Osnabrück, bundesweit schlechte Auslastungen im Hotelhereich und die schwierige wirtschaftliche Gesamtlage. " Eine Erweiterung des Angebots in Osnabrück ist weder sinnvoll noch notwendig", betonte Bernard. Sollte es dennoch dazu kommen, prognostizierte er Preiskämpfe, die die gewachsene individuelle Hotelkultur der Stadt nachhaltig zerstören würden. Alteingessene kleine Betriebe müssten dann Mitarbeiter entlassen, und auch Insolvenzen seien absehbar. " Wollen Sie wirklich eine neue Hotellandschaft zu Lasten bestehender Häuser?", fragte Bernard. Der " Größenwahn" Hannovers bei der Ansiedlung neuer Hotels habe dort zu einer ruinösen Bettenauslastung von 30 Prozent und weniger geführt.

Fip widersprach: Unter Einbeziehung des Umlandes könne Osnabrück bei der Hotelkapazität durchaus noch zulegen. Das beweise auch der Vergleich mit Münster. " Wir müssen an der Entwicklung auf dem Hotelsektor teilhaben."

Ähnlich äußerte sich Reinhard Sliwka als kommissarischer Geschäftsführer der Marketing GmbH (OMT). Auch bei der Ansiedlung des Remarque-Hotels habe es ähnliche Befürchtungen gegeben. Stattdessen profitiere die Stadt von dem renommierten Hotel. Da die Kommune rechtlich ohnehin keine neuen Hotelansiedlungen verhindern könne, solle sie ihr Steuerungspotenzial für den auch für sie günstigsten Standort einsetzen. Das sei beim Holiday Inn am Bahnhof der Fall. " Im Übrigen glaube ich, dass unsere Stadt so viel Entwicklungskräfte hat, dass sie die neuen Betten verkraftet."

Einig war sich die Runde in der Einschätzung, dass das Dorinth-Hotel an der Stadthalle realisiert werden müsse. " Die springen ab, wenn Holiday Inn kommt", befürchtete ein Insider. " Das werden wir prüfen", versicherte Fip.

Von den Ratsfraktionen waren für die SPD die Fraktionsvorsitzende Alice Graschtat und für die CDU deren stellvertretende Vorsitzende Irene Thiel anwesend. Beide verdeutlichten, das Thema zunächst intensiv in den Fraktionen beraten lassen zu wollen. " Der Rat ist aber kein Konkurrenzschützer", betonte Alice Graschtat. (fr)

UMSTRITTENER STANDORT: Hier am August-Bebel-Platz soll ein Holiday-Inn-Hotel entstehen. Foto: Uwe Lewandowski

Holiday Inn will nach Osnabrück

Ein Argument zieht

Von Christoph Franken

Der gemeinsame Auftritt der Hoteliers im Rathaus verlieh deren Ansinnen Gewicht: Sie waren sich trotz interner Konkurrenz in der Verhinderung des Holiday Inn einig, um ihre Pfründe nicht mit dem Hotelgiganten teilen zu müssen. Die Stadt dagegen hat ganz andere Interessen. Zum einen fällt - ähnlich wie beim Steigenberger Remarque - marketingrelevanter Glanz auf Osnabrück, wenn sich das prestigeträchtige Holiday Inn ansiedelt. Außerdem kann die Kostenlücke an der stadteigenen Bahnhofsgarage geschlossen werden, die durch die Hülsmeier-lnsolvenz entstanden ist.

Die Ablehnung durch Fritz Scholle ist verständlich: Schließlich hat er seinerzeit beim Hohenzollern die Kastanien aus dem Feuer geholt und auf Drängen von Stadt und Sparkasse investiert. Erst so wurde die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes eine runde Sache. Ihm als Rat jetzt in den Rücken zu fallen ist eine moralisch schwierige Angelegenheit.

Ob die schmucken, kleinen und familiär geführten Hotels der Stadt durch das neue Haus wirklich existenzbedroht sind, muss aber bezweifelt werden: Die Kundschaft der großen Kettenhotels bildet eine ganz andere Zielgruppe. Nur ein Argument ist wirklich stichhaltig: Sollte Dorinth mit seinem Kongresshotel an der Stadthalle wegen Holiday tatsächlich abspringen wollen, müsste der Rat ein klares Votum zu Gunsten von Dorinth abgeben.
Autor:
fr


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