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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Postkutschen mit "Shuttle-Service"
 
Der Experte gibt sein Wissen gerne weiter
Zwischenüberschrift:
Norbert Kreimeyer: Vom Briefmarkensammler zum Post-Historiker
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Geschichte der Osnabrücker Post - und die Geschichte einer Leidenschaft

Postkutschen mit " Shuttle-Service"

Norbert Kreimeyer: Vom Briefmarkensammler zum Post-Historiker

Von Thomas Achenbach

Es ist ein kalter Wintervormittag in Osnabrück im Jahre 1686. Neben dem Rathaus steht eine Postkutsche, ungefähr dort, wo vier Jahre später das Gebäude entstehen wird, in dem heute das Hotel Walhalla untergebracht ist. Passagiere besteigen die Kutsche, ziehen fröstelnd ihre Kleidung enger an den Körper. Da trabt, in raschem Tempo, ein Reiter vorbei, auf dem Weg hinaus aus der Stadt. Er ist ein Postreiter, in seiner Tasche etliche Briefe, und doch fällt der Gruß zum Kutscher-Kollegen nur halbherzig aus. Sie sind Konkurrenten.

So oder ähnlich könnte es gewesen sein, denn in Osnabrück gab es zwischen 1682 und 1806 zwei konkurrierende Posrunternehmen: die berittene Post des Hauses Thurn und Taxis, die in ganz Deutschland mit Reitern den Briefverkehr abwickelte, und das Amt der Hannoverschen Post. Letztere war eine fahrende Post, die Passagiere und Pakete transportierte.

40 Stunden dauerte die Fahrt mit der Kutsche, die stets über Bentheim bis nach Norden führte. Eine wichtige Achse, die viel genutzt wurde. Es gab sogar eine Art von " Shuttle-Service", die die

40 Stunden Fahrt mit der Postkutsche

Fahrgäste aus Iburg, wo sich zu diesen Zeiten das herrschaftliche Schloss befand, bis in die Innenstadt Osnabrücks brachte.

124 Jahre lang blieb diese Konstellation bestehen, bis zum 1. Januar 1807. Danach folgten viele Jahre, in denen die Posthoheit über Osnabrück laufend wechselte. Es waren unruhige und wilde Jahre, prägend für ganz Europa, was stets direkte Auswirkungen auf den Postverkehr der Stadt hatte. Mal übernahmen die Franzosen die Regie, mal die Westfalen, später die Preußen.

Einer, der sich bestens auskennt in der Geschichte der Post, der alle Daten auf den Tag genau auflisten kann, ist der Osnabrücker Norbert Kreimever. In seinem Keller beherbergt der 67-Jährige ein Archiv voller Post-Schätzchen. Aus allen Teilen der Welt hat sich Kreimeyer Unterlagen über die Post in Osnabrück zusammengesucht. Eine Leidenschaft, fast schon eine Sucht, die einst ganz harmlos mit dem Sammeln von Briefmarken begann.

Es war eines der wenigen Hobbys, die für Kreimeyer in Frage kamen: Schon von Geburt an leidet er unter einem Hüftschaden. Während andere Fußball spielten oder sich im Schwimmbad tummelten, blieb Norbert Kreimeyer nichts anderes übrig, als zu Hause seine Sammlung zu pflegen.

Mit besonderem Stolz zeigt der Geschichts-Experte die besonders alten Unterlagen. Zum Beispiel einen Postkutschen-Fahrplan aus dem Jahr 1667 von der fahrenden taxischen Post. Da war die Strecke nach Norden seit etwa drei Jahren bereits befahren - zunächst noch konkurrenzlos.

Das älteste Dokument, das sich in seinem privaten Archiv finden lässt, ist aus dem Jahr 1648, denn mit dem Besiegeln des Westfälischen Friedens beginnt auch die Geschichte der Osnabrücker Post. Zwar hatte das Haus Thurn und Taxis bereits fünf Jahre zuvor, im September 1643, ein Amt in der Hasestadt eingerichtet, aber noch herrschten die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Dann jedoch, mit dem Besuch der hohen Herrschaften, die zu den Friedensverhandlungen anreisten, erlebte auch die Post einen neuen Aufschwung.

Es waren die Stempel, die aus dem Briefmarkensammler Norbert Kreimeyer einen historischen Experten machten. Denn jeder Poststempel erzählt eine eigene Geschichte. Irgendwann, vor etwa 32 Jahren, überholte das Interesse an der Geschichte die Begeisterung für die Marken.

Dass er als gelernter Schneider nie beruflich mit der Post zu tun hatte, betrachtet Kreimeyer eher als Vor-, denn als Nachteil: " Interne Leute", sagt er, " sind dafür viel zu be-

Geschichte beginnt mit Westfälischem Frieden

fangen. Schon bald war der Osnabrücker in ganz Deutschland als eifriger Hobby-Historiker bekannt.

Sogar im Schloss der Familie Thurn und Taxis in Regensburg durfte er sich im Archiv umsehen. Er blieb gleich ganze Tage dort. Auch in Osnabrück wurde seine Fachkenntnis stets gern genutzt: In Ausstellungen oder Jahrbüchern veröffentlichte er Teile seiner Sammlung. Zuletzt hat er Dokumentationen des Bahn- und Luftpost-Verkehrs fertig gestellt.

" Die Luft-Hansa und Osnabrück" ist der nüchterne Titel einer von ihm zusamrnengestellten Chronik, die die noch nicht einmal zehn Jahre währende Geschichte Osnabrücks als Zwischenstopp der Post-Flugzeuge beschreibt. Sie begann am 2. August 1926, als die Stadt zum ersten Mal von einer Maschine angeflogen wurde. Der Flugplatz fand sich in jenen Jahren in der Netter Heide. Die Fluglinie mit der Nummer 59 (von Frankfurt nach Borkum über Dortmund, Münster und Osnabrück) ist schon bald bei den Passagieren sehr begehrt, vor allem im Sommer nutzen sie viele als eine Möglichkeit, rasch auf die Inseln zu kommen. Zusätzliche Flüge werden angesetzt.

Doch dem Flugverkehr ist keine gute Zukunft vergönnt: Der Flughafen Netter Heide meldet 1927 ein sehr mageres Geschäftsjahr; für die Lufthansa liegt Osnabrück an der 61. Stelle von Insgesamt 79 Flughäfen. Sechs Jahre später ist es dann endgültig aus. Der Flughafen Netter Heide muss den Kasernen weichen, das Militär untersagt am 1. April 1934 den Flugbetrieb, ein alternatives Gelände lässt sich nicht finden.

Zahlen, Daten, Fakten - damit nimmt es Norbert Kreimeyer ganz genau. Schleicht sich in einer Veröffentlichung ein Fehler ein, ist er zumindest verstimmt. In der Genauigkeit seiner Arbeit reicht er an jeden Akademiker heran - und einen Titel hätte er sich inzwischen durchaus verdient. Und doch ist sein Durst noch lange nicht gestillt, treibt ihn seine Leidenschaft stets aufs Neue in die Postarchive, nach Hamburg, beispielsweise.

Hat er etwas gefunden, hegt und pflegt er es, archiviert es sorgfältigst nach einem ausgeklügelten System, um es dann und wann wieder hervorzuholen und vorzuzeigen. Dann entrollt er voller Stolz die alten Baupläne, erklärt, wie einst die Zimmer im Osnabrücker Bahnhof aufgeteilt waren, oder wie der provisorisches Holzbau ausgesehen hatte, der zuvor errichtet worden war.

Der Experte gibt sein Wissen gerne weiter

Norbert Kreimeyer stellt sein Wissen über die lokale Postgeschichte allen Interessierten zur Verfügung.

Bislang hat er Jahrbücher für Angestellte der Post zusammengestellt. Sein größter Traum ist es, ein Buch über die Osnabrücker Postgeschichte zu schreiben. Wer Kontakt mit ihm aufnehmen möchte, erreicht ihn unter der Telefonnummer 0541 / 126572. Wer ein echter Post-Begeisterter ist, freut sich natürlich auch über einen Brief - auf dem Postweg, versteht sich. Die Adresse: Norbert Kreimeyer, Ostlandstraße 31, 49504 Lotte-Büren. (ta)

SO SAH DAS STADTWAPPEN von Osnabrück und die Signatur des ersten Postamtes zu Zeiten der Verhandlungen über den Westfälischen Frieden aus.

EINE SKIZZE DES " VENLOER BAHNHOFES*: Dieses Gebäude stand ab etwa 1870 auf dem Klushügel. Von dort aus wurden einige Jahre die täglichen Postsendungen abgewickelt und in die Züge verladen. Es war nur ein Provisorium, größtenteils aus Holz gezimmert, weil zu dieser Zeit bereits feststand, dass ein neuer Zentralbahnhof gebaut werden sollen.

DER POST-EXPERTE inmitten seiner besonderen Schätze. In seinem privaten Archiv hat Norbert Kreimeyer die gesamte Geschichte der Post in Osnabrück dokumentiert. Noch immer ist er eifrig auf der Suche nach weiteren Fundstücken. Foto: Gert Westdörp
Autor:
Thomas Achenbach


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