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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Eine Fabrik, in der man sich wohlfühlen kann
 
Gänse gibt's immer noch
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Nicht nur für Krankenscheininhaber: Im Martiniviertel entsteht das Gesundheits- und Rehabilitationszentrum Medic.os
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Originaltext:
Eine Fabrik in der man sich wohlfühlen kann

Nicht nur für Krankenscheininhaber: Im Martiniviertel entsteht das Gesundheits- und Rehabilitationszentrum Medic.os

Von Rainer Lahmann-Lammert

Karmann hat auf dem Gelände seine ersten Autos montiert. In der Fabrik von Künsemüller wurden schon 1883 Bettfedern sortiert. Jahrzehntelang stand das Gelände leer. Eine Industriebrache. Und die erwacht jetzt zu neuem Leben. In der " Alten Fabrik Martiniviertel" entsteht ein Gesundheits- und Rehabiiltationszentrum. Das in manchen Ohren nach Krankenschein und orthopädischen Strümpfen klingen.

Ist aber eine aufregende Geschichte. Weil man nicht einfach hingeschickt wird, sondern gerne bleibt. Und gerne wiederkommt. Auch auf ein Bier oder ein Baguette.

Das Zauberwort heißt " Wohlfühlatmosphäre". Architekt Wilfried Ohnesorge hat die Aufgabe, die alten Fabrikgebäude als stilvolles Ambiente für einen neuen Zweck herzurichten. " Jedes Gebäude hier hat seinen eigenen Charakter", betont er, und diese Strukturen will er erhalten. Ob Klinker oder Sandstein, Kappendecke oder Stahlkonstruktion - jedes Detail erfordert eine Individuelle Lösung.

Zum Ambiente gehören auch ein Bistro, das tagsüber geöffnet ist, eine Gaststätte mit Biergarten und vielleicht ein Cafe. Die Projektkoordinatorin Gaby Sanders kündigt Ruhezonen und Höfe an, " In denen man sich gerne aufhält", Brunnen, Wasserspiele und blühende Inseln. Der Schornstein vom alten Kesselhaus bleibt als Fußnote Industriegeschichte stehen, ebenso ein unförmiger Wassertank, dessen Nähte mit Nieten zusammengehalten werden.

Noch vor einem Jahr sollte die Künsemüllersche Fabrik ein Multimediazentrum werden, für junge Unternehmen der IT-Branche. Als am Neuen Markt manche Seifenblase platzte und manche Aktie in den Keller stürzte, wechselte der Projektentwickler Christian Sanders nur die Branche aus, ohne das Konzept auf den Kopf zu stellen. In der Alten Fabrik Martiniviertel, so der Identität stiftende Name für das Gesamtprojekt, lassen sich nun medizinische Einrichtungen nieder, die sich gegenseitig ergänzen sollen.

Medic.os nennt sich das Gesundheits- und Rehabilitationszentrum, das am 1. Oktober seine Türen öffnen will. Es handelt sich um eine kooperative Einrichtung der Schüchtermann-Schillerschen Kliniken Bad Rothenfelde und des Therapie- und Rehabilitationszentrums Norbert Giesen aus Voxtrup. Diese Betreibergemeinschaft will mit allen großen Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten, aber auch Sportvereinen oder Selbsthilfegruppen zusammenarbeiten, ebenso mit der Prof.-Grewe-Schule, einer Lehranstalt für Physiotherapie, die ebenfalls ins Martiniviertel zieht.

Gemeinsam werde es gelingen, die " Versorgungslücke ambulanten Rehabilitation in Osnabrück zu schließen", sagt Dieter Stelmaszek, der Geschäftsführer der Schüchtermann Schillerschen Kliniken. Das Zentrum in der alten Bettfedernfabrik sei landesweit ein Novum, weil es " an einem Super-Standort" ambulante, stationäre und teilstationäre Angebote miteinander verzahne.

" Wir nehmen keine Privatpatienten weg"

Wie das funktionleren soll? Keine sterile Praxisatmosphäre, sondern ein " Wohlfühlambiente" soll aus Patienten Dauergäste machen.

Wer nach einer Herzoperation oder mit frisch installierter Hüftprothese in die alte Fabrik kommt, stößt auf ein eingespieltes Team von Ärzten und Therapeuten. Ob Physiotherapie oder Trainingsbad, Bewegungshalle oder Sauna - wer auf Krankenschein kommt, soll Appetit auf weitere Angebote bekommen, die dann natürlich aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen.

Wellness? Dieses Modewort nehmen Dieter Stelmaszek und sein Geschäftspartner Norbert Giesen nicht in den Mund, weil bei ihnen der professionelle Anspruch an erster Stelle steht. Aber der Trend zu Fitness und Körperkult kommt ihnen nicht ungelegen. Sogar dem Zwang zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen können die beiden Investoren einiges abgewinnen.

Die Zeit arbeite für das ambulante Zentrum, weil der Gesetzgeber in Zukunft der Prävention mehr Gewicht einräumen werde, sagt Norbert Giesen. Und sein Geschäftspartner Dieter Stelmaszek betont, die ambulante Reha sei für die Krankenkassen preiswerter als die stationäre Pflege, denn: " Wir bekommen das Geld nur montags bis freitags" Niedergelassene Ärzte werden eingeladen, selbst Sprechstunden in der Fabrik einzurichten. Auf ihre Erfahrung, so versichert Giesen, wolle das Medic.os zurückgreifen. Zum Beispiel, wenn es um Leistungsdiagnostik, Stressabbauprogramme oder Ernährungsberatung gehe. Den Ängsten der niedergelassenen Ärzte begegnet Dieter Stelmaszek offensiv: " Wir nehmen keinem etwas weg, schon gar nicht die Privatpatienten."

iphire" zu spüren sein, die die Investoren für das gesamte Gesundheits- und Rehabilitationszentrum in der Alten Fabrik Martiniviertel versprechen.

Gänse gibt' s immer noch

Alte Fabrik Martiniviertel. Als Till diese Bezeichnung zum ersten Mal hörte, musste er stutzen. Vielleicht, weil das Viertel, um das es geht, eigentlich zur Wüste gehört. Aber, so , sagte er sich, warum eigentlich nicht? Schließlich ist die alte Fabrik zwischen Martinistrafle und Weidenstraße eine Welt für sich, und da liegt es auf der Hand, diesem Karree einen Namen zu geben, der an seine Vergangenheit erinnert. Till hat in Erfahrung gebracht dass auch andere Vorschläge gehandelt wurden. " Gänseviertel" war einmal im Gespräch, weil in der Fabrik Künsemüller Gänsefedern für Betten verarbeitet wurden. Klingt ja ganz originell, aber da fallen Till doch eher die Enten ein, die im Wüstensee schwimmen. Und die haben nichts mit der Sache zu tun. Alte Fabrik Martiniviertel? Das passt. Bismontag

MASCHINEN ZUM SORTIEREN von Gänsefedern standen früher in dieser Halle. Sie wird nun für die medizinische Trainingstherapie umgebaut, speziell für das Wirbelsaulentraining und das Konditionstraining mit vernetzten Ergometern. Fotos: Uwe Lewandowski

RAUCHEN wird dieser Schlot nie wieder. Aber als Ambiente ist er unentbehrlich.

FRISCHE FARBE für den Seminarraum. Er eignet sich für die unterschiedlichsten Veranstaltungen

ALT UND NEU stilvoll kombiniert. Hier geht es zu den Behandlungsräumen.

HIER WIRD INVESTIERT. Die Fassaden an der Weidenstraße nehmen schon Gestalt an. Von links: Hans-Christian und Gaby Sanders. Architekt Wilfried Ohnesorge, Norbert Giesen und Dieter Stelmaszek.

DAS THERAPIEBAD im Erdgeschoss: Auch hier soll die " Wohlfühlatmosphäre" zu spüren sein, die die Investoren für das gesamte Gesundheits- und Rehabilitationszentrum in der Alten Fabrik Martiniviertel versprechen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, Till


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