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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Die Chipkarte macht´s möglich: Radstation öffnet rund um die Uhr
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Am Hauptbahnhof jetzt 9000 Plätze - Verleihräder kommen gut an
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Die Chipkarte macht' s möglich: Radstation öffnet rund um die Uhr

Am Hauptbahnhof jetzt 9000 Plätze - Verleihräder kommen gut an

Text: Rainer Lahmann-Lammert Fotos: Michael Hehmann

Osnabrück gilt ja immer noch als größte westfälische Stadt in Niedersachsen. Die neue Radstation am Hauptbahnhof macht diesem Prädikat alle Ehre. Sie ist die einzige Einrichtung dieser Art außerhalb von Nordrhein-Westfalen. Derselbe Name, dasselbe Logo, der gleiche Service rund ums Rad. Einen Unterschied zum Nachbarland gibt es allerdings: In Osnabrück beteiligt sich das Land nicht an den Kosten, wohl aber die Stadt. Für die Kunden macht das allerdings keinen Unterschied.

Wer eine Chipkarte löst, kann die Radstation in der ehemaligen Expressguthalle rund um die Uhr betreten. Eine ausgeklügelte Überwachungstechnik schützt die Fahräder auch dann, wenn der Schalter nicht mehr besetzt ist. Lange hat es allerdings gedauert, bis das System einwandfrei funktionierte. Die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG) musste die für Autogaragen entwickelte Hard- und Software erst einmal auf Fahrradmaßstäbe transformieren.

Elektronische Aufzeichnungsgeräte erfassen, wer sich wann in der Radstation autgehalten hat. Parallel dazu halt ein Videoband die Mitschnitte der Überwachungskameras fest. Sollte sich ein Kunde nächtens an fremden Fahrrädern zu schaffen machen, wäre er durch das Überwachungssystem leicht zu überführen. Im Bedarfsfall stehen die Bänder eine Woche lang für Auswertungen zur Verfügung, dann werden sie wieder überspielt. Technik hilft auch da weiter wo früher Putzlappen und Ölkännchen genügen mussten. Die Fahrradwaschanlage - so etwas gibt es erst wieder in Münster - soll der Station auch Kunden zuführen, die sich sonst vielleicht nicht zur Radstatlon verirren würden. Offensichtlich kommt das elektronisch gesteuerte Wunderwerk aus Düsen und Bürsten bei vielen Pedaleure gut an. Eine Vollwäsche kostet drei Euro, anders als bei der Autowaschanlage gibt es aber keine Trocknung.

Das Team von der Arbeitslosenselbsthilfe (ASH) drückt den Kunden deshalb eine Luftdüse in die Hand. Damit können sie ihr Fahrrad trocken pusten. Den Kompressor und die Hochdruckleitungen hat ein technisch versierter ASH-MItarbeiter installiert. Auch die Waschanlage hat von ihm den letzten Schliff bekommen - durch die Umbauten wurde sie erst alltagstauglich gemacht.

Die ASH betreibt die Radstation am Bahnhof, an der sieben Arbeitsplätze hängen. Wie in NRW wurde also bewusst auf einen gemeinnützigen Träger gesetzt. Die Löhne für die Mitarbeiter kommen vom Arbeitsamt - aus den Mitteln für ABM und Langzeltarbeitslose -, oder aus Förderprogrammen zur Strukturanpassung und für Schwerbehinderte.

Ein Arbeitsplatz in der Radstation ist für manchen, der jahrelang raus war aus dem Geschäft, ein willkommener Neuanfang. ASH-Geschäftsführer Hubert Thole verweist darauf, das der Umgang mit der EDV und der Waschanlage ein Schritt zur Qualifikation sei. Die Mitarbeiter sind entsprechend motiviert und nutzen ihre Chance. Jeder muss im Prinzip alles können, dazu gehören Bewachung und Verleih, Karten verkaufen und Quittungen ausstellen. Pannenhilfe und kleinere Reparaturen.

Als die OPG vor einem Jahr einen Betreiber für die Radstation suchte, wurden auch Fahrradhändler aus Osnabrück gezielt angesprochen.

An der Station hingen sieben Arbeitsplätze

Doch die hatten kein lnteresse. Die Arbeitslosenselbsthilfe muss gut kalkulieren, um über die Runden zu kommen. Die 900 Stellplätze sind derzeit nur zu etwa 20 Prozent ausgelastet. Eine solche Quote sei im ersten Jahr normal, sagt Hubert Thole und hofft natürlich, dass weitere Kunden den Weg In die Radstation finden. Erfreulich nennt der ASH-Manager die Entwicklung im Verleihgeschäft. Für die Hase-Ems-Tour, aber natürlich auch für jede andere Fahrt, bietet die Radstation komfortable Reiseräder mit Sattelfederung, Nabendynamo und niedrigem Einstieg an. Demnächst sollen sie auch noch mit einem Navigationssystem ausgestattet werden. Auch für Behinderte stehen verschiedene Fahrzeuge zur Verfügung, zum Beispiel ein Rollfiets, eine Kombination aus Fahrrad und Rollstuhl. Nagelneu ist ein Tandem, das vom Hintermann gesteuert wird. Bei Bedarf können Lenkung und Pedale für den Vordermann abgeschaltet werden.

Was wird aus dem Schrott?

Tlll war kürzlich Ohrenzeuge, als Fachleute über das Fahrradchaos vor dem Hauptbahnhof diskutierten. Eine Zählung hat ergeben, dass etwa 200 der 350 geparkten Velos schrottreif sind. Nach dem Willen der Stadt soll künftig rigider vorgegangen werden, wenn jemand den Bahnhofsvorplatz als ungenehmigtes Endlager für ausgemusterte Drahtesel nutzt. Das heißt, innerhalb einer Woche wird abgeräumt Außerdem soll eine " Schneise" von der Post zum Bahnhofsportal freigehalten werden, damit auch Fußgänger den kürzesten Weg nehmen können, ohne über irgendwelche Schrotthauten zu stolpern. Abzuwarten bleibt, ob der Vorschlag des SPD-Politikers Uwe Körte in die Tat umgesetzt wird. Er hat angeregt, dass Fahrräder, die an die Säulen des Bahnhofsvordachs angekettet werden, innerhalb einer Minute entfernt werden -" und zwar kostenpflichtig". Till rat allen, die ihr Fahrrad am Bahnhof parken, die Radstation zu benutzen. Da steht es sicher, und das zu einem günstigen Preis!

Bismontag

Wie wär' s mit einer Rikscha?

900 Stellplätze stehen in der Radstation am Hauptbahnhof zur Verfügung. Geöffnet ist die Fahrradgarage montags bis freitags von 6 bis 22 Uhr und samstags / sonntags von 8 bis 20 Uhr. Dank Chipkarte ist das Abholen 24 Stunden am Tag möglich. Ein Tagesticket kostet 70 Cent, ein Monatsticket sieben Euro und eine Jahreskarte 70 Euro. Für die Benutzung der vollautomatischen Fahrradwaschanlage werden drei Euro erhoben. Die Radstation vermietet Leihräder für sechs Euro pro Tag und 25 Euro pro Woche. Behindertenfahrräder kosten zehn Euro pro Tag. Wer eine Rikscha ausleiht, zahlt zehn Euro pro Stunde oder 35 Euro pro Tag.

" Für mich ist das hier ein Traumjob"

Sieben Arbeitsplätze wurden mit der Radstation am Hauptbahnhot geschaffen. Einen davon füllt Klaus Waller aus - mit Hingabe. Der 36-jährige war durch eine Krankheit lange Zeit arbeitslos, jetzt ist für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen. " Für mich ist das hier ein Tiaumjob", sagt der Monteur. Fahrräder bedeuten ihm viel. Mit Leib und Seele repariert Klaus Waller die Fahrräder der Kunden, und selbst fährt er auch gern Rad. Auf ein Jahr ist seine ABM-Stelle befristet, er hofft auf eine Verlängerung. Sein größtes Glück wäre es, auf Dauer eine Arbeit als Fahrradmonteur zu finden.

SAUBER: Die Fahrradwaschanlage macht die Radstation am Hauptbahnhof zu einem besonderen Anziehungspunkt. Eine Wäsche kostet drei Euro.

CHIPKARTEN AN DEN SENSOR halten, und schon geht die Schranke auf: Rund um die Uhr kann das Rad abgeholt werden.

FAHRRÄDER bedeuten ihm viel: Monteur Klaus Waller.

KOMFORTABEL: Die neuen " Hasetal"- Leihräder haben Sattelfederung, Nabendynamo, Doppellenker und einen niedrigen Einstieg.

OB TANDEM RIKSCHA ODER ROLLFIETS: Die Radstation bietet auch Leihräder für Behinderte an. Eine Rampe erleichtert den Zugang zum Gebäude, das viele noch als Expressgutabfertigung kennen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, Till


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