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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Die modernen Eigenheime waren begehrt
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3000 Menschen fanden neues Zuhause
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Die modernen Eigenheime waren begehrt

3000 Menschen fanden neues Zuhause

Architekten und Städteplaner gaben sich in den Musterhäusern die Klinke in die Hand. Alle wollten sie es sehen - das bis dahin ehrgeizigste Wohnungsbauprojekt in Niedersachsen. In nur drei Jahren entstand in der Dodesheide eine neue Siedlung für rund 3 000 Menschen. Im Sommer 1961 waren zwischen Haster Weg und Ellerstraße die letzten Häuser bezugsfertig. Die Bewohner wollen das Jubiläum am 25. und 26. August mit einem großen Straßenfest feiern.

Auf rund 37 Hektar errichteten die Handwerker seinerzeit 732 Eigenheime und Mietwohnungen. Die Reihenhäuser an der Wildeshauser Straße entstanden im dritten Bauabschnitt. Günter Schaller gehört zu denen, die dort seit 40 Jahren wohnen - " nach wie vor glücklich und zufrieden", wie er selber sagt. Für die Niedersächsische Heimstätte, in deren Händen die Gesamtplanung des so genannten staatlichen Demonstrativbauvorhabens lag, war der heute 77-Jährige als Bauleiter im Einsatz, er wirkte somit aktiv am Entstehen der neuen Siedlung mit.

Noch immer lobt er das Konzept in höchsten Tönen. Den Zuschnitt der Häuser bezeichnet Günter Schaller als " sehr gut und wegweisend". Das Badezimmer war für damalige Verhältnisse " ausgesprochen modern", der Wohnraum mit einer Grundfläche von 18 Quadratmetern " unglaublich groß". Auch städtebaulich hat die Siedlung " Am Dodeshaus" nach Ansicht des Bauingenieurs im Ruhestand viele Pluspunkte. Wie Kompassnadeln sind die einheitlich gestalteten Gebäude mit dem Dachfirst nach Norden ausgerichtet. Die drohende Monotonität haben die Planer verhindert, indem sie die Blöcke versetzt angeordnet haben. Inmitten einer Parklandschaft stehen die mehrgeschossigen Gebäude am Rand der Siedlung.

40 Jahre später hat Günter Schaller aber auch die Probleme während der Bauphase nicht vergessen. Das Neubaugebiet entstand auf einem ehemaligen Sumpfgebiet (" im Winter sind die Kinder dort Schlittschuh gelaufen"). Der Bau von Kellern war nicht möglich. Stattdessen erhielten die Reihenhäuser einen markanten Schuppenanbau. Der feuchte Boden führte dazu, dass sich der Umzug vieler Familien schwierig gestaltete. Reihenweise blieben die Lastwagen im Morast der nicht fertig ausgebauten Wege stecken.

Oswald Krause wohnt ebenfalls seit 40 Jahren mit seiner Familie in der Mustersiedlung " Am Dodeshaus". Bis heute hat er es nicht bereut, ein Gartenhofhaus (eine Besonderheit des Baugebietes) erworben zu haben. Dem 71-Jährigen sind allerdings die finanziellen Belastungen der Anfangszeit schmerzhaft in Erinnerung geblieben. Das mit Landesmitteln geförderte Eigenheim hatte einen Festpreis von 56 800 Mark. Für das Darlehen mussten die Käufer monatlich knapp 200 Mark aufbringen, zwei Mark pro Quadratmeter Wohnfläche. Ziel des sozialen Wohnungsbaus war es, dass die Familien ihr Häuschen bis zum Ruhestand abbezahlen.

" Unser finanzieller Spielraum war unwahrscheinlich eng", sagt Oswald Krause rückblickend. Monatelang gab es nichts anderes als Eintopf und Spaghetti zu essen. Die " Fresspakete" der Eltern und Verwandten lieferten da eine willkommene Abwechslung. Erstmals in den Urlaub fahren konnte die Familie 1971. Die Reise führte nach Italien an den Gardasee.

Trotz der hohen Kosten waren die Eigenheime in der Dodesheide heiß begehrt. Es herrschte auch Ende der fünfziger Jahre noch immer Wohnungsnot und deshalb gab es rein rechnensch drei bis vier Bewerber pro Einheit. Die Eltern von Andrea Tomfohrde hatten Glück und erhielten den Zuschlag für ein Gartenhofhaus am Wildeshauser Weg. Inzwischen wohnt die junge Frau hier mit ihrer eigenen Familie. Auf Grund der Ruhe, der vielen Grünflächen und der nahe gelegenen Einkaufsmöglichkeiten hält sie die Siedlung " Am Dodeshaus" für eine optimale Wohngegend - auch wenn die Einheitlichkeit der Gebäude nicht unbedingt ihr Geschmack ist.

" Konzept bis heute vorbildlich"

Stadt will Ladenzeile aufwerten

Die Stadteplaner der fünfziger Jahre haben offenbar ganze Arbeit geleistet. " Die Siedlung zwischen Eilerstraße und Haster Weg ist in ihrer Einheitlichkeit noch immer vorbildlich", sagt Hans Lange, der heute für die Dodesheide zuständig ist.

Auch sein Chef Franz Schürings, Leiter des Fadbereich Städtebau, kommt ohne zu zögern zu einer positiven Beurteilung. Das Konzept der kurzen Wege sei sehr gelungen, ein so hoher Grünflächenanteil wie auf dem Gelände des Demonstrativbauvorhabens sei für viele Quartiere in Osnabrück wünschenswert. Er verleihe dem gesamten Wohngebiet einen großzügigen, teilweise parkähnlichen Charakter mit Naherholungsfunktion.

Diesen Aspekt hatten vor 40 Jahren auch die Verantwortlichen der Niedersächsischen Heimstätte im Blick. Bis heute gibt es in der Siedlung keinen Durchgangsverkehr. Alle Bewohner können zu Fuß Spielplätze, das neue Altersheim oder die Franziskuskirche erreichen.

Städteplaner Hans Lange weist darauf hin, dass per Bebauungsplan festgelegt ist, den Gesamteindruck der Mustersiedlung zu erhalten. An der äußeren Gestaltung der Häuser seien nur behutsame Veränderungen zulässig. Inzwischen haben fast alle Bewohner das Dach neu eingedeckt. Die roten Pfannen sind weitgehend dunklen Ziegeln gewichen.

Komplett umgebaut wurden vor einigen Jahren die Mehrfamilienhäuser an der Ellerstraße. Um den Ausbau des Dachgeschosses zu ermöglichen, hat die Stadt für diesen Teilbereich den Bebauungsplan geändert. Hans Lange bereut mittlerweile diesen Schritt, weil sich die Gebäude nicht mehr ins harmonische Ganze einfügen.

Probleme bereitet dem Stadteplaner derzeit die Ladenzeile im Süden der Siedlung. Die Geschäfte werden von den Bewohnern nicht mehr so richtig angenommen. Die Verantwortlichen wollen demnächst eine zusätzliche Bebauung an der Ellerstraße zulassen und den Platz neu gestalten, um so das Karree aufzuwerten. (Jan)

EIN LUFTBILD wie eine Planzeichnung: In der Senkrechtaufnahme von 1997 aus 4 000 Metern Höhe ist die Struktur der Siedlung " Am Dodeshaus" gut zu erkennen. Das dreieckige Areal wird begrenzt rechts von der Ellerstraße mit dem mehrgeschossigen Gebäuden, links vom Haster Weg und oben von der Straße " In der Dodesheide" mit der sich anschließenden Siedlung " Hof Hanesch".

DIE BLÖCKE stehen versetzt: Das Luftbild von 1965 zeigt die Reihenhäuser aller drei Bauabschnitte im ursprünglichen Zustand. Oben rechts die Fanziskuskirche.

AUCH NACH 40 JAHREN fühlen sich Hans-Joachim Berghammer, Günter Schauer und Oswald Krause (von links) noch wohl in der Mustersiedlung am Stadtrand. Gerne schauen sie sich noch einmal die alten Pläne an. Foto: Uwe Lewandowski
Autor:
Holger Jansing


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